Mo, 18. Dezember 2017

Mädchen (1) tot

05.10.2017 12:14

Sog erfasst Kinderwagen: Das sagen die ÖBB

Nach dem tragischen Unglück am Bahnhof in Puch im Salzburger Hallein, bei dem eine Einjährige ums Leben kam, melden sich nun auch die ÖBB zu Wort. Es handle sich um einen bedauerlichen und tragischen Einzelfall, hieß es am Donnerstag. Das in seinem Kinderwagen liegende Mädchen wurde durch den Sog eines Güterzuges auf den Bahnsteig geschleudert und erlag später seinen schweren Verletzungen.

Nur für einen kurzen Moment ließ die 24-jährige Mutter aus dem Tennengau den Kinderwagen los, als sie sich ihrem dreijährigen Sohn zuwandte. Doch genau in diesem Moment fuhr ein Güterzug mit höherem Tempo durch den Bahnhof. Der Sog zwischen den Waggons war dabei derart stark, dass die Einjährige aus dem Kinderwagen geschleudert wurde. Noch am Nachmittag erlag das Kleinkind seinen schweren Verletzungen.

Bei dem Kinderwagen handelte sich laut der Polizei um einen Buggy auf drei Rädern, in dem zwei Kinder nebeneinandersitzen können. Nun wird ermittelt, ob das Mädchen zum Zeitpunkt des Unfalls angeschnallt war und ob der Buggy mit einer Bremse festgestellt war.

"Halten sie bitte ihre Gegenstände fest"
Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair sei die Durchsage am Bahnhof, dass ein Zug durchfährt, zeitgerecht erfolgt. Für Reisende auf Bahnsteig eins lautete die Durchsage: "Achtung, Bahnsteig eins - Zug fährt durch, halten sie bitte ihre Gegenstände fest." Solche Durchsagen würden an Bahnhöfen und Haltestellen in Österreich sehr häufig am Tag erfolgen und seien nichts Außergewöhnliches.

Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h auch auf Bahnhöfen
Generell betrage die Maximalgeschwindigkeit für Güterzüge 100 km/h, erläuterte Gasser-Mair. Je nach den Gegebenheiten an Bahnhöfen dürften Güterzüge auch mit 100 km/h durchfahren. Am Bahnhof Puch bei Hallein sei diese Geschwindigkeit für Güterzugdurchfahrten erlaubt. Die ÖBB gehen davon aus, dass die Höchstgeschwindigkeit vom Lokführer am Mittwoch nicht überschritten wurde.




Videomaterial vorhanden
Der Lokführer müsse zu dem Vorfall jedoch erst befragt werden, auch die Zugdaten müssen noch ausgewertet werden, teilte die Polizei mit. Der Güterzug war nach Rosenheim in Bayern unterwegs, dort kam es zu einem Lokführerwechsel. Aufschluss über den Unfall erwartet man sich zudem aus den Daten einer Videokamera von einem Lokal am Gelände neben dem Bahnhof in Puch. Das Material wurde der Polizei bereits übergeben. Der tragische Vorfall sei aufgezeichnet worden, hieß es. Die Aufnahmen sollen ausgewertet und dazu Zeugen befragt werden. Die Einvernahme der Mutter des verunglückten Mädchens war aufgrund der tragischen Umstände bisher nicht möglich.

"Geschwindigkeitsdiskussion nicht im Vordergrund"
Die ÖBB würden jedenfalls mit der Polizei intensiv zusammenarbeiten, um den Unfall aufzuklären, sagte Gasser-Mair. Auf die Frage, ob die maximale Geschwindigkeit von Güterzügen, die an Bahnhöfen durchfahren, aus Sicherheitsgründen nicht reduziert werden sollte, ging der Sprecher vorerst nicht konkret ein. "Für uns steht nicht die Geschwindigkeitsdiskussion im Vordergrund, sondern die Klärung der Unfallursache. Wir wissen nicht, was zu dem Unfall geführt hat." Unmittelbare Konsequenzen würden nicht daraus gezogen.

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