Herr Generalmajor, auch Ihre Behörde steht im Mittelpunkt eines U-Ausschusses im Parlament. Macht Ihnen die Arbeit noch Spaß?
Wolfgang Schneider: Ja, jeder Tag ist eine tolle Herausforderung. Hätte ich ein zweites Leben, ich würde wieder Offizier werden wollen. Es gibt halt Höhen und Tiefen - wie in einer Beziehung.
Es wird von Geheimnisverrat und Schmiergeld gesprochen. Existiert im Abwehramt eine Spitzelzelle?
Schneider: Es gab leider einen Datenabfluss. Hier geht es allerdings nicht um bestimmte Parteien (FPÖ, Anm. d. Red.)! Undichte Stellen darf es einfach nicht geben - das kann ich auch seit dem vergangenen Jahr weitgehend ausschließen. Denn wir haben das Informationsleck gefunden und geschlossen.
Gibt es einen Agentenkrieg in Ihrer Behörde?
Schneider: Irrationale Konflikte und Abschottungen zwischen Abteilungen behinderten die Arbeit. Das ist jetzt aber vorbei.
Im Büro des ehemaligen Pressesprechers des Verteidigungsministers wurde das Telefon manipuliert. Angeblich stammt die Wanze vom Abwehramt?
Schneider: Sicher nicht, wir haben ja die Sicherheitslücke erst entdeckt. Außerdem hätten wir das weitaus professioneller gemacht.
Stimmen aus der Politik fordern eine Zusammenlegung oder gar Abschaffung der Geheimdienste. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Schneider: Das ist Populismus. Ein Superdienst etwa wäre ein unbeherrschbarer Moloch. Bei der Forderung nach Abschaffung kann ich nur fragen: Wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas passiert? Und wenn die EU auch geopolitisch etwas zu sagen haben will, werden die jeweiligen Geheimdienste der Länder immer wichtiger werden.
Bei Österreichs Nachrichtendiensten wird die fehlende Transparenz kritisiert. Warum muss bei uns immer alles geheim bleiben?
Schneider: Wie ich gekommen bin, gab es auf vier Stockwerken im Abwehramt kein einziges Türschild - nicht einmal für die Toilette. Ich habe klargestellt, dass der Kalte Krieg vorbei ist und das gegen Widerstand abgeschafft. Zur Transparenz: Wir werden vom Parlament sowie dem Rechtschutzbeauftragten kontrolliert. Und regelmäßig informiert der Generalstab den Minister.
Was werden die zukünftigen terroristischen Herausforderungen sein?
Schneider: Im Visier von Terroristen steht zunehmend die Informations- und Kommunikationstechnologie. In Estland etwa brach durch Hacker die gesamte Regierungskommunikation zusammen. Und eine „Cyber-Attacke“ könnte auch bei uns die gesamte Strom- und Wasserversorung lahmlegen. Wie verletzlich wir sind, sah man ja erst vor kurzem bei der Bankomat-Katastrophe.
Sie gehen am 1. August nach 45 Dienstjahren in Pension. Lässt es sich mit so vielen Staatsgeheimnissen eigentlich gut schlafen?
Schneider: Sicher (lacht). Außerdem wird mir durch meine sieben Monate alte Ridgeback-Hündin nicht langweilig.
Foto: Klemens Groh
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