"Rattenlinien"

Fluchtrouten von Nazi-Größen nachgezeichnet

Steiermark
22.11.2008 15:24
Die "Rattenlinien", auf denen Nazigrößen nach 1945 mit der Unterstützung Südtirols und Teilen der Katholischen Kirche nach Südamerika flüchten konnten, hat ein Vortrag des Tiroler Zeithistorikers Gerald Steinacher am Freitag an Grazer Uni (im Bild) beleuchtet. Steinacher ging im Rahmen der achten Arbeitstagung des "Austrian Center for Intelligence, Propaganda und Security Studies" (ACIPPS) auch auf den Grazer Bischof Alois Hudal ein, der Kriegsverbrechern ins Exil verholfen hatte.

Steinacher ist seit 2000 Archivar im Südtiroler Landesarchiv in Bozen. In seiner Habilitationsschrift für die Universität Innsbruck beschäftigte er sich mit der Rolle Südtirols als Schlupfloch für flüchtende Kriegsverbrecher wie Adolf Eichmann oder Josef Mengele. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs versteckten einige Südtiroler Gemeinden führende Nationalsozialisten teilweise jahrelang und verschafften ihnen neue Identitäten. Dadurch konnte beim Internationalen Roten Kreuz ein Pass für die Ausreise nach Südamerika beantragt werden.

Massiver Missbrauch
Der Massenansturm von Flüchtlingen überforderte das Rote Kreuz, es kam zu massivem Missbrauch, unter anderem durch Empfehlungsschreiben der im Vatikan angesiedelten "Päpstlichen Hilfsstelle". Einige nationale Untersektoren dieser Hilfsstelle - so auch die österreichische Sektion unter dem Grazer Bischof Alois Hudal - gaben Kriegsverbrechern taxfrei die benötigten Empfehlungsschreiben und waren so massiv im "Nazischmuggel" involviert, so Steinacher. Hudal verstand sich laut Steinacher stets "als Brückenbauer zwischen Nationalsozialismus und Katholischer Kirche".

Täter mussten durch Wiedertaufe Reue bekunden
Um die kirchliche Fluchthilfe zu erhalten, mussten die Täter durch eine Wiedertaufe ihre Reue bekunden. Der Tiroler Zeithistoriker bezeichnete diese Vergebungspolitik als "Entnazifizierung durch Taufe". Amerikanische Geheimdienste wussten bereits früh von diesen "Rattenlinien". Sie versuchten aber nicht, sie zu unterbinden, sondern nutzten die Fluchtwege, um eigene von Aufdeckung bedrohte Geheimagenten aus Europa zu schleusen.

Das Kompetenzzentrum ACIPSS an der Universität Graz wurde 2004 gegründet und befasst sich mit den Problemkreisen Intelligence, Propaganda und Sicherheit. Träger des Zentrums ist die als Verein registrierte Österreichische Gesellschaft für Geheimdienst-, Propaganda- und Sicherheitsstudien (ÖGGPS).

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