Zwangsabtreibung im 7. Monat schockt China

14.06.2012, 19:23
Zwangsabtreibung im 7. Monat schockt China (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Foto: dpa/Patrick Pleul
In China ist eine im siebenten Monat schwangere Frau zur Abtreibung gezwungen worden. Die chinesischen Behörden bestätigten am Donnerstag den Vorfall und kündigten Strafmaßnahmen gegen die Verantwortlichen an. Der Fall hatte in China für helle Empörung gesorgt, nachdem Fotos der Frau und ihres blutverschmierten toten Babys im Internet veröffentlicht worden waren.

Es handle sich um einen "ernsten Verstoß" gegen die Politik der chinesischen Familienplanungsbehörde, hieß es am Donnerstag auf der Internetseite der Zhenping- Gemeinde in der nordchinesischen Provinz Shaanxi, in der Spät- Abtreibungen seit 2001 verboten sind. In der Erklärung wurde bestätigt, dass die Schilderung des Falls, der großen "Unmut in der chinesischen Gesellschaft" auslöse, "im Wesentlichen" wahr sei. Die Ermittler hätten Strafmaßnahmen gegen die Verantwortlichen empfohlen, hieß es weiter.

Gift in den Fötus injiziert

Bürgerrechtler der Provinz Shaanxi erklärten, die junge Feng Jianmei, die bereits ein Kind hat, sei zur Abtreibung gezwungen worden, weil sie der Strafzahlung von 40.000 Yuan (4.880 Euro) wegen Verletzung der staatlich verordneten Ein- Kind- Politik nicht nachgekommen war.

Ein Angehöriger sagte der Nachrichtenagentur AFP, Feng und ihr Mann hätten sich gegen die Abtreibung gewehrt. Ehemann Deng Jiyuan berichtete in chinesischen Medien, seine Frau sei daraufhin festgenommen, mit verbundenen Augen zu einem Mietshaus gefahren und dort drei Tage lang gefangen gehalten worden. Dann hätten fünf Männer Gift in den Fötus injiziert. "Sie gaben ihr die Injektion am 2. Juni, das Kind wurde am 4. Juni um 3 Uhr tot geboren."

Die örtlichen Behörden behaupten, die Frau hätte ihr schriftliches Einverständnis zur Abtreibung gegeben. Dem widersprach Deng: "Sie haben ihre Hand genommen und sie dazu gezwungen zu unterschreiben." Chinesische Internetnutzer verglichen den Vorgang mit den Taten "japanischer Teufel und Nazis".

Strenge Ein- Kind- Politik

Mit 1,3 Milliarden Menschen ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt. Um das Bevölkerungswachstum einzudämmen, gilt seit den späten 1970er- Jahren die Ein- Kind- Politik. In Städten lebende Paare dürfen nur ein Kind bekommen, Paare auf dem Land dürfen ein zweites Kind bekommen - wenn das erste ein Mädchen ist.

Verstoßen Paare gegen die Regel, müssen sie hohe Strafen zahlen. Menschenrechtsgruppen zufolge wurden Tausende Frauen wegen Verstößen gegen das Gesetz von den Behörden zur Abtreibung gezwungen. Offiziellen Angaben zufolge wurde im Jahr 1983 mit 14,37 Millionen Abtreibungen ein Höchstwert erreicht.

AG/red
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