Mi, 18. Oktober 2017

Entlassen

08.08.2017 10:12

Google-Entwickler wegen sexistischer Mail gefeuert

Jener Google-Entwickler, der am Wochenende mit einem sexistischen Manifest über den geringen Anteil von Frauen in der Tech-Branche für Aufregung gesorgt hatte, ist laut Bloomberg entlassen worden. In einer E-Mail an die Finanznachrichtenagentur gab der nun als James Damore identifizierte Entwickler als Grund "die Zementierung von Geschlechter-Stereotypen" an. Er kündigte an, rechtliche Schritte gegen seine Entlassung zu prüfen.

Damore hatte in seinem 3000 Wörter umfassenden Manifest den geringen Anteil von Frauen in der Technologiebranche mit "biologischen" Unterschieden der Geschlechter erklärt. Demnach seien Frauen "offener gegenüber Gefühlen und gegenüber Ästhetik", sie zögen daher die Arbeit in sozialen oder künstlerischen Branchen vor. Männer hingegen verfügten über "natürliche Fähigkeiten", die sie zu besseren Programmierern machten.

Das interne Schriftstück gelangte am Sonntag an die Öffentlichkeit. Danielle Brown, die neue Google-Managerin für Diversität, zuständig also für die Vielfalt der Belegschaft auch im Hinblick auf die Geschlechter, wies die Ansichten unverzüglich zurück: In einer E-Mail an die Angestellten erklärte sie, diese Äußerungen würden weder von ihr noch vom Konzern "unterstützt, gefördert oder ermutigt".

Google-Chef Sundar Pichai (Bild oben) unterbrach sogar eigens seinen Urlaub, nachdem Damores zehnseitige "Manifest" heftige Debatten im Unternehmen auslöste. Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Lage gebracht: Er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten. Während sich laut Medienberichten viele Mitarbeiter in internen Foren empört bis fassungslos äußerten und den Text als Ansammlung sexistischer Stereotypen kritisierten, bekam der Autor auch Zuspruch in Teilen der Belegschaft.

"Linie überschritten"
Pichai schickte am späten Montag eine E-Mail an die Mitarbeiter, die von Google später auch veröffentlicht wurde. Teile des Textes hätten gegen interne Verhaltensregeln verstoßen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotypen über Geschlechter eine Linie überschritten, schrieb der Google-Chef. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht okay". Zugleich schränkte Pichai ein, dass es ebenfalls "nicht okay" sei, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten - insbesondere wenn sie von der Meinung der Mehrheit abweichen.

Die US-Technologiebranche ist von Männern dominiert. In letzter Zeit sind vermehrt Frauen an die Öffentlichkeit gegangen, die sich wegen Diskriminierung beschwerten.

 krone.at
Redaktion
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