Paris, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Tuberkulose rafft den in Polen geborenen Komponisten Frédéric Chopin allmählich dahin. In seinem Fieberwahn scheint sich der Pianist in eine Welt zu träumen, in der er gemeinsam mit der kleinen Polka, den Kleinganoven Beat und Retto sowie zahlreichen weiteren Charakteren einer Verschwörung auf den Grund zu gehen versucht. Was jedoch Traum und was Wirklichkeit ist, verschwimmt in der sich in zahlreichen Zwischensequenzen entfaltenden Geschichte zunehmend.
Um dem Geheimnis peu à peu auf den Grund zu gehen, müssen sich Frédéric und seine Begleiter daher in zahlreichen Kämpfen beweisen und so ganz genretypisch sukzessive im Rang aufsteigen. Mit jedem Sieg gibt es Erfahrungspunkte und Gold, wobei letztgenanntes in den diversen Shops wiederum in bessere Ausrüstung, Tränke und ähnliches investiert werden darf. Die wahren Gusto-Stückerl wie besondere Schwerter und Rüstungen warten allerdings in den überall im Spiel versteckten Schatzkisten darauf, entdeckt zu werden.
Der Item-Overkill à la "Diablo" oder "Sacred" bleibt jedoch aus, da jeder Charakter – maximal sind es sechs in der Party, wobei die Besetzung mit dem Handlungsverlauf variiert – nur vier persönliche Ausrüstungsgegenstände mit sich führen kann: abgesehen von Essensrationen, Tränken und anderem Zauberzubehör bietet das Inventar lediglich Platz für eine Waffe, eine Rüstung und zwei Accessoires, beispielsweise Ringe oder Armbänder.
Während im Inventar also übersichtliche Ordnung herrscht, gestalten sich die Kämpfe durchaus komplex: Prinzipiell verfügt jedes Gruppenmitglied neben einem normalen Angriff auch über eine Spezialattacke, die sich wiederum in eine helle und eine dunkle Attacke teilt - abhängig davon, ob der Charakter in der Sonne oder im Schatten steht. Um die Sache zusätzlich zu verkomplizieren, lässt sich das Verhältnis von Licht und Schatten mit Hilfe diverser Items oder Zauber beeinflussen.
Denn: Auch die Gegner agieren abhängig von den vorherrschenden Lichtverhältnissen unterschiedlich. Beispielsweise können sich putzige Kürbisse im Schatten plötzlich zu haushohem Killer-Gemüse entwickeln, während umgekehrt stark gepanzerte Krabben im Licht zu harmlosen Flattermännern verkommen. Damit allerdings noch nicht genug der taktischen Möglichkeiten: Auch der eigene Standort, die Position zum Gegner und Hindernisse wie Berge oder Bäume können sich im Getümmel positiv wie negativ auf den Ausgang des Kampfes auswirken.
Doch keine Angst: Der Spieler wird ganz sachte in die Feinheiten des Kampfes eingeführt und der Schwierigkeitsgrad erst nach und nach angezogen. Hat man anfangs etwa noch unbegrenzt Bedenkzeit für den nächsten Spielzug, der dann ebenfalls unter Zeitdruck in Echtzeit ausgeführt wird, sinkt das Zeitkonto mit steigendem Gruppenlevel rapide. Gerade in den späteren Levels sind demnach schnelle Entscheidungen gefragt, wenn es hart auf hart geht. Die meiste Zeit bleibt es allerdings dem Spieler überlassen, ob er sich in einen Kampf stürzt oder nicht: Wer Streitereien aus dem Weg gehen möchte, braucht nur einen großen Bogen um die Gegner zu machen. Die nervigen Zufallskämpfe, wie man sie aus anderen Japano-RGPs kennt, gibt es glücklicherweise nicht, jedes Monster ist bereits aus der Ferne gut sichtbar.
Das wiederum bietet dem Spieler ausreichend Gelegenheit, sich an den wunderschön gestalteten Innen- wie Außenwelten zu erfreuen. Herrlich blühende und abwechslungsreiche Landschaften, wie sie kitschiger kaum sein könnten, und die effektreich inszenierten Kämpfe lassen selbst ein "Oblivion" erblassen. Allerdings ist die Handlungsfreiheit in "Eternal Sonata" doch wesentlich eingeschränkter als beim Rollenspiel aus dem Hause Bethesda: Fernab der Hauptroute gibt es meist nur ein bis zwei kleinere Abzweigungen, die den bereits erwähnten Schatzkisten führen. Ansonsten spielt sich der Titel streng linear, was allerding durch die grandiose Geschichte wiederum kaum ins Gewicht fällt.
Dass bei einem Spiel, das einen der größten Komponisten zur Hauptfigur hat, auf die musikalische Untermalung besonders großer Wert gelegt wurde, versteht sich von selbst. Auch die wahlweise japanische oder englische Sprachausgabe überzeugt auf ganzer Linie, wenngleich es im Test immer wieder zu oft minutenlangen Tonausfällen kam. Offenbar ein bedauerliches Einzelschicksal.
Fazit: "Eternal Sonata" ist wohl das, was man gemeinhin als Videospiel-Kleinod bezeichnet: Eine anspruchsvolle und tiefgehende Geschichte mit tollen und liebevollen Charakteren trifft hier auf grafische Opulenz und ein Kampfsystem, das selbst ausgefuchste Taktiker vollends zufriedenstellen dürfte. Einzig die sich oft wiederholenden Kämpfe gegen stets die gleichen Gegner gehen mit der Zeit auf den Nerv. Wer davon eine Auszeit nehmen möchte, kann der Konfrontation jedoch einfach aus dem Weg gehen.
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