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Sitzenbleiben in Zukunft erst ab vier "Nicht genügend"

14.06.2011, 14:17
Sitzenbleiben in Zukunft erst ab vier "Nicht genügend" (Bild: APA/Harald Schneider)
Foto: APA/Harald Schneider
Nur dann eine Klasse wiederholen, wenn sie in mehr als drei Fächern negativ sind, sollen künftig Schüler der AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Dadurch sollen "Klassenwiederholungen im großen Stil entfallen", sagte Bildungsministerin Claudia Schmied am Dienstag bei der Präsentation der neuen Schritte der Bildungsreform. Stattdessen sollen nur einzelne Module wiederholt werden. Durch die "raschere Durchlaufzeit" seien laut Schmied keine zusätzlichen Lehrer nötig, VP- Bildungssprecher Werner Amon betonte, das Modell komme auch besonders begabten Schülern zugute.

Droht ein Fünfer, sollen die Schüler per Frühwarnsystem informiert werden und sich einen Lerncoach suchen und Förderkurse - je nach Entscheidung der Schule in Gruppen oder individuell - besuchen können. Indem der Semesterstoff in mindestens zwei Module unterteilt werden muss, soll das Lernpensum übersichtlicher werden. Ein negatives Modul kann dabei auch erst im nächsten Semester bzw. Schuljahr ausgebessert werden.

9.400 Schüler drehen jährlich "Ehrenrunde"

Beim dritten oder (auf Entscheidung der Direktion möglichen) vierten Prüfungsantritt pro Modul soll der Schüler außerdem die Möglichkeit haben, sich von einem anderen als dem Klassenlehrer prüfen zu lassen. Immerhin, so SP- Bildungssprecher Elmar Mayer, gehe es dabei oft auch um "Beziehungsgeschichten" zwischen Schüler und Lehrer.

Derzeit muss schon bei einem "Nicht genügend" eine "Ehrenrunde" gedreht werden. Davon betroffen sind laut dem Ministerium zehn Prozent der Oberstufen- Schüler (1,6 Prozent an den Hauptschulen, vier Prozent an der AHS- Unterstufe), immerhin fast 9.400 Schüler pro Jahr. Mit der Oberstufe Neu würden Klassenwiederholungen im großen Stil bald der Vergangenheit angehören, betonte Bildungsministerin Schmied.

An den derzeit 27 Standorten, an denen das Kurssystem als Schulversuch läuft, seien dadurch 60 Prozent der Klassenwiederholungen vermieden worden. Noch im Herbst 2011 sollen 15 weitere Schulen auf das System umsteigen, mit dem Schuljahr 2012 beginnt die österreichweite Umstellungsphase im Regelschulwesen. Bis 2016 sollen alle 800 Standorte umgestellt ein. Der ensprechende Gesetzesentwurf geht kommenden Montag in Begutachtung, kündigte die Bildungsministerin an.

Amon: "Modell kommt auch begabten Schülern zugute"

Dabei sollen die Schulen selbst entscheiden können, ob sie ab der neunten oder zehnten Schulstufe das Kurssystem anbieten. Man wolle den Schulen so viel Autonomie wie möglich geben, so VP- Bildungssprecher Amon. Dieser betonte auch, dass das Modell nicht nur schwachen, sondern auch besonders begabten Schülern zugutekomme: Diese könnten einzelne Module bis hin zu Teilen der Reifeprüfung vorziehen oder Förderkurse besuchen.

Zusätzliche Kosten sollen trotz des Mentor- und Förderkurssystems nicht entstehen. "Es ist klug, das zum derzeitigen Zeitpunkt kostenneutral darzustellen", meinte Amon. Schmied verwies darauf, dass durch den Entfall von Klassenwiederholungen viel Geld eingespart werde. Laut "Milchmädchenrechnung" seien es bei 5.000 Schülern zwischen 35 und 40 Millionen Euro pro Schuljahr - "davon lassen sich sehr viele Förderkurse finanzieren".

Schmied: "Keine zusätzlichen Lehrer nötig"

Durch die "raschere Durchlaufzeit", so Schmied, seien auch keine zusätzlichen Lehrer nötig. Dass jene, die als Coach im Einsatz sind, dafür zusätzlich entlohnt werden, ist dabei für Schmied "nahezu selbstverständlich" - auch wenn mit der Gewerkschaft noch keine Gespräche geführt wurden. In Summe handle es sich dabei aber um kleine Beträge.

Neben der Modularen Oberstufe wurde am Dienstag auch der Ausbau der Integration nach der achten Schulstufe bekannt gegeben. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen künftig die Polytechnische Schulen bzw. die österreichweit elf einjährigen Haushaltungsschulen (Fachschulen für wirtschaftliche Berufe) besuchen können, auch wenn sie die achte Schulstufe nicht positiv abgeschlossen haben. Bei Bedarf können sie auch nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet werden.

Opposition spricht von unausgegorenem Konzept

Prinzipiell erfreut zeigten sich die Grünen in ihrer Reaktion auf die angekündigte Eindämmung des Sitzenbleibens in der Oberstufe. Das nun vorgestellte Konzept sei jedoch unausgegoren, sagte der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser. Weder Lehrkräfte noch Schüler oder Eltern seien darauf vorbereitet, so Walser, der vorschlägt, das in der Praxis bereits erprobte Aufsteigen mit einem Fünfer generell zu erlauben.

BZÖ- Bildungssprecherin Ursula Haubner ist zwar ebenfalls dagegen, dass Schüler wegen eines "Nicht genügend" im Zeugnis ein Schuljahr wiederholen müssen. "Es braucht aber klare, strenge Vorgaben und eine zeitliche Begrenzung, damit diese Prüfungen auch wirklich gemacht werden", so Haubner.

Nichts Positives kann der FPÖ- Bildungssprecher Walter Rosenkranz der Ankündigung abgewinnen. Rosenkranz ärgert sich vor allem über die wiederholten Hinweise auf die Kosten des Sitzenbleibens. Auch er sprach von einem unausgegorenen Konzept und warnte vor einer dauerhaften Beschädigung des hervorragende Niveau der österreichischen AHS und BMHS.

AG/red
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