Furcht, Gewalt, Drohungen und mittelalterliche Methoden begleiten zwei türkische Mädchen seit jeher in den eigenen vier Wänden. Der angeklagte Vater, ein kräftig gebauter Restaurantbesitzer, legt großen Wert auf Tradition und Religion. Der Islam steht im Zentrum.
Von diesen Werten wollen die Schwestern aber nichts wissen. Im ethnisch und geschlechtlich gemischten Freundeskreis wurde stets auf die alten Werte "gepfiffen": Die Mädchen rauchten, gingen auf Partys, trafen sich mit Burschen und genossen die westliche Welt.
Unter dem Deckmantel der Religion richtete der Vater Gewalt gegen seine Mädchen. Laut Aussagen soll er sogar Zigaretten an deren Schenkeln ausgedrückt haben. Die Mutter sah tatenlos zu! "Ich wollte ihnen zu einem besseren Leben verhelfen", sagte er. Dieser Plan beinhaltete eine Reise in die Türkei. "Dort bin ich zwangsweise verlobt worden", so die 18- Jährige. Die Ehe kam nicht zustande.
Etliche Male flüchteten die Schwestern von zu Hause. Die 16- Jährige ist bis heute im Kriseninterventionszentrum untergebracht.
Unter dem Druck des Vaters revidierte die Ältere vor Gericht ihre Anschuldigungen. "Alles ist gelogen", sagte sie plötzlich. Ein Strafverfahren wegen Falschaussage droht.
"Die bisherigen Aussagen der 16- Jährigen sind glaubhaft", so Hofer. Urteil: 10 Monate bedingte Haft, 4.800 € Geldstrafe. Nicht rechtskräftig.
von Matthias Holzmann, Tiroler Krone