So, 24. Juni 2018

Siemens ST 55

09.10.2003 18:29

Wie ein Ferrari mit Kleinwagenfahrwerk

Das Siemens ST 55 sieht wirklich erstklassig aus. Hochwertig, solide, ausgestattet mit einem tollen 30x39mm-Farbdisplay mit 65.000 Farben. Und die Funktionen lassen auf den ersten Blick wenig zu wünschen übrig, von der integrierten Digicam mit digitalem Zweifach-Zoom und einer maximalen Auflösung von 640x480 Pixeln (VGA), Special Effects wie Antikaufnahmen, Nightshot oder schwarz/weiß, E-Mail-Client und MMS-Versand bis hin zu polyphonen Klingeltönen. Aber wirklich Spaß macht es nicht.
Der Stress fängt schon mit dem Displayan. Die Beleuchtung bleibt nur wenige Sekunden nach dem letztenTastendruck an, und ist sie erst einmal aus, ist nichts mehr zuerkennen. Das ist besonders lästig, weil das ST 55 oft lang,bisweilen sehr lang braucht, um Befehle auszuführen. Undist dann zum Beispiel der gesuchte Kontakt gefunden, muss manerst eine Taste drücken, um ihn erkennen zu können.Wenn man dabei zufällig die Löschtaste erwischt, wirdes kritisch, denn auch bei ausgeschalteter Beleuchtung bleibendie Funktionen aktiv. Auf diese Weise kann es auch beim erstenEinschalten passieren, dass man versehentlich alle SIM-Einträgeins Handy kopiert. Das Problem wäre ganz einfach zu lösen,wenn der erste Tastendruck nur das Licht anknipsen würde.
 
Absturzgefahr
Wenn das Suchen eines Kontaktes etwas dauert, sollteman nicht ungeduldig auf irgend eine Taste drücken, dannstürzt das ST 55 nämlich ab und nur der radikale Akku-Ausbaumit anschließendem Neustart weckt den silbernen Patientenwieder aus dem Koma.
 
SMS heimlich lang
1520 Zeichen kann eine Nachricht lang sein, die manper SMS verschickt. Dann wird sie in einzelne SMS zerlegt undverkettet versandt. Doch wenn man aus Kostengründen nur eineinziges SMS schicken möchte, ist es wirklich umständlich,sich an die 160 Zeichen heranzutasten. Entweder man muss mitzählenoder immer wieder über das Menü die Meldungsgrößeabfragen und nachrechnen, wie viel Platz noch bleibt.
 
SMSn ist grundsätzlich kein Vergnügen,denn die Tasten sind so klein, dass sich sehr bald die Hand verkrampft,und regelmäßige Fehlbedienungen sind auch nicht zuvermeiden. Hier macht Siemens Zugeständnisse an das zugegebengelungene Design. Andere Handys mit ebenso großem Displaykönnen das besser. Dafür sind die Tastendruckpunkteausgesprochen gelungen, auch der erstmals bei einem Siemens-Handyeingesetzte Joystick macht seinem Namen Ehre.
 
Menü mit neun Schätzen
Die Menüführung ist etwas gewöhnungsbedürftig.Aufgebaut auf neun Symbolen klickt man sich durch den Dschungelder Funktionen, besonders gut zu erreichen ist dabei der Internetzugang,den man durchaus etwas besser verstecken könnte. Dafürsucht man andere Funktionen unangenehm lang, weil einfach nichtalle wirklich logisch zugeordnet sind. Auch die kontextsensitiveBelegung des Joysticks ist nicht immer schlüssig.
 
Tolle Sache: Individuelle Tastenbelegung
Manches ist alles Andere als Siemens-typisch, docheine geniale Funktion hat das ST55 von seinen Kollegen übernommen:die individuelle Belegung der Tasten. Alle Zifferntasten sindrelativ frei belegbar, zum Beispiel mit SMS-Versand, Wecker, Kalenderusw. Die linke Menü-Taste, die beim S45 noch frei belegbarwar, ist jetzt leider auf das Internet fixiert.
 
Immer aufgeweckt - oder gar nicht
Leider taugt das ST 55 nicht wirklich als Wecker,stellt man es nämlich auf lautlos, damit man nachts nichtvon Anrufen oder ankommenden Nachrichten geweckt wird, unterbleibtauch der morgendliche Weckruf.
 
Bitte lächeln!
Die Bilder, die das ST55 schießt, sind ok,allerdings gibt es nur eine Möglichkeit, sie aus dem Handyheraus zu bekommen: Man muss sie per MMS oder E-Mail versenden.Ein Datenkabel zum Übertragen auf einen Computer gibt esnicht, ist auch nicht vorgesehen. Und weil die Buchse des Handysein völlig neues Format hat, passt auch sämtliches bisherbekanntes Siemens-Zubehör nicht. Hoffentlich kommt wenigstensbald ein Headset in den Handel!
 
Bluetooth oder Infrarot sucht man ebenso vergebenswie Java. Nervig ist auch die kurze Akkulaufzeit. Längerals einen Tag sollte man nicht ohne Ladegerät unterwegs sein,wenn man nicht riskieren möchte, während eines längerenTelefonats plötzlich ohne Saft da zu stehen.
 
Letztlich bleibt: viel Schein, wenig Sein . Schade, denn das ST 55 stammt nicht nur aus gutem Hause, sondernhat auch die besten Anlagen. Mit ein wenig Nachbessern könnteman richtig etwas damit anfangen...

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