Di, 21. August 2018

Totaler Knockout

03.10.2008 12:57

Facebreaker

Sie kämpfen für Ruhm. Sie kämpfen für Ehre. Sie kämpfen, weil sie anderen gerne eine reinhauen. Sie, das sind die "Facebreaker". Wenn sich Molotov und Steve gegenüberstehen, geht es richtig rund und bleibt kein Auge trocken. Die russische Dampfwalze und der Möchtegern-Ninja verdreschen sich bis sich die Ringbalken biegen.

Mit "Facebreaker" betritt ein nicht ganz ernstgemeintes Arcade-Boxspiel die Arena, für das sich die neue Freestyle-Division von EA Sports verantwortlich zeichnet. Bei der Konzeption stand eindeutig der Fun-Faktor im Vordergrund. Hinweise darauf liefern nicht nur die im Comic-Stil gehaltenen Figuren, sondern bereits die Formulierung der Menüpunkte. Zur Auswahl stehen unter anderem "Kämpft", "Schlag dich durch", "Online", "Couch Royal Boxer" und "Recht auf Respekt".

Dahinter verbergen sich ein Spielmodus für ein schnelles Spiel zwischendurch, eine Art Karriere-Modus, ein Multiplayer-Part sowie die obligatorische Ruhmeshalle. Alles in allem ist dies ein doch recht magerer Umfang. Immerhin schreit das witzige Setting geradezu danach, noch ein paar witzige Spielvarianten oder auch Minispiele einzubauen.

Beim "Kämpft"-Modus kann neben drei Schwierigkeitsgraden, mit der Betonung auf schwierig, auch eine Trainingsoption ausgewählt werden. Danach muss man sich für einen der teils kuriosen Kämpfer entscheiden. Kleine Auswahl gefällig? Da wären unter anderem der elegant schmachtende Romeo, Steve, der so gerne ein echter Ninja wäre, Ice, der Coole, der feurige Kekoa, Spin, der Hip Hopper, oder Molotov, der russische Koloss.

Wie in diesem Genre üblich, sind anfangs nicht alle Figuren frei wählbar und müssen erst nach und nach frei gespielt werden. Jeder der Boxer hat seinem Charakter nachempfundene Bewegungsmuster. Einer tänzelt leichtfüßig wie ein Reh, der andere wiederum stapft und tapst wie ein Bär durch den Ring. Zudem verfügen alle über einen eigenen individuellen Finishing-Move, den Facebreaker, bei dem schon mal das Gesicht des Gegners als Tanzparkett missbraucht wird.

Regeln sind eben nur etwas für Verlierer, weshalb es in "Facebreaker" auch keine gibt. Der Kampf ist beendet, sobald einer der Boxer KO gegangen oder dreimal ein Niederschlag erfolgt ist. Gibt es nach drei Runden keinen Sieger, folgt der Sudden Death.

Die Steuerung kommt mit wenigen Tasten aus und geht im Nu in Fleisch und Blut über. Als Schlagvarianten gibt es leichte und harte Schläge, den Facebreaker sowie den Block. Die Angriffs- und Verteidigungsvarianten sind nach dem Stein-Schere Prinzip implementiert. Dadurch kann der Situation entsprechend gekontert werden. Bei jedem Treffer füllt sich die Facebreaker-Anzeige - bekommt man hingegen einen Schlag ab, darf wieder bei Null begonnen werden.

Zumindest in der Theorie ist es so. Schuld daran, dass es in der Praxis anders aussieht, ist einzig und allein der deftige Schwierigkeitsgrad. Vor allem der sprunghafte Anstieg sorgt für einige Schweißperlen auf der Stirn des Spielers. Besonders im Karriereteil, der eigentlich ein besseres Turnier gegen alle Kämpfer inklusive Endgegner ist, wird dieses Manko deutlich. Gelegenheitsspieler werden hier relativ schnell frustriert ihre Boxhandschuhe wieder an den Nagel hängen oder sich dem Multiplayer-Teil zuwenden.

Dieser macht nämlich deutlich mehr Spaß. Grund dafür ist die sehr gute technische Umsetzung: Die Kämpfer sind allesamt butterweich animiert und die Arenen zeichnen sich durch eine lebendige Umgebung aus, die so manchen kleinen Gag beinhaltet. Wer glaubt, in den großen Boxhallen antreten zu können, hat bis hierher nicht aufgepasst: Irrenhaus, Zoo oder Piratenschiff geben viel bessere Kampfschauplätze ab als eine dieser öden Mehrzweckhallen.

Eine weitere witzige Besonderheit des Spiels ist die Unterstützung von USB-Kameras: Beim Erstellen eines neuen Charakters in der Boxerwerkstatt können per USB-Kamera aufgenommene Bilder zugewiesen werden. Ein sehr nettes Feature, um den Frust am Chef, nervigen Kollegen, Freunden oder Politikern virtuell abzulassen.

Fazit: Mit "Facebreaker" ist EA Sports ein nicht bierernstes, unterhaltsames Sportspiel gelungen, das endlich mal wieder etwas Farbe in die Vielzahl an möglichst realitätsnahen Sportsimulationen bringt. Wären nicht der etwas geringe Umfang sowie der hohe Schwierigkeitsgrad, gäbe es einen uneingeschränkten Sieger nach Punkten. So bleibt zumindest ein witziger Arcade-Titel, der noch Raum für Verbesserungen bietet.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: EA Sports Freestyle
Krone.at-Wertung: 8/10


von Harald Kaplan

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.