Mi, 23. Mai 2018

Betrug aufgeflogen

20.01.2014 10:11

ADAC-Lieblingsautowahl seit Jahren manipuliert

"Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast", soll der frühere britische Premier Winston Churchill einmal befunden haben. Den ADAC hat dieser Spruch nun eingeholt: Der deutsche Autofahrerklub musste zugeben, dass die Wahl zum "Gelben Engel", also zum Lieblingsauto der Deutschen, manipuliert war. Und das schon seit Jahren, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Dabei hatte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair entsprechende Vorwürfe der Süddeutschen vom Dienstag noch bei der Preisverleihung am Donnerstag als "Unwahrheiten und Unterstellungen" sowie als "Skandal für den Journalismus" bezeichnet.

Doch tatsächlich geriet die "Gelbe-Engel"-Gala in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche im Nachhinein zur Farce - am Sonntag sagte der zuständige Kommunikationschef Michael Ramstetter dem Blatt: "Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt." Außer ihm soll niemand im Klub davon gewusst haben, auf die Rohdaten nur er Zugriff gehabt haben. Der Klub hat sich sofort von Ramstetter getrennt ("ohne Golden Handshake, ohne Abfindung"), der auch 16 Jahre lang Chefredakteur der ADAC Motorwelt (Auflage: 13 Millionen) war.

Als Motiv für die Fälschung wird im ADAC vermutet, Ramstetter sei die geringe Teilnehmerzahl beim Leserpreis seiner Zeitung peinlich gewesen. Von den rund 19 Millionen Mitgliedern hatten sich 3.409 für den VW Golf als liebstes Auto entschieden, mit "Ramstetter-Faktor" waren es 34.299. Die veröffentlichten Zahlen waren der Höhe nach frei erfunden. Weiter zurückreichende Untersuchungen gestalten sich schwierig, weil die Originaldaten offenbar oft bereits kurz nach der Auswertung vernichtet wurden. Da die sich kommunizierten Beteiligungszahlen aber immer auf einem ähnlichen Niveau bewegten, ist von Manipulation seit der ersten Verleihung 2005 auszugehen, bestätigte Obermair.

Er betonte, dass nach Studium der Excel-Dateien der letzten beiden Jahre (die der SZ vorliegen) wenigstens die Rangfolge der Gewinner real war. Jedoch hält sich nach Angaben des Blattes innerhalb des Verbandes hartnäckig das Gerücht, bei der Abstimmung " habe nicht immer das Auto mit den meisten Stimmen am Ende auch gewonnen".

Auch "ADAC Automarxx" gefälscht?
Doch der "Gelbe Engel" ist nicht das einzige ADAC-Ranking, das im Zweifel steht. Ramstetter soll einem Bericht der "Bild" zufolge schon vor Jahren gegenüber einem Journalisten eingeräumt haben, die Reihenfolge des "Markenwert" beim ADAC AutoMarxX spannend zuhalten. "Es wäre doch langweilig wenn immer die gleiche Marke Sieger wäre". Auf den Vergleich des Journalisten, dass das doch das gleiche sei wie der Wettbetrug bei der "Dreier Einlaufwette" beim Pferderennen, lachte Ramstetter nur.

Der Image-Schaden für den ÖAMTC-Partnerklub - mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und größter Verein in Deutschland - ist jedenfalls gewaltig.

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