Es lebe der Sport

Summer Athletics 2009

Spiele
12.08.2009 13:23
Sport ist schweißtreibend, anstrengend und mitunter auch ganz schön materialintensiv. Das wissen insbesondere alle inzwischen in Ehren leicht ergrauten Gamer, die bei virtuellen Leichtathletik-Wettkämpfen bereits so manchen Joystick in seine Einzelteile zerlegt haben. "Decathlon" hieß das Steuerknüppel mordende, für Armkrämpfe sorgende C64-Spiel von 1984. Mit "Summer Athletics 2009" betritt nun ein aktueller Vertreter des sportlichen "Rüttel"-Wettkampfs die Arena.

Die Steuerungsmöglichkeiten von Nintendos Wii lassen hoffen, die Controller ohne Blessuren durch die Wettkämpfe von Summer Athletics 2009 zu bekommen. Ob das auch für den Spieler gilt, darf bezweifelt werden. Bevor es aber ans Eingemachte geht und die Laufschuhe zum ersten Mal geschnürt werden, gibt es eine Rüge für die Entwickler wegen des fehlenden Online-Modus. Immerhin dürfen sich aber bis zu vier Spieler vor einer Konsole miteinander messen.

Die Spielmodi sind eigentlich Nebensache, da entweder ein einzelner Bewerb herausgepickt werden kann oder mehrere in einem der Wettkämpfe zusammengefasst sind. Wer möchte, darf auch eine Karriere starten und mit jedem Bewerb seine Fähigkeiten kontinuierlich verbessern.

Als Einstieg müssen die Laufbewerbe herhalten, von denen es reichlich gibt. Vom 100 Meter Sprint bis zur nicht enden wollenden 1500 Meter Mittelstrecke sowie dem 110 Meter Hürdensprint und Staffelbewerben ist alles dabei. Zum Laufen müssen Wii-Fernbedienung und Nunchuk einfach abwechselnd so rasch wie möglich auf und ab bewegt werden. Dank der simplen Steuerung ist keine Übung notwendig. Dicke Oberarme und ein langer Atem sind jedoch von Vorteil. Die nicht ganz so ansehnliche Grafik geht schnell in den Schweißbächen unter, die sich unaufhaltsam ihren Weg nach unten bahnen. Während beim Hürdenlauf vor jedem Hindernis ein Button gedrückt werden muss, ist bei der Mittelstrecke die Kondition des virtuellen Athleten im Auge zu behalten. Wer gleich zu Beginn darauf lossprintet, wird spätestens im letzten Drittel gnadenlos von der Konkurrenz in Grund und Boden gelaufen.

Nach dieser ersten Anstrengung gönnt man sich am besten ein wenig Erholung bei den Schießkonkurrenzen. Das Bogenschießen gerät dennoch zu einer wackligen Angelegenheit, da die Arme noch immer ein wenig zittern. Das Skeetschießen lädt hingegen nicht lange zum Verweilen ein, da die Steuerung hier etwas zu ungenau geraten ist.

Nun geht es hoch hinauf oder möglichst weit. Die Sprungbewerbe stehen am Programm. Wieder kommen Wii-Fernbedienung und Nunchuk ausgiebig zum Einsatz. Bei diesen Wettkämpfen ist allerdings auch das Timing von entscheidender Bedeutung, wobei die nicht ganz genaue Steuerung erneut für etwas Unmut sorgt. Mit etwas Übung lassen sich aber ansehnliche Resultate erzielen. Beim Hochsprung darf zudem das Balance Board eingesetzt werden. Damit spielt es sich nicht nur authentischer, sondern auch entschieden einfacher.

Weiter geht es mit Geräten, die möglichst weit geworfen werden sollen. Zur Auswahl stehen Speer, Hammer und Diskus. Beim Hammerwerfen ist auf dem Balance Board ein schneller Hüftschwung notwendig, um den Athleten möglichst viel Schwung holen zu lassen.  Der Speerwurf verlangt die Wii-Fernbedienung so zu halten, als hätte man wirklich ein Wurfgerät in Händen. Die Koordination nach dem Anlauf, um einen guten Abwurfwinkel einzustellen, mag trotzdem nicht immer wie gewünscht gelingen.

Da so viel Leichtathletik nicht gesund ist, werden im Anschluss mit dem Drahtesel schnelle Runden auf die Bahn gezaubert. Mittels Wii-Fernbedienung und dem Nunchuk werden dabei Tretbewegungen nachgeahmt. Schon wieder eine Tortur für die bereits arg geschundenen Arme.

Bei so viel Anstrengung hat man sich etwas Abkühlung redlich verdient. Die Schwimmbewerbe, die alle möglichen Disziplinen von Brust über Schmetterling bis hin zum Turmspringen enthalten, sind bis auf letztgenanntes allerdings nur bedingt entspannend. Denn wie gehabt gilt es, mit beiden Armen in der Luft zu rudern.

Am Ende steigt nicht nur der Schwimmer vollkommen durchnässt und erschöpft aus dem Becken - dem Spieler ergeht es vor dem Bildschirm ebenso. Schnaufend und vollkommen durchgeschwitzt, aber glücklich, alle Wettkämpfe geschafft zu haben, sucht man zuerst nach etwas Trinkbaren und danach die erfrischende Dusche.

Fazit: Trotz einiger kleiner technischer Schwächen hat "Summer Athletics 2009" auf der Wii durchaus seine Vorzüge. Vorausgesetzt man scheut keine schnellen Bewegungen und etwas Anstrengung. Die beste Stimmung kommt natürlich auf, wenn es gegen menschliche Gegner geht. Umso schmerzlicher macht sich der fehlende Online-Modus bemerkbar. Die Balance-Board-Unterstützung ist ein nettes Feature, allerdings spielt es ich ohne genauso gut. Das Erfreuliche zum Schluss: Der Spieler ist zwar körperlich am Ende, die Controller sind jedoch ganz geblieben.

Plattform: Wii (getestet), PS3, Xbox360, PC
Publisher: dtp
krone.at-Wertung: 8/10

von Harald Kaplan

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