Sa, 18. November 2017

Schulden aus Arbeit

08.11.2013 12:00

Job bei Apple-Partner führt in „Leibeigenschaft“

Wieder Ärger in der iPhone-Produktionskette – zur Abwechslung allerdings nicht bei Apple-Fertiger Foxconn, sondern bei Flextronics, dem Hersteller der iPhone-5S-Kamera. Neuen Berichten zufolge sollen dort Menschen aus Ländern wie Nepal, Indonesien, Kambodscha oder Vietnam angeheuert und über Job-Vermittlungsgebühren in eine Art "Leibeigenschaft" getrieben werden, aus der sie sich oft nicht mehr befreien können.

Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg berichtet, habe die hohe Nachfrage nach iPhone-5S-Komponenten beim in Singapur ansässigen Apple-Zulieferer Flextronics zu einem enormen Bedarf an neuen Arbeitskräften geführt. Gedeckt werde diese Nachfrage von Heerscharen an Jobvermittlern, die in die entlegenen Dörfer Nepals, Indonesiens, Vietnams, Kambodschas und Malaysias reisen, um dort nach Arbeitskräften zu suchen.

Diese Jobvermittler seien es auch, die die angehenden Fabrikarbeiter in die Abhängigkeit treiben. Die Agenten würden nämlich hohe Gebühren dafür verlangen, einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Mitunter sollen die Gebühren für die Vermittlung so hoch wie ein Jahresgehalt sein, das der Vermittelte später in den Elektronikfabriken von Flextronics verdient.

Arbeiter verschulden sich durch Vermittlungsgebühr
Um diese Vermittlungsgebühren bezahlen zu können, würden sich die Bewohner jener Dörfer, in denen die Agenten nach Arbeitskräften suchen, häufig in Schulden stürzen – mitunter direkt beim Vermittler. Es komme durchaus vor, dass die Arbeiter dem Jobvermittler ihren Pass übergeben müssen – als Sicherheit, dass sie auch tatsächlich für die aufgenommenen Schulden aufkommen.

Zurück bekämen die Arbeiter ihren Pass erst dann, wenn sie lange genug in der Fabrik gearbeitet haben, um die Vermittlungsgebühr zurückzahlen zu können. Die Betroffenen arbeiteten demnach in der Fabrik, um die Schulden zu bezahlen, die sie für die Jobvermittlung aufgenommen haben – übrig bleibe ihnen kaum etwas.

Oft würden sie offenbar auch genötigt, ihre Grundstücke in der Heimat zu verkaufen, um die Schulden bezahlen zu können – wodurch sie den Jobvermittlern jedoch erst recht ausgeliefert seien. Ohne Land seien die Betroffenen auf die Jobs in der Elektronikindustrie angewiesen, an deren Vermittlung ganze Heerscharen von Job-Agenten prächtig verdienen.

Schuldner können sich Heimreise oft nicht leisten
So wird in dem Bericht etwa der Fall eines Nepalesen geschildert, der hochverschuldet in einer Flextronics-Fabrik iPhone-Kameras zusammenbaue, ohne eine Chance zu haben, die Fabrik wieder zu verlassen. "Ich habe bereits Schulden, aber ich müsste mir noch mehr ausleihen, um von hier weg zu kommen", sagt der Betroffene.

Apple hat bereits auf die Vorwürfe reagiert und angekündigt, sie genau prüfen zu wollen. Bei Flextronics sollen nach Bekanntwerden dieser Praxis nun unabhängige Kontrolleure nach dem Rechten sehen. Flextronics selbst gibt an, betroffenen Arbeitern den durch zu hohe Gebühren entstandenen Schaden ersetzen zu wollen.

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