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10.12.2016 - 09:34
Der Flüchtlingsansturm 2015 war gewaltig, "keiner fragte nach meinem Pass", schildert Herr A.
Foto: Ricardo, Klemens Groh

"Radikale über Spielfeld- Grenze eingeschleust"

16.06.2016, 07:41

Schwere Vorwürfe erhebt ein zum christlichen Glauben konvertierter Flüchtling aus Syrien, der im vergangenen Herbst nach Österreich gekommen ist, im "Krone"- Gespräch: An der Grenze im steirischen Spielfeld habe es damals keinerlei Kontrollen gegeben, Pässe seien weggeworfen, jeder sei durchgewunken worden: "So könnten auch einige Radikale eingeschleust worden sein!"

Der Mann, der mit einer Dolmetscherin in der "Steirerkrone"- Redaktion sitzt, möchte unerkannt bleiben, wir kürzen auch seinen Nachnamen ab. Aus gutem Grund: Er fürchtet sich, dass seine Aussagen Racheaktionen provozieren könnten. Herr A. ist 46 Jahre alt, hat vier Kinder, seine Familie lebt im Libanon. Er selbst stammt aus dem Bürgerkriegsland Syrien, hat - wie uns vorgelegte Unterlagen belegen - an mehreren Universitäten Wirtschaft studiert. Im Vorjahr zwangen ihn die Kämpfe in seinem Heimatland zur Flucht.

Herr A. mit der Dolmetscherin in der "Steirerkrone"-Redaktion
Foto: Ricardo

"Keiner fragte mich nach meinem Pass"

Sein Ziel war Österreich, im Oktober war er einer von Zehntausenden, die die weiß- grüne Grenze in Spielfeld passierten. "Ich hatte alle Dokumente, meinen Pass mit - aber keiner fragte mich danach", war A., der vom islamischen zum christlichen Glauben konvertierte, bei seiner Ankunft in der Steiermark völlig überrascht. "Viele Flüchtlinge haben auch gesagt, sie hätten ihre Pässe verloren. Die sind meiner Meinung nach besser dran als jene, die Dokumente vorweisen können", so A.

"Keine syrischen Dialekte"

Überraschung Nummer zwei: "Es wurden auch keinerlei Gepäckskontrollen durchgeführt, da hätte jeder alles mitbringen können." Polizisten seien weit und breit nicht zu sehen gewesen. Dass ausschließlich Kriegsflüchtlinge unter den Einreisenden waren, bezweifelt er: "Ich kenne die syrischen Dialekte, gehört habe ich allerdings keinen."

"Geld wird in die Heimat geschickt"

Der 46- Jährige befürchtet, dass auch Radikale eingeschleust worden seien: "Das Sicherheitsrisiko wird in Österreich unterschätzt." Kritik übt der Flüchtling, der in mehreren Heimen in der Steiermark untergebracht war und nun in Graz lebt, auch an unserem Sozialsystem: Asylwerber würden das ihnen zur Verfügung gestellte Bargeld häufig in die Heimat schicken, "und was dort damit geschieht, kann keine österreichische Behörde kontrollieren".

16.06.2016, 07:41
Gerald Schwaiger und Gerhard Felbinger, Kronen Zeitung
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