Womit droht Trump, wenn er wieder einmal mit der Faust auf den Tisch haut? Mit dem Entzug der NATO-Beistandspflicht bzw. mit dem Austritt aus dem Bündnis und der Einstellung der Unterstützung der Ukraine. Bisher hat das auf die Europäer großen Eindruck gemacht, man wollte es sich mit ihm nicht vertun und hat daher ein wirtschaftlich für Europa äußerst unvorteilhaftes Abkommen geschlossen, mit höheren Zöllen, verpflichtender Abnahme von Energie und gewaltigen Investitionen in den USA. All das mussten die Europäer schlucken, um dem vermeintlichen Liebesentzug von Trump zu entgehen, wohl wissend, dass sich derartige Erpressungen künftig jederzeit wiederholen könnten. Warum ist das so? Sind die Europäer verteidigungsmäßig so schwachbrüstig, dass sie nicht auf eigenen Füßen stehen können? Was machen wir richtig, was machen wir falsch? Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut weist nach, dass die weltweiten Ausgaben für Militär im Jahr 2025 ungefähr 2,5 Billionen Euro ausgemacht haben, auf ganz Europa (also nicht nur die EU) entfielen davon ca. 800 Mrd. Das heißt, dass Europa in Summe mehr für Verteidigung ausgibt als China und Russland zusammen und sich nahezu auf Augenhöhe mit den USA befindet. Es wird also sehr viel Geld in die Verteidigung investiert. Warum stehen wir dennoch so erbärmlich da? Ganz einfach: Weil uns im Gegensatz zu den anderen Genannten eine koordinierte Beschaffung, eine einheitliche Strategie und deren Umsetzung fehlen. Unsere Ausgaben in Europa sind national zersplittert, wir „verpritscheln“ viel Geld, wenn Europa z. B. 17 unterschiedliche Panzertypen hat – im Gegensatz zu einer Type in den USA, Russland oder China. Es fehlt nicht am Geld! Es fehlt uns an Gemeinsamkeit. Am Willen, Sicherheitslücken wie bspw. in der Luftraumüberwachung zu schließen. Je rascher Europa auf eigenen Beinen steht, desto größer seine eigene Sicherheit und der Respekt anderen uns gegenüber, desto geringer das Drohpotenzial jener, die uns erpressen wollen und das tun. Wir brauchen eine europ. Verteidigungsgemeinschaft, weit über die EU hinaus, unter Einbindung aller europ. Länder, einen „Sicherheitsrat für Europa“, den der frz. Präsident Macron einmal angedacht hat, der aber nie verwirklicht wurde. Insbesondere die beiden Nuklearmächte Frankreich und Großbritannien müssten in eine solche gesamteuropäische Verteidigungsstrategie eingebunden werden. Und wenn die Amerikaner die NATO verlassen wollen, ist das ihre Entscheidung, ihre eigene Sicherheitsposition wird nicht stärker, sondern wesentlich schwächer. Etwas, das sie selbst wissen, aber wir Europäer haben den Bluff bisher nicht ausreichend durchschaut. Es ist Zeit, zu handeln. Europa ist gefordert, muss einig und selbstbewusst auftreten, dann kann es viel vom verloren gegangenen Respekt wiederherstellen.
Christoph Leitl, Präsident Europäische Bewegung Österreich, per E-Mail
Erschienen am Do, 30.4.2026
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