Di, 12. Dezember 2017

Eng ist ineffizient

07.12.2017 18:36

Zu nahes Auffahren bei Rot stört den Verkehrsfluss

Großer Abstand zum Vordermann sorgt im Straßenverkehr oft für Unmut bei nachfolgenden Fahrzeugen. Doch Physiker der US-Hochschule Virginia Tech haben jetzt rausgefunden, dass sich größere Lücken positiv auf den Verkehrsfluss auswirken können. Das "Freiräumen" von Kreuzungsbereichen wurde allerdings nicht berücksichtigt.

Im dichten Feierabendverkehr in Großstädten quälen sich Autos oft Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen. Wer im Stop-and-go-Verkehr und vor allem vor Ampeln auch mal etwas großzügiger Abstand zum Vordermann hält, muss mit Protesthupen nachfolgender Autofahrer rechnen. Viele befürchten, ein großer Abstand sorgt auch für große Verzögerungen. Dabei können Lücken durchaus einen besseren Verkehrsfluss gewährleisten, wie Physiker der US-Hochschule Virginia Tech in einer jetzt im New York Journal of Physics veröffentlichten Studie herausgefunden haben.

Autos als Teilchen
Die Forscher gingen davon aus, dass sich Autos an Ampeln ganz ähnlich wie die Teilchen von Stoffen verhalten, die sich im Übergang von fest zu flüssig befinden. Ist die Ampel rot, ist der Aggregatszustand der Fahrzeuge fest. Fahren die Autos bei Grün los, gehen sie in den flüssigen Aggregatszustand über. Dabei interessierte die Forscher die Frage, welche Teilchendichte während des Stillstands für eine möglichst zügige Verflüssigung nach dem Anfahren sorgt. Oder auf die Verkehrssituation bezogen: welchen Einfluss unterschiedliche Abstände zwischen Autos an Ampeln auf den Verkehrsfluss haben.

Dazu führten die Wissenschaftler eine Versuchsreihe auf einer einspurigen, nicht öffentlichen Straße mit zehn Versuchspersonen durch, die alle einen Chevrolet Impala fuhren. Der Versuchsaufbau entsprach einer klassischen städtischen Verkehrssituation vor einer Ampel. Dabei wurden vor einer roten Lichtanlage die Fahrzeugabstände zwischen 38 Zentimeter und 15 Meter variiert. Wie sich die Fahrzeuge bei Grün in Bewegung setzten, hat eine Drohne von oben gefilmt.

Die Analyse der Video-Aufnahmen mag verblüffen: Bei engen Abständen dauerte es länger, bis alle Autos in Bewegung kamen. Bei großen Abständen hingegen konnten die hinteren Autos frühzeitiger anfahren und dies nutzen, um entsprechend zügiger die Ampel zu passieren. Ein negativer Einfluss auf die Zahl der passierenden Fahrzeuge pro Grünphase wurde bei größeren Abständen nicht festgestellt. Zusätzlich wiesen die Wissenschaftler darauf hin, dass größere Abstände nicht nur die Verflüssigung von Verkehr positiv beeinflussen können, sondern außerdem die Gefahren von Auffahrunfällen reduzieren.

Bei der Umsetzung dieser Ergebnisse ist jedoch zu bedenken, dass die Versuchsanordnung ausschließlich die Situation an der Ampel betrachtet. Im echten Stadtverkehr ist es oft wichtig, dass Autos keine zu großen Abstände lassen, weil die Kolonne sonst unter Umständen in die vorige Kreuzung hineinragt.

(SPX)

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