Das sind die Gründe

Studie: Tausende haben keine Krankenversicherung

Wissen
17.10.2026 22:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Tausende Menschen haben in Österreich keine Krankenversicherung. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Gesundheitskasse (ÖGK) hervor. Darunter sind demnach etwa Menschen in unsicherer und prekärer Beschäftigung oder Österreicherinnen und Österreicher, die nach langer Zeit aus dem Ausland zurückkehren.

Weitere Gruppen sind Menschen in schweren psychischen Krisen, Arbeitslose ohne Leistungsanspruch, Studierende und Hilfesuchende, die ihren Anspruch auf Sozialhilfe nicht einlösen. Die mit Abstand niedrigsten Versicherungsquoten liegen laut den Daten bei den Jüngeren, sprich 24- bis 24-Jährigen, gefolgt von den 25- bis 29-Jährigen und 30- bis 34-Jährigen. Im Regelfall ist das Einkommen niedrig. Viele Betroffene haben höchstens einen Pflichtschulabschluss, zudem sind sie seltener in einer Partnerschaft als Versicherte und wohnen häufiger alleine in einem Haushalt.  Auch Wohnungslosigkeit beziehungsweise eine prekäre Wohnsituation sei häufig anzutreffen, heißt es.

Nichtversicherte würden – aus Angst vor den Kosten oder aus Scham – oft erst spät medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, heißt es in der Studie. 28 Prozent suchen etwa frühestens drei Monate nach dem Auftreten der ersten Symptome eine medizinische Behandlung, 19 Prozent erst nach einem Jahr. Grund dafür sind die Angst vor unbezahlbaren Rechnungen, ein Mangel an Angeboten und Scham.

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Obwohl der Krankenversicherungsschutz in Österreich relativ umfassend ausgestaltet ist, fallen an den Rändern des Systems Personen aus dem Schutzbereich.

Michael Fuchs, Studienautor

„Obwohl der Krankenversicherungsschutz in Österreich relativ umfassend ausgestaltet ist, fallen an den Rändern des Systems Personen in außergewöhnlichen Lebenslagen und Statusübergängen aus dem Schutzbereich der Versicherung“, sagte Studienautor Michael Fuchs vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik & Sozialforschung. „Betroffene sind aus gesundheitlichen, psychosozialen oder sprachlichen Gründen häufig auch nicht eigenständig in der Lage, sich um ihre Leistungsansprüche zu kümmern“, sagten die Studienautoren.

Die Analysen basieren auf administrativen Daten des Dachverbands der Sozialversicherungsträger und der Statistik Austria. Die qualitative Befragung von nicht krankenversicherten Personen wurde in den Gesundheitszentren AmberMed, Marienambulanz, Virgilambulanz sowie Medcare (Innsbruck) durchgeführt.

Behandlung in bestimmten Zentren möglich
Allein diese würden einige tausend Patientinnen und Patienten behandeln, sagte Studien-Co-Autor Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich. Bei AmberMed arbeiten Medizinerinnen und Mediziner beispielsweise auf freiwilliger Basis ohne Bezahlung. Für Labor- oder Röntgenuntersuchungen bestehen Kooperationen mit Einrichtungen, die die Untersuchungen unentgeltlich durchführen.

Um die Situation zu verbessern, schlugen die Autoren unter anderem vor, jedes Kind, das eine Schule besucht, automatisch in das Versicherungssystem aufzunehmen, und bei der Verwaltung der einzelnen Bundesländer anzusetzen. Wesentlich sei auch die gesicherte Finanzierung von Dienstleistungen und Einrichtungen für die Betroffenen.

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