Guybrush ist zurück!

Aberwitzige Abenteuer in “Tales of Monkey Island”

Spiele
27.07.2009 08:46
Aufgepasst! Verbarrikadiert eure Häuser, versteckt eure Schätze, sperrt eure Töchter ein: Guybrush Threepwood – "Mighty Pirate" – ist wieder auf den virtuellen Weltmeeren unterwegs. In dem neuesten Teil der Monkey-Island-Serie "Tales of Monkey Island" kämpft der Kult-Pirat in altgewohnter Adventure-Manier gegen das Böse in Form des Finsterlings LeChuck. Wie nicht anders zu erwarten legen sich dem Möchtegern-Freibeuter dabei so einige Hindernisse in den Weg.

Gleich zu Beginn des ersten Kapitels "Launch oft he Screaming Narwhal" der fünfteiligen Saga "Tales of Monkey Island", tritt unser blond-gelockter Held seinem Erzfeind gegenüber um seine Gemahlin Elaine zu retten. Zu diesem Zweck will der Gute den Zombie-Kapitän mit einem Voodoo-Anti-LeChuck-Säbel endgültig aus der Welt schaffen. Da Guybrush es aber mit den Ingredienzen für das Zauber-Schwert nicht so genau nimmt, gelingt ihm das nur fast: Er schickt den Ober-Bösewicht nämlich nicht für immer zu den Fischen, sondern macht aus ihm einen Menschen aus Fleisch und Blut.

Da das nicht das Einzige ist, das schief geht, findet sich Guybrush schon bald ohne Schiff und jeglichen Besitz auf "Flotsam Island" wieder. Natürlich ohne seine geliebte Elaine, dafür aber mit einer von LeChucks Bakterien infizierten Hand, die ihm nicht gehorcht und noch für so einige Faxen sorgen soll. Die Aufgabe ist für Guybrush klar: Nichts wie runter von dieser Insel, Elain retten und LeChuck doch noch für immer den Garaus machen. Dass der "mächtige" Pirat dafür natürlich ein Schiff braucht, ist ihm sofort klar – also besteht die Aufgabe des ersten Kapitels von "Tales of Monkey Island" darin, ein solches aufzutreiben und außerdem ein Gegenmittel gegen die tückischen Winde von "Flotsam Island" zu finden, die keinen Gestrandeten jemals wieder von der Insel lassen wollen.

So weit die Ausgangssituation für das neueste Abenteuer Guybrush Threepwoods, den Anti-Helden mit Spargeltarzan-Figur, der Fans nun schon seit 1990 und "The Curse of Monkey Island" begleitet. Für das Game verantwortlich zeichnet Entwickler Telltale Games, der bereits in der Vergangenheit mit Fortsetzungsgeschichten zu LucasArts-Adventures wie "Sam&Max" für positive Schlagzeilen sorgte. Auch im Falle von "Monkey Island" hat das Studio die Lizenz von LucasArts übernommen. Und jeder Fan muss ihnen Beifall zollen. Denn Telltale hat mit dem nun vorliegenden Game einen wirklich würdigen Nachfolger für die Serie gebaut.

Zuallererst fällt aber auf, dass die Steuerung etwas anders als von den Vorgängern gewohnt, zu handhaben ist. Anstatt einer Auswahl mehrerer Aktionen am Display, interagiert Guybrush nämlich mittels eines einfachen Mausklicks mit seiner Umgebung und wählt dafür die richtige Aktion selbst. Zusätzlich gibt es ein aufklappbares Inventar, in dem sich Gegenstände auch betrachten und miteinander kombinieren lassen. Das mag zwar etwas auf Kosten der Komplexität gehen, dem Spaß tut das jedoch keinen Abbruch. Besonders ungewohnt stellt sich zu Beginn die Steuerung des Helden dar: Dieser wird nämlich entweder mit den Pfeil- bzw. "WASD"-Tasten oder mittels Ziehen der Maus in die gewünschte Richtung durch die Landschaft geschickt. Nach kurzer Eingewöhnungsphase dürfte sich aber jeder Spieler schnell mit einer der beiden – doch etwas außergewöhnlichen – Steuerungsmethoden angefreundet haben.

In Sachen Gameplay setzt Telltale hingegen wieder auf das klassische Konzept der guten alten Grafikadventures: Rätsel soweit das Auge reicht, dazwischen trifft Guybrush auf schräge Einwohner Flotsams mit denen sich zahlreiche aberwitzige Gespräche führen lassen. Genau in der Interaktion mit den NPC-Charakteren zeigt sich auch die größte Stärke des neuen "Monkey Island": Endlich sind der abgefahrene Witz und die schrägen Ideen der ersten beiden Teile der Serie wieder da. Nicht nur einmal muss der ansonsten schon recht abgestumpfte Gamer – der leidgeprüfte Fan sowieso – über irre Wortspiele und fantastische Geschichten herzhaft lachen.

Auch in Sachen Grafik und Sound macht "Tales of Monkey Island" richtig viel her. Zwar sieht das Game etwas mehr nach einem Comic aus, als es die ersten Teile der Serie taten. Trotzdem merkt man der Gestaltung an, wie viel Liebe die Entwickler in das Projekt gesteckt haben. Der Sound ist angemessene zum Karibik-Flair, auch wenn die Musik bei voller Lautstärke ab und zu etwas an den Nerven des Gamers zerren kann. Gott sei Dank lässt sich dieser Fehler einfach im Optionsmenü korrigieren. Einfach Weltklasse hingegen ist die (englische) Sprachausgabe. Oft kommt durch die geniale Auswahl der Sprecher erst die volle Komik des Games zum Tragen.

Fazit: Mit "Launch oft he Screaming Narwhal", dem ersten Kapitel von "Tales of Monkey Island", macht Entwickler Telltale Games unglaublich Lust auf mehr. Das Spiel bringt nicht nur Erinnerungen an selige Tage mit Guybrush Threepwood vor bald zwanzig Jahren wieder, sondern ist auch für sich genommen ein tolles Spiel. Die Komik ist zweifelsfrei das Herzstück des spaßigen Adventures, trotzdem kommt auch das Tüfteln nie zu kurz. Grafik und Vertonung tun das Übrige, um den Gamer restlos in den Bann von "Tales of Monkey Island" zu ziehen. Als Kritik lässt sich die teilweise etwas nervige Musik und die ungewohnte Steuerung ins Feld führen. Außerdem könnte das Game für Spieler, deren Englisch nicht auf einem gewissen Niveau ist, zum Problem werden. Eine deutsche Version gibt es derzeit nämlich noch nicht. Trotzdem: Die Rückkehr von Guybrush, LeChuck und Co. kann nur als gelungen bezeichnet werden und lässt mit Spannung auf das zweite Kapitel der Saga warten, das Anfang August erscheint. 

Plattform: PC
Publisher: Telltale Games
krone.at Wertung: 9/10 

von Stefan Taferner

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