Auf den ersten Blick mutet es etwas befremdlich an, sich beim Kochen vom Handheld unterstützen zu lassen. Schließlich gibt es ja genügend Kochbücher von Lafer, Mälzer und Co. Die schlägt man einfach auf, sucht sich das gewünschte Rezept und folgt fortan den Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Ist "Mein Koch-Coach" also nur etwas für Nerds und Geeks, die selbst beim Kochen nicht ohne Gadget können? Ein wenig. Aber immerhin gelingt es dem virtuellen Koch-Trainer sprichwörtlich spielend, die Lust aufs Kochen und Herumexperimentieren zu wecken.
Nie wieder Karfiol und Rosinen
Bevor es allerdings ans Schwingen der Bratpfanne geht, gilt es ein paar Fragen zu Essgewohnheiten und –vorlieben zu beantworten. Im Anschluss daran können unliebsame Zutaten gleich für immer aus der Zutatenliste verbannt werden. Wer Austern, Karfiol, Rosinen und andere oft verschmähte Klassiker der Küche nicht ausstehen kann oder auf diese allergisch reagiert, wird fortan beim Kochen sinnigerweise auch nicht mehr damit belästigt. Der Magen wird es danken.
Kochen, was der Kühlschrank hergibt
Danach darf entweder mit dem Rezept des Tages losgelegt oder je nach Gusto auf eines der rund 250 Rezepte zurückgegriffen werden. Alle Kochanleitungen sind sowohl nach Name als auch Zutaten sortiert, so dass Menschen mit einseitigen Geschmackspräferenzen bequem nur jene Rezepte herauspicken können, die ihnen auch wirklich zusagen. Auch die umgekehrte Suche funktioniert: Wer beispielsweise nur Eier, Milch und Käse sein Eigen nennt, bekommt nach Eingabe der vorhandenen Zutaten die zum Kühlschrankinhalt passenden Rezepte serviert.
Von Ananas-Pekannuss-Reis bis Zucchini-Feta-Auflauf
Von A wie Ananas-Pekannuss-Reis oder Auberginen-Tomaten-Creme bis Z wie Zwiebel-Paprika-Pitazza, Zitrus-Sprossensalat oder Zucchini-Feta-Auflauf wird jedenfalls jeder Geschmack bedient. Für den Koch-Novizen sind dabei auf einen Blick sowohl Schwierigkeitsgrad des Rezepts als auch die damit verbundenen Kosten erkennbar, oben drauf gibt es Infos zu den benötigten Zutaten, Techniken und Küchenutensilien – wer hätte schon gewusst, dass ein Backblech "ein rechteckiges Backutensil" ist, "das vornehmlich zur Zubereitung von Gebäck benötigt" wird oder dass es sich bei einem Ofen um "ein mit Tür versehenes Küchengerät" handelt, "in dem Speisen bei unterschiedlichen Temperaturen gebacken werden"?
Trockenübung in der virtuellen Küche
Sind die Basics verstanden und alle Zutaten besorgt, wobei der DS praktischerweise auch gleich als elektronischer Einkaufszettel fungiert, lädt der "Koch-Coach" zur Trockenübung. Hierbei lassen sich sämtliche Handgriffe in Zeitraffer vorab durchspielen, indem per Drag & Drop Zutaten etwa zuerst zum Waschen unter den Wasserhahn, dann zum Schneiden auf die Arbeitsfläche und schließlich zum Brutzeln in die Pfanne oder der Herd befördert werden. Irgendwie affig, aber durchaus praktisch – schließlich ist Organisation beim Kochen die halbe Miete und wer schon vorher weiß, was als nächstes zu tun ist, kommt selbst beim Fünf-Gänge-Menü nicht so schnell ins Schwitzen.
Hände frei dank Sprachsteuerung
Nach dem Üben wird es aber schließlich Zeit für den Praxistest. Schritt für Schritt führt einen der "Koch-Coach" dabei per Sprachausgabe durchs Rezept und liest vor, was als nächstes zu tun ist. Der Clou aber ist, dass der Koch per Stimmbefehl selbst bestimmt, wann fortgefahren wird oder ob pausiert werden muss. Zwar braucht es mitunter mehrere Anläufe, bis das Spiel das Gesagte auch wirklich versteht, in Summe funktioniert die Sprachsteuerung jedoch sehr gut. Ebenfalls praktisch: Um etwaige Zeitangaben muss man sich nicht kümmern. Sobald etwas für längere Zeit kochen, köcheln, schmoren oder garen muss, startet der "Koch-Coach" eine virtuelle Eier-Uhr.
Der Timer findet sich schließlich auch in den Extras wieder, wo neben der bereits erwähnten Einkaufsliste auch ein Kalender zur Essensplanung zur Verfügung steht. Darüber hinaus hält "Mein Koch-Coach" auch einen Maßeinheiten-Umrechner parat, um sich im Dschungel der Mengenangaben zurechtzufinden. Apropos zurechtfinden: Die Navigation im Spiel fällt dank zweckmäßiger Optik sehr leicht. Einen Augenschmaus darf man sich jedoch nicht erwarten. Eher "kalorienarm" auch das musikalische Angebot: Gerade einmal zwei verschiedene Hintergrundmusiken stehen zur Auswahl.
Fazit: Ist die anfängliche Skepsis gegenüber dem elektronischen Kochbuchersatz erst einmal abgelegt, macht Ubisofts "Mein Koch-Coach - Gesund und lecker" schnell Lust darauf, selbst den Kochlöffel zu schwingen. Ob Einkaufsliste, virtuelles Trockentraining, Timer, Essensplaner oder die Schritt-für-Schritt-Anleitungen per Sprachausgabe: Sämtliche Funktionen sind gut durchdacht und praktisch, was inbesondere blutigen Anfänger den Einstieg ins Kochen erheblich erleichtern dürfte. Das Drumherum, Optik und Sound, fällt etwas spartanisch aus, beim Kochen selbst sollte man allerdings ohnehin besseres zu tun haben, als sich an bunten Bildern zu erfreuen.
Plattform: DS
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10
von Sebastian Räuchle
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