Okkulte Mächte

Agent Blazkowicz kehrt mit “Wolfenstein” zurück

Spiele
22.09.2009 12:02
William "B.J." Blazkowicz ist zurück. Diesmal zieht es den US-Agenten ins deutsche Isenstadt, wo die Nazis – in der für den deutschsprachigen Raum entschärften Version auch Wölfe genannt – mit Hilfe einer okkulten Macht namens "Schwarze Sonne" den Endsieg herbeizuführen versuchen. So weit kann und will es Agent Blazkowicz in Activisions "Wolfenstein" aber nicht kommen lassen.

Kenner der inzwischen fast schon legendären Egoshooter-Serie wissen, was dies bedeutet. Die Story ist daher trotz interessanter Verweise auf den von Mythen und Legenden umwobenen Thule-Orden getrost zu vergessen. Einmal in Isenstadt angekommen, knüpft Blazkowicz umgehend Kontakt zum Widerstand, der ihn sowohl mit Aufträgen als auch frischer Schwarzmarktware versorgt, und bahnt sich fortan seinen Weg durch die Gegnermassen.

Interessant ist, dass Isenstadt dabei als Open-World-Kulisse fungiert, von der aus die einzelnen Missionen in Angriff genommen werden. Die Umsetzung der an sich guten Idee lässt allerdings zu wünschen übrig, hat die Stadt abgesehen von einigen Sammelobjekten doch nur wenig zu bieten und ist zudem viel zu klein, um ausgiebig darin verweilen zu wollen. Nach ein paar kürzeren, zur Absolvierung des jeweiligen Auftrages notwendigen Gesprächen sowie dem Auffrischen der eigenen Vorräte kehrt Blazkowicz der Stadt demnach meist schnell wieder den Rücken, wobei vor allem zwei Dinge störend sind: die Ladezeiten zwischen den Stadtteilen sowie die ständig wiederkehrenden Feinde.

Die eigentlichen Levels verlaufen schließlich strikt linear, präsentieren sich im Vergleich zur offenen Isenstadt jedoch um einiges abwechslungsreicher. So darf Blazkowicz nach Kämpfen in der Kanalisation, einer Ausgrabungsstätte oder einer unterirdischen Forschungsstation auch in einem Krankenhaus und zu guter Letzt – was nach rund acht bis zehn Stunden der Fall sein dürfte – in einem Zeppelin zu den Waffen greifen und Wölfe und andere mutierte Abscheulichkeiten aufs Korn nehmen. Zur Auswahl stehen dem Agenten dafür neben konventionellen auch einige fiktive Schießprügel wie die Partikelkanone, die Gegner sprichwörtlich in ihre Einzelteile zerlegt, oder die Blitze schleudernde Tesla-Wumme.

Was bis dahin nach einem recht gewöhnlichen Shooter klingt, entfaltet seinen ganz besonderen Reiz erst durch den Einsatz der sogenannten Schleierkräfte, die das wichtigste Werkzeug Blazkowiczs im Kampf gegen das Böse darstellen. Mit Hilfe dieser durch Kristalle verliehenen Kräfte vermag der Agent etwa die Zeit zu kontrollieren, einen schützenden Schild zu beschwören oder in eine Paralleldimension einzutreten, die nicht nur Feinde besser sichtbar werden lässt, sondern auch das eine oder andere Geheimnis offenbart. So tun sich plötzlich Wege auf, wo vorher beispielsweise noch massive Wände den Weg versperrten. 

Einziger Haken: Die Schleierkräfte stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung und müssen an besonderen Quellen in der Paralleldimension wieder aufgefrischt werden. Beim Schwarzmarkthändler des Vertrauens können gegen Bares jedoch Dauer und Wirkungsgrad der einzelnen Kristalle verbessert werden. Auch herkömmliche Waffen lassen sich optimieren und beispielsweise mit Zielfernrohr, größerem Magazin, verringertem Rückschlag und anderen Extras versehen. Leider gibt es jedoch nicht so viel Geld wie Upgrades, weshalb sich Blazkowicz bei seiner Wahl einschränken muss.

Beschränkt ist auch der Umfang des Mehrspielermodus, der gerade einmal drei Modi bereit hält. Auf insgesamt acht Maps dürfen bis zu zwölf Spieler in drei unterschiedlichen Klassen neben dem üblichen Team-Deathmatch um die Wette oder innerhalb einer vorgegeben Zeit bestimmte Objekte zerstören bzw. verteidigen.

Auch nicht mehr ganz State-of-the-Art, wenngleich grundsolide, ist die Präsentation des Spiels. Der Sound lässt keine Wünsche offen und bringt bereits während der ersten Spielminuten das Wohnzimmer zum Beben, während die Grafik insbesondere durch nette Wassereffekte, ihren Abwechslungsreichtum und eine Vielzahl zerstörbarer Objekte zu gefallen weiß. Besonders prächtig zur Geltung kommen die düsteren Innenräume, weniger ansehnlich sind hingegen die texturarmen Oberflächen Isenstadts, die in der deutschsprachigen Version übrigens zur Gänze ohne Nazi-Symboliken auskommen. Auch einige explizitere Gewaltdarstellungen fielen der Zensur zum Opfer, was in vielen Online-Foren für Unmut sorgte.

Fazit: "Wolfenstein" erfindet das Genre definitiv nicht neu, bietet mit den Schleierkräften, dem Upgraden der Waffen und den - wenn auch nur ansatzweise vorhandenen - Rollenspielelementen jedoch grundsolide und gut gemachte Unterhaltung. Schade nur, dass die Open-World-Idee nicht konsequent zu Ende gedacht wurde und der Mehrspielermodus der abwechslungsreichen Singleplayer-Kampagne nicht gerecht werden kann.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 7/10

von Sebastian Räuchle

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