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Foto: thinkstockphotos.de

Vietnam: Von Schildkröten und Lotusblüten

17.08.2013, 17:00
Verkehrshölle und Idylle, Legenden und Kriege, Luxusshops und Billigware: Vietnam ist abwechslungsreich und immer eine Reise wert.

Wir sind umzingelt. Von allen Seiten fahren die Motorräder auf uns zu, ein Überqueren der Straße gleicht einer Selbstmordmission. Auf Vespas sitzen oft sechs Personen auf einmal, sie dienen auch als Transportmittel für bis zu zwölf Getränkekisten, mehrere Käfige mit Hühnern oder ganzen Kästen. Zwischen den Zweitaktern Autos und Fahrräder, über allem Dauer- Gehupe. Der erste Eindruck von Hanoi ist der einer Verkehrshölle. Auf den zweiten Blick wirkt die Sache aber viel harmloser. Das Chaos hat Ordnung, und wer als Fußgänger ohne zu zögern und den Fahrern fest ins Auge blickend weitergeht, kommt unbeschadet auf die andere Straßenseite.

Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt ist der Hoàn- Kiêm- See oder See des zurückgegebenen Schwertes. Der Legende nach kämpfte Lê Loi Anfang des 15. Jahrhunderts gegen die chinesischen Besatzer und betete um göttlichen Beistand. Da tauchte aus dem See eine goldene Schildkröte auf, die ihm ein Schwert übergab, mit dem er die Eindringlinge besiegen konnte. Danach erschien erneut die Schildkröte und forderte das Schwert zurück. Noch ehe Lê Loi, inzwischen zu König Lê Thái Tông geworden, das tun konnte, glitt das Schwert von selbst zurück in den Mund der Schildkröte, die dann im Wasser untertauchte. Sie soll noch heute im See leben.

Hanoi wirkt immer noch verschlafen

Ihr zu Ehren wurde später der Schildkrötenturm (Tháp Rùa) in dem See gebaut, heute das Wahrzeichen der Stadt, die noch immer sympathisch altmodisch und verschlafen wirkt. Trotz Verkehr und rund sieben Millionen Einwohnern. Hier spürt man auch stärker als im übrigen Vietnam, dass es sich um ein sozialistisches Land handelt. Jedem Besucher wird das Mausoleum gezeigt, in dem Staatsgründer Hô Chi Minh seine letzte Ruhe fand. Dahinter liegen der prächtige ehemalige Palast des französischen Generalgouverneurs und der bescheidene, auf Stelzen errichtete Holzbungalow von "Onkel Hô", wie der Nationalheld im Volk genannt wird.

Gleich daneben steht Vietnams meistfotografierte Sehenswürdigkeit, die Einsäulenpagode. Auch um sie rankt sich eine Legende: Der kinderlose König Ly Tháio Tô träumte, dass ihm die auf einer Lotusblüte sitzende Göttin der Barmherzigkeit einen Sohn überreichte. Als er bald darauf Vater eines Buben wurde und damit die Dynastie gerettet war, ließ der König aus Dankbarkeit die Pagode in Form einer Lotusblüte bauen. Heute bringen hier kinderlose Paare in Hoffnung auf Nachwuchs Opfergaben dar.

Der wohl schönste Bau Hanois ist der 1070 zu Ehren des chinesischen Philosophen Konfuzius errichtete Literaturtempel mit seinen zahlreichen Toren und Gebäuden. Faszinierend die Altstadt mit ihren langen, schmalen Häusern. Oft sind sie nur fünf Meter breit, gehen aber 40 Meter in die Tiefe. In jeder Straße wird hier eine andere Warengruppe zum Kauf angeboten. Meist spaziert man auf der Straße, denn die Gehsteige sind vollgeparkt – erraten: mit Motorrädern.

Bootsfahrt in der Ha- Long- Bucht ist ein Muss

Ein Muss ist eine Bootsfahrt in der Ha- Long- Bucht, seit 1994 UNESCO- Weltnaturerbe. 1.969 Kalkfelsen, zumeist unbewohnte Inseln und Felsen, zum Teil mehrere hundert Meter hoch, ragen dort aus dem Wasser und lassen die Verschlüsse der Fotokameras klicken. Ein Erlebnis auch die Fahrt von Hanoi zur Bucht entlang der typischen Reisfelder. Immerhin ist Vietnam der zweitgrößte Reis- Exporteur der Welt.

Völlig unterschiedlich zeigt sich Zentralvietnam mit seinen kilometerlangen Sandstränden und im Vergleich zu Hanoi fast ausgestorben wirkenden Orten. Die alte Kaiserstadt Huê war von 1802 bis 1945 Hauptstadt Vietnams und liegt am "Fluss der Wohlgerüche". Vom Kaiserpalast und der "Verbotenen Stadt" sind noch genug Gebäude erhalten, um eine Vorstellung vergangener Pracht zu bekommen. Beeindruckend die Luxus- Kaisergräber: Weil die Herrscher das Leben nur als Übergang zum Paradies nach dem Tod betrachteten, scheuten sie keine Kosten, um ihre Wohnstätte für das Leben danach möglichst prächtig zu gestalten. So entstanden gigantische Anlagen, die mehr an Paläste als an Grabstätten erinnern. Ein Beispiel dafür ist das Grabmal von Tu Duc, zu dem neben Palästen und Pavillons auch künstliche Seen, Berge und ein eigenes Theater gehören.

Entlang der Küste über den Wolkenpass geht die Fahrt nach Hôi An mit seinen malerischen Gassen, alten Häusern und der Japanischen Brücke. In dieser lieblichen Gegend tobten ab 1965 im Vietnamkrieg grausame Schlachten zwischen US- Soldaten und den kommunistischen Vietkong. Heute kommen die Amerikaner in Frieden und als Touristen.

Saigon: Paris des Ostens

Eine völlig andere Welt tut sich in Saigon auf. Offiziell heißt die Stadt zwar Hô- Chi- Minh- City, aber die Bewohner verwenden den alten Namen. Alt ist an Saigon aber nur noch wenig. Die Zahl der Hochhäuser hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt, und Luxusgeschäfte gibt es hier mehr als auf den Champs Élysées in Paris oder der New Yorker Fifth Avenue. Ein gewaltiger Kontrast zur Tatsache, dass 70 Prozent der Vietnamesen ihren kärglichen Lebensunterhalt mit Landwirtschaft verdienen.

Wegen seiner Gebäude im Kolonialstil, die aus der französischen Besatzungszeit stammen, wird Saigon auch als Paris des Ostens bezeichnet. Stadt der Gegensätze würde auch passen: Konsumtempel von Cartier, Dior und Co. auf der einen, Märkte mit kleinen Verkaufsständen auf der anderen Seite. Hier bekommt man die teure Markenware, dort die Fälschung um ein paar Euro. Mag Vietnam auch unter sozialistischer Herrschaft stehen, Saigon ist eine zutiefst kapitalistische Stadt. Und eine sehr europäische. Sogar der Motorradverkehr ist hier ein bisschen geordneter als im fernen Hanoi.

17.08.2013, 17:00
Eva Lehner, Kronen Zeitung
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