Es gibt Vorschläge, die zunächst wie Satire wirken. Gefährlich werden sie erst, wenn niemand mehr darüber lacht. Donald Trump hält Gianni Infantino für den richtigen Mann an der Spitze der Vereinten Nationen. Das überrascht kaum. Beide verstehen öffentliche Aufmerksamkeit als politische Währung und internationale Institutionen vor allem als Bühne. Der eine vermarktet Politik wie ein Spektakel, der andere hat aus dem Weltfußball ein permanentes Schaulaufen der Mächtigen gemacht. Natürlich wird eingewendet, Infantino führe mehr als 200 Fußballverbände und verfüge daher über außergewöhnliche diplomatische Erfahrung. Doch wer möglichst viele Interessen verwaltet, beweist noch keine moralische Führung. Ein UN-Generalsekretär ist kein Turnierdirektor. Seine Aufgabe besteht nicht darin, Sponsoren, Staatschefs und Verbände gleichzeitig zufriedenzustellen, sondern im Zweifel auch den Einflussreichsten zu widersprechen. Gerade hier liegt das Problem. Infantinos Amtszeit war geprägt von demonstrativer Nähe zu autoritären Regimen, von fragwürdiger politischer Symbolik und vom Eindruck, dass die Unabhängigkeit des Sports zunehmend dem Kalkül der Macht geopfert wurde. Seine demonstrative Nähe zu Donald Trump während der Weltmeisterschaft war deshalb kein Ausrutscher, sondern die konsequente Fortsetzung eines Führungsstils, der Nähe zur Macht mit internationaler Glaubwürdigkeit verwechselt. Auch das Gegenargument, Politik und Sport seien nun einmal untrennbar, greift zu kurz. Gerade weil sie sich berühren, braucht es Persönlichkeiten, die Grenzen ziehen – nicht solche, die sie verwischen. Wer Neutralität stets dort aufgibt, wo Kameras und Einfluss warten, eignet sich kaum als oberster Diplomat der Weltgemeinschaft. Die Vereinten Nationen brauchen keinen Mann, der mit den Mächtigen gut auskommt. Sie brauchen einen, der ihnen notfalls widerspricht. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Repräsentation und Führung.
John Patrick Platzer, Rauth
Erschienen am Sa, 25.7.2026
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