16.02.2018 06:00 |

Wechseljahre

Cremen oder Hormontherapie?

Wenn Frauen im Wechsel über Schmerzen beim Sex, Scheidentrockenheit und Juckreiz klagen, ist oft Östrogenmangel schuld. Was Betroffene gezielt gegen diese unangenehmen Beschwerden unternehmen können.

Während der Wechseljahre verändert sich so manches – das sagt ja auch die Bezeichnung für die Phase der Hormonumstellung der Frau. Meist setzt die Menopause im Alter zwischen 45 und 55 ein. Vorher erscheint die Scheidenwand voll, hellrot und feucht. Wenn der Östrogenspiegel absinkt, wird sie dünner, trockener und weniger elastisch. Das ist eine normale Erscheinung, die viele Frauen in dieser Lebensphase betrifft. Vaginalatrophie ist der medizinische Ausdruck, der die Verdünnung der Scheidenwand beschreibt.

Wie wird das diagnostiziert?
Symptome wie Jucken, Trockenheit oder Schmerzen v. a. beim Geschlechtsverkehr sind so typisch, dass der Experte daraus oft auf eine Vaginaltrockenheit oder Atrophie im Zusammenhang mit anderen Symptomen des Wechsels schließt. Es gibt keine spezifischen Tests, die nachweisen können, ob die Scheidenwand dünner oder weniger elastisch geworden ist. Natürlich sollte eine sorgfältige gynäkologische Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen wie Infektionen, die ebenfalls ähnliche Beschwerden verursachen können, auszuschließen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen in diesen Fällen zur Verfügung?
Ist der generalisierte Östrogenmangel neben den Scheidenproblemen mit anderen entscheidenden Beschwerden verbunden, kann eine allgemeine Hormonersatztherapie eingesetzt werden. Dabei verwendet man heute hauptsächlich bioidente Hormone, welche die gleiche chemische Formel aufweisen wie die körpereigenen erzeugten Hormone. Sie werden aus natürlichen Pflanzenprodukten hergestellt und in Form von Tabletten oder Kapseln sowie transdermal als Pflaster, Gel und Creme durch die Haut zugeführt. Die Hormontherapie ist für jede Patientin individuell anzupassen und entsprechend zu kontrollieren. Es gibt aber auch lokal wirksame sogenannte topische (topisch = direkt in die Scheide eingeführt) niederdosierte Hormonbehandlungen (vaginaler Östrogenring, vaginale Östrogensalben, vaginale Östrogentabletten).

Befeuchtungsmittel wie Cremen, Lotionen und Gleitmittel während des Geschlechtsverkehrs sind nichthormonelle Optionen. Die lokale Anwendung eines Povidon-Iod-Komplexes im äußeren Vaginalbereich im Rahmen einer Spülung, eines Sitz- oder Vollbades kann äußerst hilfreich sein, Brennen und Schmerzen nach dem Verkehr zu lindern.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Erich Müller-Tyl, Redaktion: Karin Podolak, Kronen Zeitung

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