Sa, 18. November 2017

Drama auf Bahnsteig

04.10.2017 17:06

Sog schleudert Mädchen (1) aus Kinderwagen - tot

Tragischer Unfall am Mittwoch im Bahnhof Puch im Salzburger Hallein: Bei der Durchfahrt eines Zuges wurde eine Einjährige aufgrund des starken Soges aus dem Kinderwagen geschleudert. Das kleine Mädchen schlug auf dem Bahnsteig auf und wurde derart schwer verletzt, dass es später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Zu den dramatischen Szenen kam es laut Polizei am Vormittag. Eine 24-Jährige aus dem Tennengau stand demnach mit ihren beiden Kindern - ein drei Jahre alter Bub und das einjährige Mädchen im Kinderwagen - auf dem Bahnsteig und wollte in Richtung Salzburg fahren.


Heftiger Fahrtwind erfasst Buggy
Als sich die Frau neben dem Kinderwagen um ihren Sohn kümmerte, fuhr der Güterzug durch den Bahnhof. Es entstand heftiger Fahrtwind, der den Buggy erfasste und das kleine Mädchen herausschleuderte. Die Einjährige schlug auf dem Bahnsteig auf und blieb dort schwer verletzt liegen. Nach der Erstversorgung durch Einsatzkräfte wurde das Mädchen ins Landeskrankenhaus Salzburg gebracht, wo es trotz aller Bemühungen verstarb.

Mädchen war angeschnallt
Der genau Ablauf des Unfalls werde nun ermittelt, soweit er sich noch eruieren lasse, sagte Polizeisprecher Hans Wolfgruber. Laut derzeitigen Ermittlungen sei das Kind angeschnallt gewesen. Beamte der Polizeiinspektion Hallein sind mit der Untersuchung betraut. Auch die ÖBB hätten Interesse an der Klärung des Unfalls, sagte der Polizeisprecher.

Parallelen zu tödlichem Unfall mit Kinderwagen im Jahr 2015
Der schreckliche Unfall weckt Erinnerungen an einen tödlichen Zwischenfall mit einem Kinderwagen am Linzer Bahnhof Ebelsberg im Jahr 2015. Damals hatte die Mutter eines eineinhalbjährigen Mädchens den Buggy auf dem Bahnsteig stehen gelassen, um im Untergeschoß Tickets für die Bahn zu besorgen. Der Fahrtwind eines durchfahrenden Güterzuges erfasste den Kinderwagen, dessen Bremsen nicht angezogen waren, und zog ihn samt dem Mädchen auf die Gleise. Das Kind wurde überrollt und war sofort tot.

Bedingte Haft für Mutter, kein Verfahren gegen Lokführer
Beim späteren Prozess gegen die Frau wurde sie im Dezember 2015 wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Haftstrafe von drei Monaten verurteilt. Ein Verfahren gegen den Lokführer des Güterzuges war bereits im Vorfeld eingestellt worden, da dem Mann kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. So war der Zug mit 68 km/h durch den Bahnhof gefahren - im erlaubten Geschwindigkeitsbereich, denn Güterzüge dürfen die Haltestelle mit bis zu 100 km/h passieren.

Als Mitursache für das folgenschwere Drama wurde der starke Wind, der an diesem Tag herrschte und den Kinderwagen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h in Bewegung gesetzt haben könnte, ins Spiel gebracht.

 krone.at
Redaktion
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