Blutbad in China

16 Polizisten bei Angriff auf Grenzstation getötet

Ausland
04.08.2008 14:52
Wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking sind bei einem Angriff auf Grenzpolizisten in Westchina am Montag 16 Beamte ums Leben gekommen. Eine bisher unbekannte Gruppe in der mehrheitlich von muslimischen Uiguren bewohnten autonomen Region Xinjiang rammte die Station mit einem Mülllastwagen und warf Granaten in das Gebäude, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete: Exil-Uiguren bezweifeln diese Darstellung indes. In Peking kam es am Montag zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens zu einem Handgemenge.

Das chinesische Staatsfernsehen berichtete von einem anderen Ablauf der Ereignisse in Xinjiang; demnach wurden die Polizisten bei ihrem Morgenappell vor einem Hotel angegriffen. Die lokalen Behörden wollten zunächst nichts über den Vorfall sagen. Auch der genaue Ort des Angriffs war unklar.

Starke separatistische Strömungen
Kashi ist eine Oasenstadt an der historischen Seidenstraße, die Region grenzt an Pakistan, Afghanistan und Kirgistan. In der Region, in der sich Chinas Atomanlagen und Raketenabschussbasen befinden, erstarken seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten panislamische und irredentistische Strömungen, wie die kommunistischen Behörden offen zugegeben haben. Im März war es zu Protestbewegungen parallel zu den schweren Ausschreitungen in Tibet gekommen.

Exil-Uiguren dementieren Beteiligung
Exiluigurische Gruppen haben nach eigenen Angaben keine Hinweise auf die Hintermänner des Terroranschlages. Der Sprecher des in München ansässigen "Uigurischen Weltkongresses", Dilxat Raxit, sagte, es gebe keine Verbindungen zu der von China immer wieder genannten "Ostturkestanischen Islamischen Bewegung" (ETIM). Er machte die repressive chinesische Politik in Xinjiang verantwortlich für die wachsenden Konflikte in der Region. "Viele Uiguren halten Chinas Unterdrückung nicht mehr aus", sagte Raxit. "Uns besorgt am meisten, dass die Politik Chinas das uigurische Volk auf den Weg der militärischen Konfrontation führt oder zwingt."

Hartes Vorgehen Chinas gegen Seperatisten
Seit 1990 wurden bei mehreren rigorosen "Anti-Separatismus-Kampagnen" zahlreiche "Konterrevolutionäre" in Xinjiang hingerichtet, Hunderte von Moscheen und Koranschulen wurden geschlossen. Gegen pro-chinesische uigurische Funktionäre wurden Attentate verübt, so fiel der regimegenehme Imam der Großen Moschee von Kashgar einem Mordanschlag zum Opfer. Internationale Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Führung vor, den Kampf gegen den Terrorismus zum Vorwand zu nehmen, um verschärft gegen ethnische und religiöse Minderheiten vorzugehen.

Uiguren als Bedrohung der Olympischen Spiele?
In der vergangenen Woche hatte ein chinesischer Regierungsvertreter gesagt, die islamistische Bewegung Ostturkestans in Xinjiang sei eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit der Olympischen Spiele. Viele Uiguren fordern die Wiederherstellung ihrer früheren "Republik Ostturkestan", die sich die chinesischen Kommunisten nach ihrer Machtübernahme 1949 militärisch einverleibt hatten. China hat 100.000 Sicherheitskräfte zur Sicherung der Olympischen Spiele, die am Freitag beginnen und bis zum 24. August dauern, abgestellt.

Handgemenge bei Demonstration in Peking
In Peking kam es am Montag zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens zu einem Handgemenge. Die Demonstranten wurden nach eigener Aussage aus ihren Häusern in einem nahe gelegenen Viertel vertrieben, um Platz für eine Einkaufsmeile mit Firmen wie Nike, Starbucks und Rolex zu machen. Sie müssten wegen der Olympischen Spiele leiden, beklagten die Demonstranten. Die chinesischen Behörden reagieren gereizt auf öffentliche Kritik, in der ganzen Hauptstadt sind Beamte im Einsatz. 

In den vergangenen Monaten vereitelte die Polizei nach eigenen Angaben Pläne, nach denen ein Passagierflugzeug gesprengt werden sollte. Geplant sei auch die Entführung von Sportlern und Journalisten gewesen, hieß es seitens der Behörden. Für nützliche Hinweise auf geplante Anschläge wurde eine Belohnung von bis zu 500.000 Yuan Renminbi (46.160 Euro) in Aussicht gestellt.

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