Da stellt sich Wallner der formellen Wahl im Erweiterten Bundesvorstand (EBV). Bis dahin will er sich bei den Grünen in den Bundesländern vorstellig machen, die Öffentlichkeit aber meiden. Er wird nach Eigenangaben weder Interviews geben noch zu aktuellen Themen Stellung nehmen.
Die Trennung von der Caritas wollte Wallner ganz klar vollziehen und hat daher schon am Montag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt eingereicht. Dass Wallners religiöser Hintergrund zu Konflikten mit den Grünen führen könnte, glaubt Parteichefin Eva Glawischnig nicht. Es gebe erstens viele, die von NGOs in die Politik wechseln und zweitens auch viele religiös engagierte Grüne, wie etwa Madeleine Petrovic. Solche Wechsel seien "heikel", passierten aber immer wieder.
Aushängeschild für "soziale Gerechtigkeit"
Wallner meinte, keine Partei habe eine Exklusivität auf kirchliches Engagement. Seine Arbeit im Sozialbereich sei "religiös motiviert" und münde jetzt in eine "Liebesheirat" mit den Grünen, die er als "mutig und unbequem" bezeichnete. Wallner sprach von einem Wechseln von der sozialen Reparaturwerkstatt in die Entwicklungsabteilung, wo er gestalten und die Gesellschaft "im positiven Sinne verändern" möchte. Glawischnig lobte ihren Neuzugang als Aushängeschild für "soziale Gerechtigkeit" und "jemand, der aus Berufung arbeitet".
Mit Wallner ist die Umbildung an der Parteispitze abgeschlossen und "das Team komplett". Der Posten des Bundesparteisekretärs wird nach exakt drei Jahren wieder abgeschafft. Diese Position war im November 2006 geschaffen und bis Februar dieses Jahres von Lothar Lockl erfüllt worden, danach aber bereits vakant gewesen. Glawischnig sieht mit der Neuaufstellung ihre Partei für das Wahljahr 2010 gut aufgestellt.
Kritiker von Verschärfungen im Fremdenrecht
Stefan Wallner war zehn Jahre lang Generalsekretär der Caritas Österreich und machte sich als Experte in Armutsfragen, Koordinator der Hochwasserhilfe 2002 sowie als prononcierter Kritiker von Verschärfungen im Fremdenrecht einen Namen. Sein Wechsel kommt unerwartet, denn noch im Vorjahr hatte er gemeint: "Müsste man einen Job für mich erfinden, wäre er genau der, den ich jetzt habe." Die Agenden Wallners in der Caritas übernimmt interimistisch Christoph Petrik-Schweifer, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich.
Wallner wurde am 2. Juli 1971 in Graz geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, Politikwissenschaft und Geschichte in Graz und Wien und absolvierte Ausbildungen zum Kommunikationstrainer, Mediator, Controller für Non-Profit-Organisationen und Organisationsentwickler. Er ist verheiratet und Patchwork-Vater von drei Kindern, der seine Energie aus der Familie, klassischer Musik und Jazz schöpft.
Seine Berufslaufbahn startete er 1992 als Generalsekretär der Katholischen Hochschuljugend Österreichs, von 1995 bis 1998 war er wissenschaftlicher Projektmitarbeiter der Julius-Raab-Stiftung im Bereich Sozialpolitik. 1996/97 war er Zivildiener bei der Caritas, dann Projektmitarbeiter und sozialpolitischer Referent.








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