Fr, 15. Dezember 2017

Zusteller am Limit

04.12.2017 16:20

Wenn Online-Shopping zum Paket-Wahnsinn wird

Es gibt eine Berufsgruppe, für die ist Weihnachten alles andere als besinnlich: Paketboten, die für Post, DHL, Hermes, DPD und andere Logistikfirmen ausliefern, was die Österreicher im Online-Handel für ihre Lieben bestellen. Sie stoßen angesichts der jährlich wachsenden Paketlawinen im Dezember an ihre Grenzen, was Beschwerden auf der einen und Frust auf der anderen Seite zur Folge hat.

Das Paketgeschäft platzt aus allen Nähten: Weil die Logistikfirmen gar nicht in dem Ausmaß neues Personal anstellen können, wie das Paketaufkommen wächst, werden die Arbeitsbedingungen für die Zusteller immer härter. Die Gebiete, für die sie zuständig sind, wachsen stetig. Die Paketflut ebenfalls. Die Folge: Überforderte Boten, unorthodox zugestellte Packerl und frustrierte Kunden.

Der Logistikbranche fehlt das Personal
Wie das IT-Portal "Heise" berichtet, fehlen allein in Deutschland mindestens 6000 Zusteller. Hierzulande dürften es Hunderte sein. Dabei wächst das Paketaufkommen um sechs bis zwölf Prozent im Jahr, rechnet die deutsche Gewerkschaft ver.di vor. Doch nur wenige wollen den Knochenjob Paketzusteller machen. Kein Wunder, dass die Unzufriedenheit wächst - bei den Kunden ebenso wie bei den Boten.

Beleg für die wachsenden Probleme in der Paketzustellung ist eine Website der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Hier haben die Konsumentenschützer in den vergangenen zwei Jahren Beschwerden im Zusammenhang mit Paketzustellungen gesammelt. Insgesamt 21.000 Kunden haben sich dort beklagt: Über beschädigte oder verschwundene Pakete, Verspätungen, falsch abgestellte Sendungen, oder angeblich gescheiterte Zustellversuche, obwohl jemand zuhause war.

Zusteller greifen zu verwegenen Taktiken
"Schief geht es fast immer auf den letzten Metern", weiß Konsumentenschützerin Iwona Husemann. Die Probleme seien oft dem Stress geschuldet, unter dem Paketboten stehen. Viele von ihnen versuchen nach Kräften, der Paketlawine Herr zu werden und greifen zu verwegenen Taktiken, um ihr Pensum zu erfüllen. Da werden Packerl durchs WC-Fenster geworfen, in der Regentonne versenkt oder in Weitwurfmanier über das Gartentor geschleudert. Bei der Bundesnetzagentur rechnet man heuer mit einem Viertel mehr Beschwerden über falsch zugestellte Pakete.

Krankenstände und undurchsichtige Dienstverträge
Doch die durch Online-Shopping erzeugte Paketflut zehrt nicht nur an den Nerven der Kunden, sondern auch an der Gesundheit der Zusteller. Bei ihnen häufen sich Krankenstände - kein Wunder, bei diesem Knochenjob. Zumal viele nicht korrekt angestellt sind: Recherchen des Westdeutschen Rundfunks offenbaren, dass viele Paketboten in "wenig durchsichtigen Beschäftigungsverhältnissen" - etwa als schlecht bezahlte Sub- oder Subsub-Unternehmer - tätig sind. Vielerorts werden überhaupt vermeintlich selbstständige Zusteller aus Osteuropa angeheuert, für die keine Arbeitszeitobergrenzen oder Mindestlöhne gelten.

Hermes zieht schon die Paket-Notbremse
Bei manch einem Paketdienstleister zieht man angesichts solcher Zustände schon die Notbremse: Hermes beispielsweise hat in Deutschland in einigen Regionen eine Paket-Obergrenze für Online-Händler erlassen und nimmt keine weiteren Lieferungen mehr an, wenn diese Obergrenze erreicht ist.

Doch die Paketzusteller hoffen auch auf Nachsicht bei den Kunden. Einer schildert auf der Beschwerde-Website seine eigenen Erlebnisse im täglichen Berufsverkehr: "Eine Frau musste wegen mir zweimal rangieren, um auf den Parkplatz zu kommen. Daraufhin wurde ich von ihr auf das Übelste beschimpft und zweimal bespuckt. Leider kein Einzelfall."

 krone.at
Redaktion
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