Mo, 11. Dezember 2017

5G, eLTE & Co.

05.10.2014 09:00

Hier wird die Zukunft des Mobilfunks erforscht

In einem Industriepark der 24-Millionen-Megastadt Shanghai steht Huaweis größtes Forschungs- und Entwicklungslabor. 9.000 Menschen forschen dort – von gepflegten Parks umgeben – in einem gut und gerne 800 Meter langen Gebäude an der Zukunft des mobilen Internets. Verbesserte LTE-Technologien, die nächste 5G-Mobilfunkgeneration und Funklösungen für Staaten und Behörden sind das Geschäft der gewaltigen Anlage. krone.at konnte einen Blick in ihr Inneres werfen.

Dort offenbart sich für Technikbegeisterte ein Mobilfunk-Wunderland, das erahnen lässt, wohin der Weg in den nächsten Jahren führt. Riesige Handymasten auf Hausdächern gehören nicht mehr unbedingt dazu. Stattdessen arbeitet Huawei an kleinen, kompakten LTE-Basisstationen, die sich an Hauswänden, in Shoppingcentern oder sogar in Telefonzellen montieren lassen.

Das LTE-Netz der Zukunft, so der Gedanke der Huawei-Ingenieure, soll nicht nur durch große Türme betrieben werden, die Innenräume und Häuserschluchten schlecht erreichen. Vielmehr soll es omnipräsent sein – mit stromsparenden Mini-Sendern mit ein paar Hundert Metern Reichweite an Bushaltestellen, Straßenlaternen, in Innenräumen und generell überall dort, wo die Menschen es brauchen.

Keine Bedenken wegen Strahlungsbelastung
Bedenken wegen der durch die Mobilfunkmasten entstehenden Strahlen hat man dabei nicht. Man habe umfangreiche Experimente durchgeführt und nachgewiesen, dass Handystrahlung in geringen Dosen ungefährlich für den Menschen sei, wurde uns auf Nachfrage im Huawei-Forschungszentrum versichert.

Um Handynutzer mit schnellem mobilen Internet zu versorgen, forscht Huawei auch bereits an den nächsten Ausbaustufen. So hat der Netzwerkausrüster in Österreich mit T-Mobile erst kürzlich LTE-Advanced-Tests durchgeführt, bei denen Geschwindigkeiten von 300 Megabit pro Sekunde erzielt wurden. Das ist allerdings nichts gegen die Datenraten, die in Shanghai bereits erzielt werden.

5G überträgt ein Gigabyte pro Sekunde kabellos
Dort arbeiten Huawei-Techniker nämlich bereits an 5G-Netzen, also der nächsten Generation nach 4G-LTE. Und während das hierzulande noch kaum genutzte LTE schon pfeilschnell ist, wird 5G-Mobilfunk noch einmal deutlich rasanter. Bei Tests in Schanghai habe man mit der nächsten Generation schon Übertragungsraten von rund einem Gigabyte pro Sekunde (!) realisiert, einen Standard für die neue Mobilfunkgeneration gibt es allerdings nicht. Geht es nach Huawei, könnte der zwischen 2016 und 2018 feststehen, erste 5G-Netze könnten dann 2020 in Betrieb gehen.

Geplanter Verwendungszweck: zum Beispiel Autos. Dort könnten extraschnelle 5G-Verbindungen beispielsweise während der Fahrt HD-Filme zur Unterhaltung der Passagiere abrufen oder Videotelefonate auf der Rückbank ermöglichen. Aber auch am Smartphone könnte 5G-Funk durchaus praktisch sein.

eLTE: Eigenes LTE-Netz für Staaten und Behörden
Während 5G-Funk noch Zukunftsmusik ist, ist eine andere Funktechnologie aus Huaweis Forschungs- und Entwicklungslaboren in einigen Ländern wie etwa Südafrika bereits im Einsatz: eLTE. Es handelt sich um ein speziell für den Einsatz bei Staaten und Behörden entwickeltes sekundäres LTE-Netz, über das nur Einsatzkräfte wie Polizei und Rettungskräfte kommunizieren können.

Es überträgt Daten, Ton und Videos. Die eLTE-Geräte, die Huawei in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum zeigt, umfassen unter anderem Videofunkgeräte und kabellose Überwachungskameras mit Tonübertragung.

Für Notfälle gedacht, zur Überwachung optimal
Angedachter Verwendungszweck: Bricht beispielsweise in einer Fabrikanlage ein Feuer aus, kann die nächstgelegene eLTE-Überwachungskamera den Brand anvisieren und die Bilder an die nächste Feuerwehrzentrale und auf die Funkgeräte der einzelnen Feuerwehrleute übertragen, damit diese einen schnellen Überblick gewinnen. Wird das Netz beispielsweise durch die Zerstörung eines Funkturms beeinträchtigt, können kleine Akku- oder Generator-betriebene eLTE-Basisstationen zur Not sogar von Hubschraubern abgeworfen werden, um die Funklücke zu schließen.

Ein bisschen mulmig dürfte manch einem Beobachter angesichts der Fähigkeiten der eLTE-Geräte für Staaten und Behörden allerdings werden. Denn auch wenn Huawei beteuert, die Technologie sei vor allem für Notfälle und Katastrophen gedacht: Kabellose Überwachungskameras, die Bild und Ton erfassen und dies sogleich auf den Bildschirm oder das Videofunkgerät eines staatlichen Organs übertragen können, schüren dann doch auch ein wenig Angst vorm Überwachungsstaat.

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