Di, 16. Jänner 2018

"Wunderschönes Hotel“

11.01.2018 06:00

Flüchtlinge bewerten ihre Lager auf Google Maps

Für viele Flüchtlinge ist das Smartphone das Wertvollste, das sie besitzen. Es ermöglicht gleichzeitig, den Kontakt zur Familie zu halten, sich sichere Routen zu suchen und ist Speicher für wichtige Dokumente. Immer häufiger passiert es aber auch, dass Geflüchtete vermehrt auf Funktionen zurückgreifen, die man eher aus dem Lifestyle-Bereich kennt. So werden beispielsweise auf Google Maps Flüchtlingslager auf aller Welt bewertet.

Möglich ist das, weil der Online-Kartendienst die Notlager als Unternehmen freigibt und es den Nutzern so ermöglicht, Rezensionen abzugeben.

Bewertet werden vor allem größere Flüchtlingslager, die in Afrika und dem Nahen Osten liegen. Allein in Kenia beherbergen die vier größten Camps der Welt mehr als 85.000 Einwohner, die vor allem aus dem benachbarten Somalia kommen.

"Lasst uns weiterziehen nach Deutschland"
Zwar geben oft nur wenige der Tausende Flüchtlinge ihre Bewertung ab, ein Zeugnis für die Stimmung in den Lagern ist es dennoch: "Sie helfen Flüchtlingen, sich besser zu organisieren", so einer der Flüchtlingshelfer namens Mazen gegenüber dem Medium "bento.de". Auf Google darüber zu berichten und die Probleme sichtbar zu machen, helfe den Flüchtlingen - "und wenn es für sie einfach darum geht, all den Frust einmal aufzuschreiben", so der NGO-Helfer weiter.

"10/10 Punkten"
Mal sind die Kommentare bitter, mal zynisch: "Ich habe keine guten Erinnerungen an diesen Platz. Dort sind viele Menschen aus der ganzen Welt untergebracht. Sie haben kein Geld für uns, also ziehen wir weiter nach Deutschland. Wir sehen uns dort", lautet eine der letzten Bewertungen des Lagers in Moria in Griechenland. "10/10 Punkten, bleibt in diesem wunderschönen Hotel", schreibt ein anderer Nutzer.

Lager mit "Meerblick" bekommt mehr Punkte
Mazen hält die Kommentare zwar für authentisch, eine realistische Bewertung ist es aber dennoch nicht, da viele ihre Sterne oft ironisch verteilen würden. Da werde dann ein Flüchtlingslager in Lesbos wegen seines "Meerblicks" aufgewertet – obwohl die Bewohner nur in dürftigen Zelten am Strand campen. Demnach spiegelt Google Maps nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit wider. Wenn sich Flüchtlinge wirklich austauschen wollen, machen sie das laut Mazen vor allem in geschlossenen Gruppen auf Facebook.

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Redaktion
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