Hölle im Big Apple

Alone in the Dark

Spiele
16.08.2008 19:04
Edward Carnby, ein Held aus fast vergessenen Zeiten: Sieben lange Jahre ist es her, dass er sich in "Alone in the Dark" mit gar grauslichen Gestalten und übernatürlichen Phänomenen herumschlagen musste. Atari hat ihn nun wiederbelebt und nach New York verfrachtet. Wie sich zeigt mit höchst unterschiedlichen Auswirkungen für Xbox-360- und PS2-Besitzer.

Schwer angeschlagen und nur halb bei Sinnen lauscht Edward anfangs zwei brutalen Schlägern, die sich darüber unterhalten, was mit ihm und einem zweiten Opfer passieren soll. Der auftauchende Anführer sieht in Edward keinen Nutzen mehr und so wird er von einem der beiden Rauhbeine aufs Dach geführt. Aufgrund seines Zustandes verschwimmt immer wieder seine Sicht. Mit einem kurzen Knopfdruck und einem Lidschlag verbessert sich diese kurzfristig. So bekommt er gerade noch mit, wie ein ungeheurliches, außernatürliches Etwas seinen Peiniger bei lebendigem Leibe verschlingt. Jetzt kann sein Abenteuer beginnen.

Wie aus der Serie gewohnt, kann der Held in der Third-Person-Perspektive gesteuert werden. Ein Wechsel in die First-Person Ansicht ist ebenso möglich und auch zwingend erforderlich, wenn man eine Schußwaffe verwenden mag. Wieso dies nur dann möglich ist, bleibt wohl ein Geheimnis der Entwickler. Neben diesen Kampfsequenzen sorgen Rätsel sowie Klettereinlagen für Abwechslung und Kurzweil. Ein Auto darf auch gesteuert und das riesige Areal des bekannten Central Parks erkundet werden.

Eine immer wieder auftauchende Unbekannte schließt sich Edward zeitweise an. Sie will eigentlich immer nur gerettet werden und fleht oder jammert in einer Tour um Hilfe. Hätte sie eine aktivere Rolle spendiert bekommen, wäre es in Ordnung gewesen, aber als andauernd hilfloses Opfer nervt sie auf Dauer gewaltig.

Wie es sich für die Alone in the Dark“-Reihe gehört, sorgen dämonische Kräfte für einiges Ungemach. Feuer ist allerdings ihr schlimmster Feind. Edward kann viele entflammbare Gegenstände in Brand setzen und so die Gegner bekämpfen, Brandbomben basteln oder Muntion entzünden. Dazu müssen die Gegenstände im Inventar miteinander kombiniert werden, was sich relativ umständlich gestaltet, da das reguläre Spiel weiterläuft. Immer wieder kommt es daher vor, dass Gegner den Helden an einem Ende bereits anzuknabbern versuchen, während dieser noch verzweifelt an einer schlagkräftigeren Waffe bastelt.

Die an sich gut vermittelte Atmosphäre mag den Spieler nie wirklich dauerhaft in den Bann zu ziehen. Schuld daran ist nicht die durchaus ansehnliche Grafik auf der Xbox 360, sondern vielmehr die frustierend schlecht umgesetzte Steuerung. Sie allein macht fast alle guten Ansätze wieder zunichte. Dazu kommen noch erbärmliche Synchronssprecher, die in einem tiefen Motivationsloch gesteckt haben müssen.

Die PS2-Variante hingegen bietet eine durchwegs bessere Spielbarkeit. Die Grafiken sind naturgemäß schlechter, es  gab allerdings auch schon viel Schlimmeres auf der alten Sony-Konsole zu sehen. Erstaunlicherweise gibt es Unterschiede im Spielverlauf zwischen PS2- und Xbox-360-Variante. Erklärbar dürfte dies zum Teil durch die unterschiedlichen Entwicklerstudios sein. Divergierend sind auch die Levelausmaße, die in der PS2-Fassung geringer ausfallen. 

Anzumerken wäre der an manchen Stellen doch sehr hoch angesetzte Schwierigkeitsgrad, der wiederum bei den Zwischengegnern ins Gegenteil verkehrt wurde. Hier wäre eine bessere Spielbalance gefragt gewesen.

Fazit: Schade! Atmosphärisch hätte die Wiederauflage einiges hergegeben. Während die NextGen-Fassung mit einer miserablen Steuerung zu kämpfen hat, kommt die PS2-Fassung wiederum präsentationstechnisch nicht sonderlich gut weg. Alles in allem werden die PS2-Nutzer an dieser Durchschnittsware etwas mehr Freude als die Xbox-360-Besitzer haben.

Plattform: PS2 (getestet), Xbox360 (getestet), Wii, PS3, PC
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 5/10 (Xbox360);  6/10 (PS2)

von Harald Kaplan

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