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03.12.2016 - 12:59
Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden sagte im "Costa Concordia"-Prozess in Italien aus.
Foto: APA/FRANZ NEUMAYR

"Costa"- Prozess: Heinz Schaden sagte als Zeuge aus

01.12.2014, 16:38
Im Prozess gegen den Kapitän des im Jänner 2012 havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der toskanischen Insel Giglio hat am Montag Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden als Zeuge aussagt. "Es war mir ein Bedürfnis zu berichten, was damals in der Nacht passiert ist", schilderte Schaden, der das Unglück unverletzt überlebt hatte, nach seiner Aussage.

Dem Bürgermeister war es ein persönliches Anliegen, zur Wahrheitsfindung beizutragen. Er sagte bei der Verhandlung in Grosseto gleich als erster von mehreren geladenen Zeugen aus. Die Befragung dauerte eine Stunde und wurde von einer Dolmetscherin übersetzt. "Ich kann zwar Italienisch, aber um präzise aussagen zu können, war eine Übersetzung wichtig. Meine Hauptaussage heute war: Man hat zwei schwere Fehler gemacht, es wurde zweimal grob fahrlässig gehandelt. Das Schiff ist unter Ausschaltung des Autopiloten mit 15,5 Knoten im rechten Winkel auf die Küste zugefahren. Im letzten Augenblick ist dann versucht worden, abzudrehen. Das Schiff schlug mit dem Heck auf, es entstand ein 70 Meter langer Riss."

"Wenn man rechtzeitig evakuiert hätte, gäbe es keine Toten"

Vor Gericht habe er seinen Zorn zum Ausdruck gebracht und es seien auch Emotionen hochgekommen, als er über die Ereignisse in der Unglücksnacht berichtete, erzählte der Bürgermeister im Anschluss. Denn nach der Havarie hätte doch sofort klar sein müssen, dass das Schiff bei so einem Riesenleck nicht mehr schwimmtauglich sei, es waren viele Schotten aufgerissen. "Fast zwei Stunden wurde nichts getan. Wenn man rechtzeitig evakuiert hätte, hätte es keine Toten gegeben", sagte Schaden zum Richter. "Mir war sofort klar, dass das Schiff verloren ist. Wenn der Strom ausgefallen ist, heißt das, dass die Maschinen stehen - weil Wasser im Maschinenraum ist."

Schaden bedankte sich bei seinen Rettern

Der Bürgermeister war einer der letzten Passagiere, die das Schiff verließen, das schon eine starke Schieflage hatte. Er habe sich an die Rettungsregeln "Frauen, Kinder und alte Leute zuerst" gehalten, betonte Schaden. Er bedankte sich offiziell beim Bürgermeister und beim Vizebürgermeister von Giglio für die große Hilfe in der Unglücksnacht: "Diese Botschaft an das Gericht, Danke zu sagen, das war mir heute ebenfalls wichtig. Der Vizebürgermeister ist auf das untergehende Schiff hinauf und hat versucht, Leute zu bergen. Er gehört zu jenen, die in dieser Nacht Heldenmut bewiesen hat. Die beiden haben gesagt, ich soll nach Giglio kommen." Er werde im nächsten Jahr nach Giglio reisen, um sich bei den Bürgern dort persönlich für ihre Hilfsbereitschaft zu bedanken, erklärte Schaden.

Bürgermeister lehnte 14.000 Euro Abfertigung ab

Bereits vor rund einem Jahr hatte Schaden eine Sachverhaltsdarstellung an das Gericht übermittelt. Eine Abfertigung der Reederei von 14.000 Euro lehnte er ab, weil er sonst auf alle Rechtsmittel verzichten hätte müssen und bei dem Prozess nicht als Zeuge hätte aussagen können. Er hat sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligter angeschlossen. Zur Verhandlung begleitet wurde Schaden von einem italienischen Rechtsanwalt aus Verona. Morgen, Dienstag, soll Kapitän Francesco Schettino einvernommen werden.

01.12.2014, 16:38
AG/red
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