Schattenseite

iTunes als “Todesglocke für die Musikindustrie”

Web
29.08.2008 10:12
Apples Online-Musik-Service iTunes hat sich seit seinem Start vor mittlerweile fünf Jahren mit fünf Milliarden verkaufter Songs zu einer wahren Erfolgsgeschichte für die Musikbranche entwickelt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat dieser Erfolg aber auch seine Schattenseiten. So zeichnet sich ab, dass eine zunehmende Zahl von Plattenfirmen versucht, ihre Künstler aus dem Angebot des Musik-Stores zu nehmen.

Hintergrund: Viele Labels empfinden die Marktdominanz von iTunes inzwischen als eine potenzielle Bedrohung für den Gesamtmusikmarkt. Vor allem in den USA würden laut Brancheninsidern zur Zeit an die 90 Prozent der digitalen Musikdownloads über den Apple-Service stattfinden. Ein weiterer Grund für die wachsende Skepsis der Branche ergibt sich auch aus den spezifischen iTunes-Richtlinien, die den ausschließlichen Verkauf kompletter Alben großteils nicht zulassen. Der forcierte Einzelverkauf von Songs wirke sich in vielen Fällen negativ auf die gesamten Verkaufsumsätze aus, kritisieren Labelvertreter.

"Die Dominanz von iTunes hat das Musikgeschäft in ein Singles-Geschäft verwandelt", erklärt Ken Levitan, Manager des US-Rockstars Kid Rock, gegenüber dem Wall Street Journal. Die zunehmende Beliebtheit des Online-Stores sei "bei weitem kein Segen", sondern eher "Teil der Todesglocke für die Musikindustrie". Levitan habe das aktuelle Album seines Klienten namens "Rock 'n Roll Jesus" absichtlich von den virtuellen Regalen des iTunes-Store ferngehalten und es habe sich trotzdem bislang mit 1,7 Millionen Kopien sehr erfolgreich verkauft. "Wenn das Album in der Art und Weise angeboten worden wäre, wie es iTunes vorsieht, würde das ganz anders aussehen. Die Album-Verkaufszahlen hätten nie diesen Wert erreicht und die Nutzer hätten sich lediglich den beliebtesten Song daraus per 99-Cent-Download heruntergeladen", ist Levitan überzeugt. 

Seitdem im Jahr 2000 die Zahl der Filesharing-Plattformen im Internet sprunghaft angestiegen ist, kämpft die Musikindustrie mit rückläufigen Verkaufszahlen. Der Start von Apples iTunes-Store 2003 galt lange Zeit als ein potenzieller Hoffnungsschimmer, um dieser Entwicklung entgegenwirken zu können. Die Umgehung von iTunes widerspricht in dieser Hinsicht eigentlich der Logik der Musikindustrie, die zunehmend darauf hofft, dass legale digitale Downloads in naher Zukunft die CD als Verkaufsformat ablösen werden. (pte)

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