Der ukrainische Präsident Zelenskij fordert ganz lapidar die nächsten 70 Milliarden Euro ein. Natürlich ist es richtig, die Ukraine gerade vor dem kommenden Winter nicht komplett ihrem Schicksal zu überlassen. Allerdings sollte man diese Vorgehensweise für die Zukunft schon einmal überdenken. Mit endlosen Waffenlieferungen und Milliarden an Steuergeld ist dieser Konflikt sicherlich nicht zu lösen. Die EU ist damit nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Sollte Russland andere Länder in Europa angreifen, gibt es hierfür keinen Plan B. So lautet die Expertise des ehemals ranghöchsten Soldaten in Deutschland, Harald Kujat. Man hat sich inzwischen für eine konfrontative Rhetorik gegenüber Russland entschieden und erhöht damit natürlich die Gefahrenlage am ganzen Kontinent. Im Ernstfall hätte man dem aber nur wenig entgegenzusetzen. Der deutsche Kanzler Merz betont stets, dass nur durch die Interventionen der EU weitere Übergriffe verhindert werden können. Man kann es aber auch so sehen, dass man sich gerade dadurch zur potenziellen Zielscheibe für Russland macht. Die Hoffnung ist stets die gleiche: Putin wird schon nicht auf die Idee kommen, weitere Länder in Europa anzugreifen.Eine Strategie ist hinter solchen Überlegungen aber nicht zu erkennen. Auf der einen Seite beschwört man die tägliche Konfrontation mit Russland, mit dem Nachsatz, es gibt hierfür keinerlei Alternativen. Auf der anderen Seite ist man davon abhängig, dass Putin hoffentlich nichts macht. Weil man einer Auseinandersetzung mit einer Atommacht ganz einfach nicht gewachsen ist. Es braucht weiterhin die Intention für ernsthafte Verhandlungen. Alles ist besser als eine globale Eskalation. Zu ernsthaften Verhandlungen gehört eine Debatte darüber, wie man die Sicherheitsinteressen der Ukraine und Russlands sowie Europas bestmöglich vereinen kann. Alle haben diesbezüglich berechtigte Anliegen. Was nicht zu konstruktiven Gesprächen gehört, ist, den Russen unaufhörlich zu erklären, dass man auf den eigenen Grundsätzen beharrt.
Wolfgang Knapp, Höfen
Erschienen am So, 18.10.2026
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