Tornado über Grado

“Die Leute mussten dann am Strand schlafen”

Steiermark
12.08.2008 10:35
Mit bis zu 130 Stundenkilometern ist in der Nacht auf Samstag ein Sturm über den beliebten Badeort Grado an der italienischen Adria gefegt und hat eine Spur der Verwüstung gezogen. Der Student Christoph Wolf (kleines Bild) aus Graz ist derzeit dort auf Urlaub. Er erzählte der "Krone" am Sonntag, wie er die Tornado-Katastrophe erlebte, bei der es zwei Tote gab.

Was hat sich in der Nacht auf Samstag in Grado abgespielt?
"Der Tornado mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h hat unzählige Bäume entwurzelt und Strommasten geknickt. In den Yachthäfen wurden die Boote durcheinandergewirbelt. Der ganze Spuk dauerte 15 Minuten. Danach war Grado von der Umwelt abgeschnitten, weil auf den Straßen die Bäume lagen. Eine 60-jährige Einheimische erzählte mir, dass sie so etwas noch nie erlebt hat."

Gab es außer den beiden Toten noch weitere Opfer?
"Es gab auch noch zahlreiche Verletzte - nicht nur in Grado, weil ja auch andere Orte von der Katastrophe betroffen waren. Die Schäden sind enorm! Der Tornado hat bis Monfalcone und Triest gewütet."

Wie haben die Urlauber reagiert?
"Besonders schlimm war die Situation auf den Campingplätzen, die evakuiert wurden. Die Leute haben am Strand geschlafen. Im Stadion wurden auch sofort Notquartiere eingerichtet. Manche wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Sie haben dann in Bars und Restaurants Zuflucht gesucht. Viele - zur Zeit sind hauptsächlich Österreicher und Deutsche hier - hatten dann genug und sind abgereist."

Und wie haben sich die Einheimischen verhalten?
"Ich muss sagen, ich bewundere die Menschen! Die haben in Rekordzeit gearbeitet - heute ist von den Sturmschäden fast nichts mehr zu sehen. Lediglich beim Busbahnhof ist noch nicht alles weggeräumt."

Bleiben Sie in Grado oder wollen auch Sie weg?
"Ich bleibe auf jeden Fall und werde auch sicher wieder hier Urlaub machen."

Interview: Peter Riedler, "Steirerkrone"

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