Mi, 15. August 2018

Rache nach Folter

20.10.2008 18:20

China: Welle der Sympathie für Sechsfachmörder

Ausgerechnet ein Mörder von sechs Polizisten erlebt in China zurzeit eine Welle der Sympathie: Der 28-jährige Yang Jia war letztes Jahr wegen eines Fahrraddiebstahls - er bestreitet den Vorwurf - in Shanghai festgenommen und in einer Polizeistation verhört worden. Er behauptet, dabei von den Polizisten misshandelt worden zu sein. Am 1. Juli dieses Jahres habe er daher mit einem Messer Rache genommen, so Yang. Obwohl der 28-Jährige zum Tode verurteilt wurde, halten viele Landsleute zu ihm, denn Foltervorwürfe gegen chinesische Polizisten sind keine Seltenheit.

Am Montag ist Yang mit einer Beschwerde gegen die Verurteilung zum Tode vor dem Gericht in Shanghai abgeblitzt. "Die Beweise sind klar, dass Yang Jia extrem grausam gehandelt hat und die Tat einen sehr schlechten Einfluss auf die Gesellschaft hatte", so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Auch die Bitte von Yangs Anwalt, seinen Mandanten einem psychologischen Test auf Zurechnungsfähigkeit zu unterziehen, war zuvor abgelehnt worden. Yang selbst wollte nicht auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Er habe die Tat aus Rache verübt, gab er unumwunden an.

Der 28-Jährige war letztes Jahr unter dem Verdacht des Fahrraddiebstahls in Shanghai festgenommen worden. Da er die Tat bestritt, sei er in der Polizeistation misshandelt worden, behauptet Yang. Fest steht, dass er am 1. Juli 2008 einen Sicherheitsbeamten sowie mehrere Polizisten in ebenjener Polizeistation mit einem Messer attackierte - sechs Beamte starben. Yang wurde des Sechsfachmordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Trotz der blutigen Tat hat der Fall in China für heftige Kontroversen wegen zahlreicher Vorwürfe der Polizeigewalt gesorgt. Immer wieder tauchen in der Öffentlichkeit sogar Demonstranten auf, die Solidarität mit Yang fordern - jedoch nur kurz, denn sie werden ausnahmslos festgenommen.

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