Die Verfassung sehe vor, dass der Nationalrat - "und zwar jeder einzelne Abgeordnete" - zehn Wochen Zeit haben solle, um die Budgetberatungen bis zum Jahresende abzuschließen. "Diese Verpflichtung ist nach wie vor aufrecht", betonte das Staatsoberhaupt anlässlich der Eröffnung der Welser Herbstmesse.
Ihm sei bewusst, dass der Nationalrat auch beschließen könne, einen verspäteten Vorschlag seinen Beratungen zugrunde zu legen, räumte Fischer ein, "man kann ja die Republik nicht zusperren, weil es keinen Budgetentwurf gibt." Das ändere aber nichts daran, dass die Verfassung der Regierung grundsätzlich eine "terminliche Verpflichtung" auferlege, mahnte der Bundespräsident.
Lob an die Regierung verteilte Fischer für die Aufstockung der Geldmittel für die Justiz. In diesem Bereich gebe es ein "nicht zu leugnendes Unbehagen", so Fischer. "Es haben sich in letzter Zeit Dinge ereignet, die rechtsstaatlich denkende Menschen in Erstaunen versetzen". Die Grenze zwischen Schuld, Unschuld und Unschuldsvermutung dürfe nicht allzu lange eine Grauzone bleiben.
Die Justiz müsse daher "in einer schwierigen Situation, wo sich die Indizien für unglaubliche Machenschaften häufen", die Sachverhalte so rasch wie möglich klären, Rechtsbrecher zur Verantwortung ziehen, aber gleichzeitig die Regeln des Rechtsstaates einhalten, forderte er. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, brauche sie eine entsprechende Ausstattung. "Und die Bundesregierung hat erst vor wenigen Tagen deutlich gemacht, dass sie diese Notwendigkeiten erkannt hat. Das begrüße ich", so der Bundespräsident.