Mi, 21. Februar 2018

Telekom & Netcologne

15.09.2014 09:06

NSA soll deutsche Internetanbieter verwanzt haben

In der seit mehr als einem Jahr anhaltenden Spähaffäre gibt es erneut Berichte über weitgehende Geheimdienst-Eingriffe auch in Deutschland: Wie das Magazin "Spiegel" am Wochenende berichtete, verfügen die Geheimdienste der USA und Großbritanniens über verdeckte Zugänge in die Netze der Deutschen Telekom und des Kölner Anbieters Netcologne.

Der "Spiegel" beruft sich auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. In von einem NSA-Programm namens Treasure Map erstellten Grafiken seien die Telekom und Netcologne namentlich aufgeführt und mit roten Punkten markiert, berichtete das Magazin. In einer Bildlegende heiße es dazu erklärend, die rote Markierung bedeute, dass es "innerhalb" dieser Netze "Zugangspunkte" für die technische Überwachung gebe.

NSA will "komplettes Internet kartografieren"
Das Treasure-Map-Programm hat dem Bericht zufolge das Ziel, "das komplette Internet zu kartografieren" und "jedes Gerät, überall, jederzeit" sichtbar zu machen, zitiert der "Spiegel" Mit der Anwendung könnten sogar Endgeräte wie Computer, Smartphones und Tablets visualisiert werden, sofern sie mit dem Internet verbunden seien. Das Programm diene unter anderem der "Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage", heißt es laut "Spiegel" in einer Präsentation der Anwendung.

Bisher war unter anderem bekannt, dass der britische Nachrichtendienst GCHQ, der mit der NSA kooperiert, wohl die zwischen den Kontinenten verlaufenden Glasfaserkabel anzapft, um den Internetverkehr zu überwachen. Nach den neuen Dokumenten sei vorstellbar, dass der Zugriff auch von Deutschland aus erfolge, schrieb der "Spiegel". Nach den NSA-Unterlagen stehe von weltweit 13 Servern, die für die NSA den Internetverkehr überwachten, einer in Deutschland: "gut getarnt" und "unauffällig" in einem Datenzentrum.

Neben Telekom und Netcologne sind demnach auch die drei deutschen Teleport-Anbieter Stellar, Cetel und IABG mit roten Kernen markiert. Ein GCHQ-Dokument liste Mitarbeiter namentlich als Zielpersonen auf und enthalte auch Kennwörter für die Server von Stellar-Kunden. Es handle sich um "Geschäftsgeheimnisse und sensible Informationen", sagte Stellar-IT-Chef Ali Fares dem "Spiegel". Geschäftsführer Christian Steffen betonte: "Ein solcher Cyberangriff ist nach deutschem Recht eindeutig strafbar."

Wanzen bislang nicht entdeckt
Telekom und Netcologne konnten nach "Spiegel"-Angaben bisher keine verdächtigen Vorrichtungen oder Datenübermittlungen feststellen. "Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel", sagte Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte am Sonntag, dass es über den im "Spiegel" dargestellten Sachverhalt "unterrichtet" sei und diesen gemeinsam mit anderen Behörden analysiere. Weitere Auskünfte wollte das Amt zunächst nicht geben.

NSA-Affäre belastet Beziehungen
Die Spähaffäre belastet seit mehr als einem Jahr das US-deutsche Verhältnis. Für weitere Irritation sorgte im Sommer die Enttarnung zweier Behördenmitarbeiter, die mutmaßlich für die USA in Deutschland spionierten.

An der technischen Ausrüstung des im Juli enttarnten CIA-Spions Markus R. beißen sich die Ermittler nach einem Bericht des "Spiegels" die Zähne aus: BSI-Fachleuten sei es bisher nicht gelungen, dessen "hochprofessionell" gesicherten Laptop zu entschlüsseln. Das habe Generalbundesanwalt Harald Range vergangene Woche den Obleuten des NSA-Untersuchungsausschusses berichtet.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden