Glücklicherweise ist Chris Redfield, bekannt aus dem allerersten "Resident Evil"-Teil aus dem Jahr 1996, dabei jedoch nicht auf sich allein gestellt. Begleitet wird er während seiner Nachforschungen von Sheva Alomar, einer attraktiven Afrikanerin, die nicht nur mit den lokalen Sitten und Gebräuchen vertraut ist, sondern auch ein geschicktes Händchen im Umgang mit der Waffe beweist. Sollte Chris einmal in der Patsche sitzen und stark verwundet sein, kann sie zudem mit Verbandszeug aushelfen.
Doch die Sache hat auch einen Haken: Stirbt Sheva, ist auch Chris verloren. Teamwork ist also angesagt, wenn man in der afrikanischen Wildnis überleben möchte. Wer nun befürchtet, dass Sheva ähnlich der Präsidententochter in Teil vier in erster Linie ein Klotz am Bein ist, kann aufatmen: Die Gute macht ihren Job erstaunlich souverän, teilt brav gegen die Zombies aus, hilft Chris notfalls mit Munition und den bereits bekannten heilenden grünen Pflanzen aus und nimmt auch einfache Befehle wie "Folgen" oder "Warten" entgegen.
Auf Wunsch lässt sich Sheva auch jederzeit via Netzwerk oder im Splitscreen-Modus von einem zweiten Spieler steuern, was den Kampf gegen die untoten Afrikaner, Zombie-Hunde und andere Abscheulichkeiten doch erheblich erleichtert. Um den Gegnerhorden Paroli zu bieten, können Chris und Sheva neben einer Machete als Grundausstattung auf ein umfangreiches Arsenal konventioneller Waffen zurückgreifen. Wie bereits aus dem Vorgänger bekannt, lässt sich jede Waffe zu Beginn eines neuen Levelabschnitts oder nach dem eigenen Ableben gegen Bares verbessern, unter anderem hinsichtlich Feuerkraft, Nachladezeit oder Kapazität.
Viel Munition gibt es allerdings, wie es sich für die Serie gehört, nach wie vor nicht, was insofern jedoch nicht weiter stört, da im Inventar jeweils nur maximal neun Ausrüstungsgegenstände Platz finden. Per Hotkey-Funktion erhält der Spieler schnellen Zugriff auf die wichtigsten Waffen und Gegenstände. Das Auswählen über das Inventar-Menü ist hingegen nicht zu empfehlen, da das Spiel währendessen nicht pausiert und Chris und Sheva somit leichte Beute werden.
Schließlich gehören die langsam schlurfenden Zombies mit "Resident Evil 5" endgültig der Vergangenheit an: Die neue Untoten-Brut ist wieselflink und zudem gut ausgerüstet, was zwar eindeutig auf Kosten des Grusel-Faktors geht, dafür hingegen der Action des Spiel zu Gute kommt. Wenig förderlich ist dabei allerdings der Umstand, dass Chris nach wie vor nicht gleichzeitig laufen und zielen bzw. schießen kann, woran sich weiterhin viele Spieler stören dürften. Offenbar versucht man damit bei Capcom, sich wenigstens noch ein kleines bisschen von der Shooter-Konkurrenz abzuheben. Da jedoch auch der Rätselanteil im neuesten "Resident Evil"-Teil praktisch gen Null gesunken ist, verschwimmt die Grenze zwischen Survival-Horror und Shooter zunehmend.
Ob Shooter oder nicht: In technischer Hinsicht gehört "Resident Evil 5" zum Besten, was die PS3 derzeit zu bieten hat. Nicht nur die gerenderten Zwischensequenzen, auch die Ingame-Grafik entlockt dem Spieler mehr als ein Mal bewunderndes Staunen. Sowohl das afrikanische Dorf zu Beginn des Spiels, als auch die späteren Sumpfgebiete oder beispielsweise die Öl-Raffinerie glänzen mit einer Fülle von Details. Tolle Licht- und Schatten-Effekte, Explosionen und Feuer runden das Angebot ab. Neben der realistischen Mimik und Gestik der Protagonisten sind jedoch die Bossfights das wahre Highlight des Spiels. Trotz aller Pracht bleibt die Bildrate weitgehend konstant, die Ladezeiten zwischen den Levels fallen zudem erfreulich kurz aus – allerdings mussten dafür zu Spielbeginn auch fünf Gigabyte Festplattenspeicher geopfert werden. Die sehr gute englische Synchronisation und die das Geschehen untermalende Musik tun schließlich ihr Übriges, um "Resident Evil 5" zu einem audiovisuellen Gustostückerl zu machen.
Wurden am Ende alle Zombies gemeuchelt, wobei Chris und Sheva zur Abwechslung zwischendurch auch mal ein Boot oder die Ladefläche eines Transporters besteigen dürfen sowie kleinere Quick-Time-Events zu absolvieren haben, winkt der "Söldner-Modus", in dem es innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits so viele Gegner wie möglich zu besiegen gilt.
Fazit: Weniger Grusel und Rätsel, dafür mehr Action - so präsentiert sich "Resident Evil 5". Was jedenfalls bleibt, ist das ungute Gefühl, ständig von einer Horde Untoter gehetzt zu werden. Dass der Protagonist nicht in ähnlicher Weise flink ist wie die ihn verfolgenden Zombies und im Gehen austeilen kann, mag für viele störend sein. Das Gefühl, der Meute ausgeliefert zu sein und dieser stets nur um Haaresbreite zu entkommen, wird dadurch jedoch verstärkt. In Kombination mit der sehr guten audiovisuellen Präsentation ergibt sich unterm Strich jedenfalls ein virtuell hochspannender Überlebenskampf, den man sich trotz einiger Schwächen im Handling nicht entgehen lassen sollte.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Capcom
krone.at-Wertung: 8/10
von Sebastian Räuchle
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.