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02.10.2014 - 14:33

Der Audi R8 im Härtetest

13.01.2009, 16:20
Der Audi R8 im Härtetest (Bild: Andi Graf)
Foto: Andi Graf
Der R8 trägt zum Weltfrieden bei! Gewagte These, ich weiß. Aber jedes Stückchen Fröhlichkeit ist ein Schritt zu einer besseren Welt – und der Audi R8 sorgt für strahlende Gesichter, wo man auch mit ihm auftaucht. Wo andere teure Boliden Neidgefühle wecken, freuen sich hier die Menschen, diese relativ frisch geschaffene Ikone deutscher Ingenieurstechnik zu sehen.

Was ist es, das den R8 so special macht? Abgesehen von seinem ikonenhaft unverwechselbaren Äußeren. Nüchtern betrachtet ist er auch nur ein teurer Mittelmotorsportwagen wie andere auch; solche, die Neid wecken. Kostenpunkt: 150.000 Euro, angemessen ausgestattet. Vielleicht ist es die Tatsache, dass es ein Audi ist, also praktisch ein Bürgerlicher, der es zu etwas gebracht hat. Vom Hutträger- Image zu einem der heißesten Eisen der Zeit. Dem kleinen Arbeiter, der sich zum Chef eines Riesenkonzerns emporgeschuftet hat, neidet man seinen Erfolg ja auch nicht.

Dabei könnte ich den Neid sogar verstehen, denn der R8 trägt ziemlich dick auf: Der 4,2- Liter- V8- Mittelmotor thront unter einem Schaufenster und lässt sich gegen Aufpreis sogar kalt- blau beleuchten, die farblich abgesetzten Seitenteile zeigen einen geradezu dekadenten Hang dazu, harmonische Schönheit zu verhindern. Irgendwie sind sie auch volksnah, erinnern sie doch an den Smart Roadster.

Trendsetter in Sachen Make- up

Andersherum gesehen erinnern viele andere Autos an den R8, denn mit seinem LED- Tagfahrlicht unter den Scheinwerfern, das so ein böses Gschau macht, ist der R8 ein Trendsetter. Klar, dass Audi diese Lichtstreifen auch anderen Modellen ins Gesicht schminkt, aber auch andere Marken übernehmen die Maske. Zuletzt Lancia beim neuen Delta.

Der R8 baut auf der Plattform des Konzernbruders Lamborghini Gallardo auf, allerdings um 10 Zentimeter verlängert. Der Motor ist ein alter Bekannter aus dem Audi RS4, bekam allerdings eine Trockensumpfschmierung verpasst, damit das Auto nicht – so tief, wie der Motor eingebaut ist - auf der Ölwanne daherrutschen muss und außerdem rennstreckenmäßige Querbeschleunigungen verkraftet. Platz hätte der V10 aus dem Lambo aber auch.

Friedlich fährt der Mensch

Trotz der martialischen Optik ist der R8 ein braver Geselle, wenn man ihn nicht reizt. Das Fahrwerk ist erstaunlich komfortabel, der Sound stark, aber zurückhaltend (ein Audi S8 etwa klingt aggressiver), die Sitzposition äußerst angenehm. Dass der Motor gleich hinter dem Rücken arbeitet, treibt den Fahrer allerdings im Alltag immer ein wenig an. Dennoch ist gelassenes Fahren nicht so stressig, wie etwa in einem BMW M3. Wer will, kann also auch im Straßenverkehr friedliche Stimmung verbreiten.

Die wahre Bestimmung des R8 hat aber eher mit einem durchgetretenen Gaspedal und ausgereizten 420 PS zu tun, am besten auf einer abgesperrten Rennstrecke. Die Werte des R8 sind jedenfalls beeindruckend: 0- 100 km/h in 4,6 Sekunden, 301 km/h Spitze. Allradantrieb brennt die Power in den Asphalt, „Magnetic Ride“ verhärtet das Fahrwerk (das aber auch in der ärgsten Stufe überraschend weich bleibt). Das ESP ist in zwei Stufen abschaltbar und lässt eine Menge Spaß zu. Ganz ohne braucht es eine geübte Hand, damit die Hose sauber bleibt.

Der Grenzbereich kommt spät, dann aber giftig, wenn auch nicht übertrieben. Die Kraft geht via Viscokupplung zu 10 bis 35 Prozent an die Vorderachse, was bedeutet, dass man das Heck durchaus zum Spielen einladen kann. Zu hohe Geschwindigkeit am Kurveneingang wird allerdings mit Untersteuern quittiert. Im Prinzip hätte die Karosserie hinten zu wenig Abtrieb, was aber ein automatisch ausfahrender Heckspoiler ausgleicht.

„Smarte“ Schaltung

Auf der Rennstrecke macht auch das automatisierte Schaltgetriebe Sinn. Denn damit kann man beide Hände am Lenkrad lassen und mit den Fingerspitzem an den Schaltpaddles die sechs Gänge wechseln. Ansonsten ist dieser Automat genauso nervig wie etwa in einem Smart. Gut, dass es auch ein ganz normales Sechsganggetriebe gibt, das sogar einige Tausend Euro weniger kostet.

Hat das ABS versagt?

Ganz ungetrübt war die Freude mit dem R8 allerdings dann doch nicht. Auf dem Rundkurs im Driving Camp Pachfurth haben beim Anbremsen einer Kurve plötzlich die Reifen blockiert – trotz ABS! Statt in die Linkskurve ging es geradeaus weiter. Die Folge: Bremsplatten an den Reifen. Über die Ursache gibt es unterschiedliche Meinungen. Die eine Meinung: ABS- Ausfall. Die andere steht im Statement von Audi:

„Am Tag des Vorfalles hat sich der Eintrag 01766 (Bremsensteuergerät Regeldifferenz sporadisch) in den Datenspeicher eingetragen. Dieser Eintrag wird abgelegt, wenn das Fahrzeug in eine äußerst abnormale Fahrsituation gerät. Es ist demnach davon auszugehen, dass dieser Eintrag die Folge des Vorfalles war und nicht die Ursache. Auch die Flachstelle am Reifen lässt nicht darauf schließen, dass das betreffende Rad blockiert hat, sondern dass dies während des Schleuderns zustande gekommen ist (Abflachung quer zur Radialrichtung des Reifens)! Es ist also davon auszugehen, dass es keinen Ausfall des ABS gegeben hat und das Fahrzeug bei abgeschaltetem ESP von der Fahrbahn abgekommen ist, weil der physikalische Grenzbereich überschritten wurde.“

Bleibt anzumerken, dass es bei besagtem Bremsproblem gar nicht zu einem Schleudern gekommen ist, sondern der R8 beim Anbremsen schnurgeradeaus gerutscht ist. Zuerst mit gerade gestellten, dann mit eingelenkten, dann wieder kurz mit gerade gestellten Rädern. Wie da ein Fehlerspeicher- Eintrag die Folge eines Vorfalles sein kann, ist mir persönlich schleierhaft. Für mich hat schlichtweg das ABS versagt.

Kleiner Dreher, großer Schaden

Einen „Vorfall“ gab es dann aber doch noch, nämlich einen Dreher, der natürlich voll auf meine Kappe geht. Geringerer Grip aufgrund von Bremsplatten, dazu beginnender Nieselregen. Der Dreher war eigentlich harmlos, ich bin extrem langsam vorwärts in einen Erdhügel gerutscht. Der Aufprall hat sich kaum stärker als beim ungestümen Ausparken eines Fahranfängers angefühlt. Schaden ist von außen auch keiner zu sehen, die Front ist unbeschädigt. Aber: Der Kühler ist abgerissen, der Schaden beträgt laut Hersteller rund 9.000 Euro. Inklusive den bremsgeplätteten Reifen.

Was blieb, ist ein R8 in einer Wolke aus Kühlwasserdampf, der per Lkw abgeholt wurde. Was bleibt, ist aber der Eindruck eines großartigen Sportwagens, der dem Fahrer alles bietet: starke Optik, komfortables Racen, den Nimbus des Besonderen – und Aufmerksamkeit allüberall. Wer zum heimlichen Tête- à-tête mit der Sekretärin fahren will, sollte lieber ein Taxi nehmen. Ist zwar nicht besser für den Welt- , aber wenigstens für den ehelichen Frieden…

Stephan Schätzl

Warum?

  • Porsches und Ferraris fahren schon ziemlich viele herum.
  • Der in blaues Licht getauchte Achtzylinder.
  • Die vielen freundlichen Gesichter, in die man plötzlich blickt.

Warum nicht?

  • Für einen echten Rennstreckenking dürfte er härter sein.
  • Über die ABS- Sache denk ich noch nach.

Oder vielleicht …

  • … lieber auf den V10 warten?
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