Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
09.12.2016 - 15:15
Foto: dpa/Matthias Hiekel

Bande soll Fake- Viagra im Internet verkauft haben

19.09.2016, 14:40

Vier Angeklagte sind am Montag bei einem Prozess in Salzburg mit schweren Vorwürfen konfrontiert worden. Sie sollen gefälschte Potenzmittel und Schlankmacher im Internet verkauft und einen Schaden von rund zwei Millionen Euro verursacht haben. Zwei der Beschuldigten sollen Mitglieder der sogenannten Pillendienst- Bande sein, denen in Deutschland ein Schaden von 20 Millionen Euro vorgeworfen wurde.

Auch die mutmaßliche Salzburger "Zweigstelle" der internationalen Bande - das Hauptverfahren ist beim Landgericht Potsdam anhängig - hat laut Staatsanwaltschaft von 2009 bis 2011 in Asien illegal hergestellte und dann nach Europa geschmuggelte Produkte im Internet- Versandhandel den "ahnungslosen Käufern" als Originalmedikamente Viagra, Cialis und Levitra angeboten. Ein eigenes Online- Bezahlsystem versprach dem Kunden eine diskrete Abwicklung. Die gefälschten Pillen wurden per Post verschickt.

Netz aus Strohmännern und Tarnfirmen

Die weltweit agierende Bande soll für ihr Online- Geschäft ein Netz aus Strohmännern und Tarnfirmen aufgebaut haben. Nach einem Hinweis eines Viagra- Herstellers an die deutschen Behörden flog der Schwindel 2011 auf. Ermittlungen zufolge sind innerhalb von zwei Jahren 230.000 Bestellungen allein aus Deutschland eingegangen. Chemische Tests ergaben, dass die angepriesenen und nicht zugelassenen Medikamente allerdings nur einen geringen Wirkstoffgehalt aufwiesen.

Einige Beschuldigte wurden in Deutschland bereits verurteilt. Im Jahr 2012 erhielt ein damals 62- jähriger Vorarlberger bei einem Prozess am Landesgericht Feldkirch vier Jahre Gefängnis wegen gewerbsmäßig schweren Betruges mit minderwertigen Potenz- und Diätpillen im Rahmen einer kriminellen Vereinigung mit einem Schaden von rund einer Million Euro. Seine Frau wurde wegen ihrer untergeordneten Rolle zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt.

Ganze Familie in "Pillendienst" verstrickt?

Bei dem Prozess in Salzburg, der für fünf Tage anberaumt ist, wird ebenfalls ein Ehepaar beschuldigt, weiters ein Sohn und ein Freund des Ehemannes. Bei dem verheirateten Paar handelt es sich um einen 54- jährigen Geschäftsführer aus Österreich und eine 43- jährige Erotikdarstellerin aus Thailand. Dem Österreicher wird vorgeworfen, er habe sich gemeinsam mit seinem 28- jährigen Sohn im Rahmen einer kriminellen Vereinigung an dem illegalen "Pillendienst"- Internethandel und damit an einem schweren gewerbsmäßigen Betrug beteiligt und auch Konten zur Verfügung gestellt, auf welche die Einnahmen flossen. Zudem sollen sie Produkte, die im Inland lagerten, für den Versand zur Post gebracht haben.

Die Ehefrau ist der Anklage zufolge nur vermeintliche Eigentümerin einer Werbeagentur- und Postservice- Einrichtung ihres Mannes gewesen. Der Firma seien im Tatzeitraum Gelder entnommen und auf Konten in Liechtenstein transferiert worden. Staatsanwältin Sabine Krünes warf dem Ehepaar betrügerische Krida vor. Der Freund des Österreichers soll die gefälschten Pillen gekauft, im Internet beworben und mit Gewinn weiterverkauft haben. Der gleichaltrige Landsmann zeigte sich heute vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Günther Nocker reumütig geständig. Die drei anderen Angeklagten beteuerten allerdings ihre Unschuld.

Verdächtige wollen keine Ahnung gehabt haben

Der Verteidiger des erstangeklagten Ehemanns erklärte, sein Mandant habe als Geschäftsführer der Dienstleistungsfirma zwar ein Zahlungssystem für Produkte und Medikamente zur Verfügung gestellt. "Es war ihm aber nicht bekannt, was veräußert wurde", sagte Rechtsanwalt Sebastian Boecker. Die Ehefrau habe keine Ahnung von den Geschäften gehabt, und der Sohn sei Kameramann und im Versand für Erotikartikel tätig gewesen, sagten deren Verteidiger. Der Sohn habe ebenfalls keine Ahnung von derartigen Vorgängen gehabt.

Der Freund des Geschäftsführers, vertreten von Verfahrenshelfer Rechtsanwalt Michael Hofer, gestand ein, dass er Pillen, die sein Freund im Internet bestellt habe, angekauft und mit einem Aufschlag von zwei Euro pro Tablette weiterverkauft hat. Er habe gewusst, dass die Produkte in der Apotheke mehr kosten und diese auch rezeptpflichtig seien. "Ja, ich war dumm. Ich habe einen Blödsinn gemacht", erklärte der Angeklagte. Seinen Freund wollte er nicht belasten. Ob dieser gewusst habe, dass es sich um gefälschte Medikamente handelte, könne er nicht sagen. "Ich glaube, er hat sie nicht in der Hand gehabt." Der Prozess wird in dieser Woche morgen und Mittwoch fortgesetzt.

19.09.2016, 14:40
AG/red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum