Die Ausgangssituation in der Einzelspielerkampagne der Table-Top-Computeradaption: Als Führer der Blood Ravens, einer Elite-Einheit der Space-Rangers, startet der Gamer das Spiel. Das Imperium wurde gerade von Orks angegriffen, die von irgendeiner geheimen Kraft angetrieben werden. Wie sich später herausstellen soll, steckt die fiese Insektenrasse der Tyraniden dahinter. Diese bedroht natürlich gleich das ganze Imperium und unser Held muss diese Gefahr eliminieren. So weit, so alles schon gesehen: Storymäßig ist "Dawn of War 2" also nicht unbedingt der Überflieger. Trotzdem wird die Geschichte durch schicke Zwischensequenzen und Funkspruch-Unterhaltungen zwischen den Missionen immer gerade so weit am Köcheln gehalten, dass es nicht so schnell langweilig wird.
Was die Story nicht bringt, gleicht "Dawn of War 2" mit spielerischen Neuerungen wieder aus: Zum Beispiel unterscheidet sich das Game vom Gros des Echtzeitstrategie-Genres durch die geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Einheiten. Es stürzen sich nämlich nur fünf – zählt man den eigenen Helden mit sind es sechs - Charakterklassen gegen die Alieninvasion für den Spieler in die Schlacht. Neben dem Helden sind das ein Devastoren-Team unter Kommandeur Avitus, spezialisiert auf schwere Waffen, eine taktische Marine-Einheit unter Anführer Tarkus, die sich für die unterschiedlichsten Aufgaben eignet und zu Anfang vor allem als Granaten-Spezialist in Erscheinung tritt. Außerdem verfügt der Taktiker über einen Aufklärungstrupp unter Anführer Cyrus, der sich für begrenzte Zeit unsichtbar machen kann sowie über die Sturmtruppenabteilung unter Thaddeus, die mit Hilfe von Jetpacks mitten in die Reihen der Gegner springen kann. Erst später im Spiel bekommt man noch die Möglichkeit, den Cybot-Krieger Davian Thule in die Schlacht zu schicken. Wer nun jammert, das sei viel zu wenig, täuscht sich gewaltig. Genau diese geringe Anzahl an Truppentypen macht nämlich einen großen Teil des taktischen Anspruchs des Spiels aus.
Vor Beginn einer jeden Mission wählt der Spieler drei Befehlshaber mit ihren Einheiten, die er gemeinsam mit seinem Hero-Charakter mit in den Kampf nehmen will. Will man dort erfolgreich sein, müssen die Spezialfähigkeiten der Trupps perfekt aufeinander abgestimmt werden. Avitus' schwere Infanterie ist zum Beispiel im Nahkampf völlig nutzlos, dafür hält ihnen bei entfernten Angriffen kein Gegner stand, während die Sturmtruppen unter Thaddeus die Feinde im Nahkampf kräftig aufmischt. Nur durch geschickte Zusammenarbeit zwischen den Klassen lassen sich die Feinde besiegen. Und von denen gibt es viele. Neben den Orks und Tyraniden wollen den Spacemarines nämlich noch die Eldar an den Kragen. In zahlreichen Missionen gilt es nun, besonders starke Endgegner zu vernichten oder einen Massenansturm auf ein Basiscamp abzuwehren.
Schafft der Spieler eine Mission, so erhält er Erfahrungspunkte. Womit wir schon bei der nächsten grandiosen Neuerung im Echtzeitstrategie-Universum von "Dawn of War 2" sind: Es besitzt über nicht zu unterschätzende Rollenspielelemente. Mit den Experience-Points kann der Spieler seinen Helden und die Truppführer hochleveln, ihnen Punkte in den Kategorien Ausdauer, Stärke, Reichweite und Wille zuteilen und sie auf diese Art und Weise neue Fähigkeiten erlernen lassen. Der Gamer entscheidet selbst, wen er zum Beispiel zum Nahkampfspezialisten ausbildet und wer besonders effektiv auf größere Entfernungen agieren soll. In den verschiedenen Missionen finden sich außerdem immer neue Ausrüstungsgegenstände, die - "Diablo 2" nicht ganz unähnlich - verschiedene Boni auf ihre Träger übertragen. Ob diese benutzbar sind, hängt wieder von den unterschiedlichen Charakterklassen und Levels der Figuren ab.
In Sachen Grafik und Sound hat sich Entwickler Relic auch richtig ins Zeug gelegt. So sehen die Kämpfe wirklich gut aus und die Kameraperspektive ist natürlich frei zoom- und drehbar. Außerdem haben die Developer Wert auf Detail gelegt: in den Gefechten fliegen durchaus Mal Orkgedärme durch die Luft oder es werden Gegner von Granaten zerfetzt. Auch die eigenen Einheiten wurden mit Liebe zum Detail gestaltet. Die Soundeffekte sind hervorragend gelungen und unterstützen das Schlachten-Feeling perfekt. Ebenso die Musik – sie ist nie aufdringlich, aber passend. Die Steuerung funktioniert klassisch über Maus und Tastatur – die Tastenkürzel vereinfachen einem das Spacemarine-Dasein ungemein.
Neben der Einzelspielerkampagne hat Relic auch einen Multiplayer-Modus hinzugefügt. In dem übernimmt der Spieler eine der vier Rassen. Diese bieten jeweils verschiedene Helden mit unterschiedlichen Fähigkeiten, woraus sich wieder andere taktische Herausforderungen ergeben. Um das Game online zocken zu können ist ein Games-for-Windows-Live-Konto erforderlich.
Fazit: "Warhammer 40.000: Dawn of War 2" ist ein toll geratenes Echtzeitstrategiespiel, das Abwechslung in den Einheitsbrei des Genres bringt. Sei es der Action-geladene Zugang ohne mühsamen Basen-Bau oder die Rollenspielelemente: Die Wiederspiel-Motivation ist enorm hoch. Schließlich will der Spieler seine Helden immer stärker machen und mit immer neuen und noch besseren Waffen und Rüstungen ausstatten. Die Story hinter dem Game ist zwar nicht die originellste, der Spielspaß leidet darunter aber kaum. Und im Multiplayer-Modus tun sich nochmals neue taktische Herausforderungen auf, was für weitere vergnügte Stunden mit Weltraum-Ballerei sorgt. Wer auf taktisch anspruchsvolle Space-Action steht, sollte hier zugreifen.
Plattform: PC
Publisher: THQ
krone.at-Wertung: 8/10
von Stefan Taferner
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