Sa, 18. November 2017

„Ess-Führerschein“

08.02.2010 11:45

Gesund essen lernen nach der Walleczek-Methode

Jedes Jahr verdienen sich die Erfinder von neuen Diäten im Frühling eine Goldene Nase. Fünf-Stunden-Pausen zwischen den Mahlzeiten, keine Kohlenhydrate oder sogenanntes Dinner Cancelling - wie sollen sich abnehmwillige Protagonisten im Diätendschungel auskennen? Ernährungsberaterin und Bestseller-Autorin Sasha Walleczek plädiert für eine Ernährungsumstellung, bei der gesund zu essen wie beim Führerschein erlernt werden soll.

Ganz schlimm ist für Walleczek das Dinner Cancelling. "Es gibt nichts Unsympathischeres als allein zu essen." Durch das ständige "Diäteln" kreisen die Gedanken ständig ums Essen. Warum zum Beispiel sind Franzosen um so viel schlanker? "Sie nehmen automatisch weniger Kalorien zu sich", meint Walleczek. "Aber da frage ich mich, warum hören sie auf zu essen, wenn sie satt sind, und wir nicht?" Die Menschen würden sich "so wenig spüren", so Walleczek. "Sie wissen einfach nicht, wie sich satt anfühlt, dabei sind sie schon längst voll."

Ernährungsführerschein
"Jeder soll ein gesundes Gefühl fürs Essen bekommen." Die Expertin vergleicht das Erlernen von neuen Ernährungsgewohnheiten wie den Führerschein zu absolvieren. "Das Autofahren macht man auch mit der Zeit automatisch richtig." Wichtig ist, dass beim Essen Spielraum gelassen wird. "Drei Gramm Eiweiß mehr oder weniger ist da ganz egal. Man darf nicht ständig darüber nachdenken, was man schon gegessen hat. Leute, die abnehmen, beschäftigen sich viel zu viel mit Essen. Und das ist irrsinnig belastend."

Ganz heikel ist da das Thema Heißhunger, der entsteht, wenn sich Menschen kasteien. "Sobald die Leute Heißhunger haben, ist Frustessen angesagt." Der wird durch die Unterzuckerung verursacht, weil zu viel Insulin ausgeschüttet wird. "Warum entstand die Unterzuckerung? Was tu ich dagegen? Eiweiß essen etwa, das bremst die Insulinausschüttung." Deshalb rät Walleczek auch zu Nüssen als Zwischenmahlzeit. "Sie sind reich an ungesättigten Fettsäuren." Wird Insulin im Übermaß produziert, dann wird auch kein Fett verbrannt, meint die Expertin.

Ob es bei ihrer Methode Unterschiede gebe, falls der Betreffende gleich 30 oder "nur" zehn Kilo abnehmen möchte? "Die Leute sind oft so weit weg von allem, da muss man ganz anders anfangen." Zunächst einmal müsse der Blutzucker stabilisiert werden. Die Abnehmwilligen nehmen mehrere kleine Mahlzeiten zu sich. Sasha Walleczek hat keine Listen oder Tabellen, denen gefolgt werden muss, oder Punkte bzw. Gramm, die zu zählen sind. "Es soll einfach und praxistauglich sein." Viele haben Partner, Familie, treffen sich mit Freunden. "Wenn da eine Ernährung nicht machbar ist, dann ist das eine Zumutung."

Faustregeln statt Verbote
Mit ihrer Doppel-CD "Die Walleczek Methode - Das 4-Wochen-Programm für Frühjahr/Sommer" (mehr zur CD und der Methode siehe Infobox) will sie Leuten in vier Wochen Schritt für Schritt bei der Ernährungsumstellung unterstützen. Ursprünglich hatte Walleczek ein viel komplexeres Programm geplant. Um sie nicht zu überfordern, ließ sie sich ein simpleres System einfallen: "So entstanden meine Faustregeln. Ich hab mir überlegt, eine Faustgröße Kohlenhydrate ist genug, dazu zwei Fäuste Gemüse und ein handtellergroßes Stück Eiweiß."

Bei Sasha Walleczek gibt es keine Verbote, auch die Ernährungsexpertin hat eine Schwäche für dunkle Schokolade und Rotwein. "Ich verteufel nichts, außer die Heimfritteuse", meint sie lächelnd. "Hin und wieder darfst du alles." Doch gerade anfangs sind gewisse Regeln notwendig. "Keiner soll vom Tisch aufstehen und Hunger haben. Ich sag immer, wehe du hungerst oder lässt Mahlzeiten aus."

Mit Frauen ist es schwieriger
Walleczek hat viel mehr mit Frauen zu tun als mit Männern. "Mit ihnen ist es schwieriger. Sie haben so viel probiert und sind so oft gescheitert." Bei Männern ist eine Ernährungsumstellung einfacher - "wenn sie sich dafür entschieden haben", so Walleczeks Nachsatz.

Sasha Walleczek hat ihr Diplom zur Ernährungstherapeutin in London am Institute for Optimum Nutrition in einer dreijährigen Ausbildung zum "Nutritional Therapist" gemacht. Zudem hat sie den Magister in Betriebswirtschaft auf der Wiener Wirtschaftsuniversität absolviert sowie mehrere Jahre in Asien und den USA gelebt und gearbeitet. Neben der Tätigkeit als Moderatorin und Autorin liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Stressmanagement bzw. Leistungssteigerung durch Ernährung, was vor allem in Firmenprojekten umgesetzt wird.

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