Casual statt Core

Rockt jedes Wohnzimmer: “Guitar Hero 5”

Spiele
18.09.2009 14:43
Vier Jahre nach dem ersten Teil ist Activision mit "Guitar Hero 5" nun endgültig im Mainstream angelangt. "Casual" statt "Core" lautet die Devise, wenn im neuesten Ableger der populären Musikspielserie das Wohnzimmer gerockt werden darf. Eine Entwicklung, die anfangs skeptisch stimmt, letzten Endes aber vollends zu begeistern weiß.

Den wohl größten Schritt in Richtung "Casual Gaming" beschreitet Activision mit der Einführung des sogenannten Party-Modus, der es den bis zu vier Spielern ermöglicht, jederzeit in einen laufenden Song ein- und auch wieder auszusteigen. Dabei ist es völlig gleichgültig, wie sich die Band zusammensetzt: Ob drei Schlagzeuge und eine Gitarre oder zwei Stimmen und zwei Bässe – den eigenen Vorlieben sind keine Grenzen gesetzt. Wer seinem Spieltrieb freien Lauf lassen möchte, muss nicht einmal mehr das Hauptmenü aufrufen. Wie eine Juke-Box beginnt "Guitar Hero 5" unmittelbar nach Einlegen der Disc mit dem Abspielen der insgesamt 85 enthaltenen Songs. 

A wie A Perfect Circle bis W wie Wolfmother 
Das Angebot erstreckt sich von A wie A Perfect Circle bis W wie Wolfmother und beinhaltet diesmal auch eine Reihe eher gemächlicherer Pop-, Rock- und sogar Funk-Songs, wie etwa Wild Cherrys "Play That Funky Music" (komplette Tracklist siehe unten). Dies dürfte vor allem jener Spielerschicht gefallen, die Bands wie Slayer, Slipknot und Co bislang nur wenig zugeneigt war. Hartgesottene Rocker müssen sich dafür damit abfinden, häufiger Songs auszulassen bzw. zu überspringen. Ziemlich "casual" ist auch der Umstand, dass sämtliche Songs im "Schnelles Spiel"-Modus bereits vom Start weg zur Verfügung stehen und somit nicht erst freigespielt werden müssen, was vor allem bei weniger fingergeübten Gitarreros Frust vermeiden dürfte.


Für jedes Können den passenden Schwierigkeitsgrad
Auf einen Karriere-Modus wurde in "Guitar Hero 5" dennoch nicht verzichtet, wenngleich sich dieser deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Eine Story, Geld, mit dem sich neue Extras kaufen ließen, oder eine Tour wie in "Guitar Hero World Tour" gibt es nicht mehr, stattdessen dreht sich alles um das Erspielen von Sternen. Hat man davon genügend gesammelt, werden nach und nach größere Bühnen und Goodies freigeschaltet. Um die erforderliche Anzahl von Sternen zu ergattern, müssen allerdings keine Wunder mehr vollbracht werden: Wer nicht weiter kommt, spielt einfach so lange bereits absolvierte Songs, bis das Soll erreicht ist. Notfalls lässt sich auch inmitten eines Songs der Schwierigkeitsgrad herunterschrauben. 

Eine eigene Karriere für jedes einzelne Instrument gibt es übrigens nicht mehr. Dafür hält jeder Song bestimmte Herausforderungen für Gesang, Bass, Schlagzeug oder Gitarre bereit, mit denen sich zusätzliche Sterne verdienen lassen. Darunter etwa, das Tremolo so oft wie möglich zu benutzen oder einen bestimmten Punktestand zu erspielen.

Neue Multiplayer-Herausforderungen
Auch im Multiplayer-Bereich hat sich einiges getan. So gesellt sich zu den bereits bekannten Modi "Face Off" und "Pro Face Off" gleich eine Reihe neuer Spielvarianten. Während sich in "Momentum" die Schwierigkeit des Songs dynamisch der Leistung des Spielers anpasst, gibt es in "Perfectionist" am Ende jedes Song-Abschnitts eine Belohnung für den besten Spieler. Pech hingegen hat in "Elimination", wer am schlechtesten spielt. Dann heißt es nämlich vorzeitig Abschied zu nehmen. Noch eine Chance erhalten Spieler hingegen in "Do or die", nachdem sie wegen Falschspielens von drei Noten kurze Zeit aussetzen mussten. Gar keinen Patzer erlauben dürfen sich Spieler hingegen im "Streakers"-Modus, in dem ausschließlich perfekt absolvierte Notenserien honoriert werden.

Komponieren im eigenen Tonstudio
Wer sich genug ausgepowert hat, darf natürlich im spieleigenen Tonstudio auch selber oder mit Hilfe vorgefertigter Samples wieder eigene Songs schreiben und diese über die kostenlose Online-Plattform "GHTunes" mit anderen Spielern tauschen. Verbesserte Werkzeuge sollen hierbei das Komponieren eigener Songs künftig komfortabler gestalten, wie die Presseaussendung verspricht. In der Praxis ist die Handhabung mittels Controller jedoch nach wie vor viel zu umständlich, um mit einer vergleichbaren Software für den PC mithalten zu können. Somit dürfte dieses Feature auch weiterhin den wahren Guitar-Hero-Helden vorbehalten bleiben.

Noch mehr Songs übers Internet
Neue Songs müssen jedoch nicht zwangsweise erstellt werden, sondern können auch wie gehabt heruntergeladen werden. Mit "Guitar Hero 5" können sogar weite Teile der Songs von "Guitar Hero World Tour" und "Greatest Hits" importiert werden. Allerdings ist dies nicht kostenlos: Wer die über 50 Songs aus beiden Spielen in die Playlist integrieren möchte, muss umgerechnet rund 5,50 Euro investieren, erweitert die eigene Song-Bibliothek damit aber im Handumdrehen auf über 130 Songs.

Rocken mit Avatar oder Mii
An der Präsentation des Spiels gibt es abermals nichts zu rütteln, wobei besonders hervorzuheben ist, dass Xbox-360- und Wii-Besitzer erstmals auch mit ihren Avataren bzw. Miis losrocken dürfen. Inmitten der übrigen Bandmitglieder wirken die vergleichsweise detailarmen Charaktere anfangs zwar etwas deplatziert, sein Alter Ego auf der Bühne headbangen zu sehen bereitet aber großen Spaß.

Fazit: Dass es Activision mit seiner "Guitar Hero"-Serie auch nach Jahren noch gelungen ist, sich neu zu erfinden, alte Funktionen zu verbessern und weitere Modi hinzuzufügen, ist dem Publisher hoch anzurechnen. Die neuerdings einen wesentlich breiteren Geschmack abdeckende Songauswahl mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein, einen negativen Einfluss auf den Spielspaß hat sie allerdings nicht. Der Schritt vom Core- zum Casual-Game tut "Guitar Hero" in vielerlei Hinsicht gut und dürfte dafür sorgen, dass künftig noch mehr Spieler jeden Alters begeistert die Plastikklampfe rocken.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, Wii, PS2
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 9/10


von Sebastian Räuchle

Die Songs aus Guitar Hero 5:

3 Doors Down - "Kryptonite" 
A Perfect Circle - "Judith" 
AFI - "Medicate" 
Arctic Monkeys - "Brianstorm" 
Attack! Attack! UK - "You And Me" 
Band Of Horses - "Cigarettes, Wedding Bands"
Beastie Boys - "Gratitude" 
Beck - "Gamma Ray" 
Billy Idol - "Dancing With Myself" 
Billy Squier - "Lonely Is The Night" 
Blink-182 - "The Rock Show" 
Blur - "Song 2" 
Bob Dylan - "All Along The Watchtower" 
Bon Jovi - "You Give Love A Bad Name" 
Brand New - "Sowing Season (Yeah)" 
The Bronx - "Six Days A Week" 
Bush - "Comedown" 
Children Of Bodom - "Done With Everything, Die For Nothing" 
Coldplay - "In My Place" 
Darker My Love - "Blue Day" 
Darkest Hour - "Demon(s)" 
David Bowie - "Fame" 
Deep Purple - "Woman From Tokyo ('99 Remix)" 
Dire Straits - "Sultans Of Swing" 
The Derek Trucks Band - "Younk Funk" 
The Duke Spirit - "Send A Little Love Token" 
Duran Duran - "Hungry Like The Wolf" 
Eagles Of Death Metal - "Wannabe In L.A." 
Elliott Smith - "L.A." 
Elton John - "Saturday Night’s Alright (For Fighting)" 
Face To Face - "Disconnected" 
Garbage - "Only Happy When It Rains" 
Gorillaz - "Feel Good Inc." 
Gov’t Mule - "Streamline Woman" 
Grand Funk Railroad - "We’re An American Band" 
Iggy Pop - "Lust For Life (Live)" 
Iron Maiden - "2 Minutes To Midnight" 
Jeff Beck - "Scatterbrain (Live)" 
Jimmy Eat World - "Bleed American" 
Johnny Cash - "Ring Of Fire" 
John Mellencamp - "Hurts So Good" 
Kaiser Chiefs - "Never Miss A Beat" 
King Crimson - "21st Century Schizoid Man" 
Kings Of Leon - "Sex On Fire" 
Kiss - "Shout It Out Loud" 
Love and Rockets - "Mirror People" 
Megadeth - "Sweating Bullets" 
Motley Crue - "Looks That Kill" 
Muse - "Plug In Baby" 
My Morning Jacket - "One Big Holiday" 
Nirvana - "Lithium (Live)" 
Nirvana - "Smells Like Teen Spirit" 
No Doubt - "Ex-Girlfriend" 
Peter Frampton - "Do You Feel Like We Do? (Live)" 
The Killers - "All The Pretty Faces" 
The Police - "So Lonely" 
The Raconteurs - "Steadyn & David Bowie - "Under Pressure" 
Queens Of The Stone Age - "Make It Wit Chu" 
Rammstein - "Du Hast" 
The Rolling Stones - "Sympathy For The Devil"
Rose Hill Drive - "Sneak Out" 
Rush - "The Spirit Of Radio (Live)" 
Santana - "No One To Depend On (Live)"
Scars On Broadway - "They Say" 
Screaming Trees - "Nearly Lost You" 
Smashing Pumpkins - "Bullet With Butterfly Wings" 
Sonic Youth - "Incinerate" 
Spacehog - "In The Meantime" 
Stevie Wonder - "Superstition" 
Sublime - "What I Got" 
Sunny Day Real Estate - "Seven" 
T. Rex - "20th Century Boy" 
The Sword - "Maiden, Mother & Crone" 
Thin Lizzy - "Jailbreak" 
Thrice - "Deadbolt" 
Tom Petty - "Runnin' Down A Dream" 
Tom Petty & The Heartbreakers - "American Girl" 
TV On The Radio - "Wolf Like Me" 
Vampire Weekend - "A-Punk" 
Weezer - "Why Bother?" 
The White Stripes - "Blue Orchid" 
Wild Cherry - "Play That Funky Music" 
Wolfmother - "Back Round"

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