Do, 19. April 2018

Nährstoffe fehlen

10.08.2007 14:37

Spitals-Patienten sind oft mangelernährt

Während Fettsucht in unserem Bewusstsein längst einen Fixplatz hat, ist Mangelernährung eine viel zuwenig bekannte Gefahr. Besonders Spitals-Patienten, die bereits vor ihrer Einlieferung ins Krankenhaus stark an Gewicht verloren haben, sind oft nicht ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt. Laut einer aktuellen Spitalsstudie unter österreichischer Leitung sind 50 Prozent aller Patienten in den Krankenhäusern mangelernährt!

Sogar übergewichtige Personen, die ins Krankenhaus kommen, können unter einem Defizit an Nahrungsbausteinen leiden ("Mangel im Überfluss"). Fehlende Freude am Essen wegen Krankheit, Trauer, Einsamkeit oder altersbedingte Schluckbeschwerden sind häufige Ursachen; weiters Krankheiten des Verdauungstraktes, die eine ausreichende Aufnahme von Fett, Eiweiß, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Spurenelementen verhindern.

Mangelernährte länger im Spital
Dem Körper fehlen diese lebenswichtigen Substanzen. Das Immunsystem bricht zusammen, nichts funktioniert mehr wie es soll. Zunächst ist aber nur der Gewichtsverlust sichtbar. Deswegen wird die Diagnose meistens erst im Spital gestellt, das man oft nicht zuletzt wegen der Folgen der Mangelernährung aufsuchen muss.

Logische Begleiterscheinung: Die Genesung von Krankheiten und die Rehabilitation nach Operationen werden erschwert. Dadurch erhöht sich die Sterblichkeit der betroffenen Patienten erheblich. In Zahlen: Sterben im Spital bei guter Betreuung normalerweise nur 1,3 Prozent der Patienten, so liegt die Sterblichkeit bei jenen, die zu wenig essen, bei 5,7 Prozent. Mangelernährte müssen durchschnittlich um die Hälfte länger im Spital bleiben. Das verursacht enorme zusätzliche Kosten und Leiden...

Diese alarmierenden Fakten wurden im Rahmen der Studie "Nutrition Day in European Hospitals" unter der Koordination von Univ.-Prof. Dr. Michael Hiesmayr, Med.-Uni Wien, erhoben. Krankenhäuser aus 24 europäischen Ländern nahmen daran teil.

Ein brauchbares internationales Modell hat Holland geschaffen, in Österreich darf sich das Univ.-Klinikum Graz als Vorreiter fühlen.

Risikopatienten frühzeitig erkennen
In den Niederlanden wird jeder Patient bei stationärer Aufnahme verpflichtend einer Untersuchung auf Mangelernährung unterzogen. So erkennen die Ärzte Risikopatienten frühzeitig. Es werden gewichts- und ernährungsbezogene Fragen gestellt, diese anhand eines speziellen Punktesystems ausgewertet. Anschließend wird bei gefährdeten Kranken nach Auslösern für ihre unzureichende Nahrungsaufnahme (Appetitlosigkeit, Übelkeit...) gesucht.

Einmal erkannt, kann die Ursache durch geeignete Behandlung behoben werden. Diese reicht von einfacher Ernährungsumstellung bis hin zu gezielter, künstlicher Ernährung.

Gut geschultes Pflegepersonal überwacht den Erfolg der ärztlichen Anordnungen und Diätologen. Die Daten werden ausgewertet. Um langfristigen Erfolg sicherstellen zu können, müssen auch Angehörige und der Hausarzt in den Therapieplan einbezogen werden.

Österreichische Experten fordern nun vom Gesundheitsministerium, sich ein Beispiel zu nehmen. Vorreiter ist, wie erwähnt, das Univ.-Klinikum Graz, wo es seit 2005 einen entsprechenden Fragebogen gibt. Dieser verursacht übrigens keinen Mehraufwand, da er leicht in die Krankenvorgeschichte (Anamnese) einzubinden ist.

Von Isabel Heger, Kronen Zeitung

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