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30.05.2017 - 07:24
Reinhold Mitterlehner
Foto: APA/fotokerschi.at/Kerschbaummayr

Obmann- Demontage blieb auch "Django" nicht erspart

10.05.2017, 13:22

Jetzt ist "Django" die Fesseln der Partei los: Nach zermürbenden Monaten, in denen Vizekanzler und ÖVP- Chef Reinhold Mitterlehner nur noch als Platzhalter für den aufstrebenden Sebastian Kurz gesehen wurde, hat der 61- Jährige am Mittwoch das Heft selbst in die Hand genommen und seine Posten geräumt . Auch dem selbstbewussten Oberösterreicher blieb damit die in der ÖVP übliche Obmann- Demontage nicht erspart.

Diese Rolle des wankenden Parteichefs entspricht so gar nicht dem Selbstbild und eigentlich auch nicht dem Fremdbild Mitterlehners. Zeit seiner politischen Karriere galt der scheidende Vizekanzler als ausnehmend selbstbewusst, einer, der zwar in Wirtschaftskammer und Heimatbundesland fest verankert war, sich aber immer den Luxus einer eigenen Meinung leistete.

Reinhold Mitterlehner
Foto: APA/Helmut Fohringer

Selten um offene Worte verlegen

Selbst in der Ära Wolfgang Schüssel, als die Partei vor ihrem Obmann erstarrte, war Mitterlehner selten um offene Worte verlegen. Parteiinterne Irritationen erregte Mitterlehner auch, als er sich im Eurofighter- Untersuchungsausschuss durchaus am kritischen Hinterfragen der Opposition beteiligte - eine Haltung, die ihm bis heute Respekt im Hohen Haus einbringt.

Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Langes Warten auf Spitzenposition

Es hat lange gedauert, bis Mitterlehner eine politische Spitzenposition bekam. Viele Jahre galt er als Talent, zu mehr als den Posten des Wirtschaftsbund- Generalsekretärs sowie des stellvertretenden Wirtschaftskammer- Generalsekretärs reichte es aber dann doch nie. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass Mitterlehner manchmal unnahbar ist, vielleicht auch ein wenig stur. Manchen gilt er als arrogant, dafür hat er Humor, ist pragmatisch und ohne Zweifel kompetent.

Erst unter Josef Pröll kam Mitterlehner 2008 in der Regierung an, und auch das nicht auf Wunsch des damaligen Parteichefs, sondern weil Wirtschaftskammer- Präsident Christoph Leitl und Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer ihren Einfluss geltend machten.

Christian Kern, Reinhold Mitterlehner
Foto: APA/Robert Jäger

Ab da war es mit dem kecken Mitterlehner allerdings im Wesentlichen vorbei. Gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) bildete er über viele Jahre das Regierungsduo, das am wenigsten durch Streit und große Worte, dafür aber immer wieder durch sachorientierte Lösungen auffiel. Die Auflösung des Wissenschaftsressorts, das ihm zufiel, meisterte Mitterlehner nach der letzten Wahl souverän. Die Proteste, dass die Agenden im Wirtschaftsministerium abgelegt wurden, waren rasch verhallt.

Rudolf Hundstorfer, Reinhold Mitterlehner
Foto: APA/Roland Schlager

"Django" diente als Werbevehikel

Schon als es Josef Pröll mit der Partei reichte, wäre Mitterlehner wohl parat gestanden. Damals entschied man sich aber für Michael Spindelegger. Als es diesem reichte, war Mitterlehner im August 2014 dann wirklich an der Reihe. Am Beginn herrschte noch große Euphorie: Mitterlehners "Couleur"- Name "Django" diente als Werbevehikel, die Schwarzen fühlten sich wieder einmal im Aufwind.

Reinhold Mitterlehner, Sebastian Kurz
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER, APA/ROLAND SCHLAGER, picturedesk.com

Lieber mit Kurz als mit Mitterlehner in die Wahl

Freilich herrschte bald wieder Flaute: Die Umfragen blieben im Keller, die Regierungszusammenarbeit verlief zäh. Immer deutlicher kristallisierte sich heraus, dass die Partei lieber mit Kurz als mit Mitterlehner  in die Wahl gehen würde. Dem Obmann wurde das Leben saurer und saurer gemacht, Sacharbeit gestaltete sich gerade zuletzt beinahe unmöglich: "Ich finde, es ist genug", befand Mitterlehner sodann Mittwochmittag und schmiss hin - wohl von viel Verständnis begleitet.

Video: Mitterlehner schmeißt hin: "Einen schönen Sommer"

Video: APA

Nun mehr Zeit fürs Privatleben

Da Mitterlehner all seine Funktionen zurücklegt, endet mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sehr lange politischen Karriere. Der promovierte Jurist hatte schon 1980 in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer angeheuert, später kamen diverse Kammer- Funktionen dazu, ab 2000 saß er bis zu seinem Regierungseintritt im Nationalrat. Was seine Zukunft betrifft, gab es schon die diversesten Gerüchte. Möglich, dass er fürs Erste eine Auszeit nimmt und sich seinen Hobbys wie dem Tarockieren und dem Radfahren widmet. Privat ist Mitterlehner verheiratet und Vater von drei Kindern. Eine Tochter starb im Vorjahr.

Redaktion
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