Gift-Cocktail

Gips, Rattengift und pure Chemie

Steiermark
26.07.2008 22:15
Würde jemand freiwillig Waschmittelzusätze essen, um "high" zu werden? Sicher nicht! Wer Ecstasy schluckt, tut das aber, ohne es zu ahnen. Drogenrichter Helmut Wlasak (im Bild) setzt auf Aufklärung - auch was ungustiöse Dealer-Praktiken angeht. Und: Der Missbrauch von Substitol und Kokain wächst - das "Koks" wird immer billiger.
Rattengift, Gips, chemische Duftstoffe und Waschmittel-Bestandteile - ein Cocktail zum Abgewöhnen, der sich in Ecstasy-Pillen verbirgt. Nur rund vier Prozent macht die eigentliche Droge aus, nämlich das Amphetamin, das für das Glücksempfinden zuständig ist. Wlasak: "Die Menschen wissen nicht, was sie da zu sich nehmen."

Richter betreibt Aufklärungsarbeit
Deshalb betreibt Wlasak seit Jahren Aufklärungsarbeit an Schulen. Rund 50.000 Jugendliche hat er mittlerweile erreicht. Etwa 2.500 kommen pro Jahr zu seinen Gerichtsverhandlungen. 

Abschreckung
"Die Jugendlichen sollen sehen, wie die beinharte Realität ausschaut..." So erzählt Wlasak auch gern die Geschichte vom Ecstasy-Dealer, der seine illegale Ware in seiner Unterhose versteckt, im Pissoir hervorkramt, um sie dann an Disco-Besucher zu verkaufen. "Den meisten Jugendlichen dreht sich der Magen um, wenn sie diese Geschichte hören. Das schreckt ab." 

Kokain wieder im Vormarsch
Wlasak ortet einen Trend zu stärkeren Drogen. "In einer Zeit, in der alles schneller funktionieren muss, sind aufputschende Drogen im Vormarsch." Wie Kokain. Das hat vor 15 Jahren noch 4.500 Schilling pro Gramm gekostet. Heute sind es gerade einmal 60 bis 80 Euro. 

Substitol-Handel boomt
Auf der Drogen-Überholspur aber befindet sich eindeutig der Drogenersatz-Wirkstoff Substitol. Der ist etwa in Wien vergleichsweise sehr billig zu haben. In Graz - Hauptumschlagplatz ist der Hauptplatz - wird das Substitol dann mit hohen Gewinnen verkauft. Für einen Dealer sind auf diese Weise bis zu 50 Euro pro Tag zu verdienen.

Daten und Fakten

  • Kokain
    Dank niedriger Preise im Vormarsch. Droge mit hohem Abhängigkeitspotential. Bewirkt eine Stimmungsaufhellung im Zentralnervensystem. Man ist euphorisch, hat das Gefühl gesteigerter Leistungsfähigkeit. Hunger, Müdigkeit verschwinden. Folgen des Konsums: Wahnhafte Wahrnehmungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, depressionsartige Zustände; bei Schwangeren besteht die Gefahr einer Frühgeburt. 
  • Heroin
    Sehr hohes Abhängigkeitspotential. Wirkt euphorisierend, schmerzlindernd und zugleich schlaffördernd. Körperliche Abhängigkeit ist schon nach zwei Wochen täglichen Konsums möglich. Besonders wenn Heroin mit Alkohol, Beruhigungs- oder Aufputschmitteln konsumiert wird, besteht akute Gefahr einen Atemstillstand zu erleiden. 
  • Haschisch
    Wird aus den Blüten der Cannabispflanze gewonnen, ist stärker als Marihuana. Oft gestreckt mit Sand, Staub, Damiana oder Henna. Neueste Studien belegen immer öfter, dass auch Haschisch abhängig macht. 
  • Ecstasy
    Rund 8.500 verschiedene "Markenzeichen". Diese geben aber keine sicheren Hinweise auf den Inhalt, weil sie leicht gefälscht werden können. Verursacht Glücksgefühle.

von Gerald Richter, "Steirerkrone"

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