Das freie Wort

Frauenverachtend

Gerade in einer Zeit, in der Frauen und Mädchen ohnehin im Alltag und in den sozialen Medien immer mehr unter Druck geraten, ist die Aussage vom EU-Abgeordneten Vilimsky besonders zu verurteilen. Die Gewalt gegen Frauen nimmt immer mehr zu, gerade Österreich ist bei Femiziden leider vorne dabei. In sozialen Netzwerken sind besonders Politikerinnen das Ziel von Hasspostings, haben manche Männer wirklich so viel Angst vor starken Frauen, dass sie diese so heruntermachen müssen? Ursula von der Leyen, Roberta Metsola und Christine Lagarde sind mit großer Mehrheit vom EU-Parlament in ihre Ämter gewählt worden, egal, ob dies der einen oder anderen Fraktion nun passt oder nicht. Nun, diese weibliche Führungsriege in der EU als Hexen zu bezeichnen und sie mit dem Auspeitschen zu bedrohen, ist als weitere Eskalation auf diesem Gebiet zu werten. Waren nicht unlängst einige österreichische Politiker bei den Taliban in Afghanistan zu Gast, wohl um sich, wie es jetzt den Anschein hat, einige Tipps zum Umgang mit aufmüpfigen Frauen zu verschaffen. Es ist löblich, dass sich jetzt Politikerinnen über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam gegen diese zutiefst sexistischen, frauenverachtenden Aussagen zur Wehr setzen; was ich allerdings vermisse, ist, dass sich bis jetzt ihre männlichen Kollegen nicht daran gestoßen haben, vielleicht sind sie ja auch klammheimlich der Meinung, dass Frauen sich lieber um die drei K, die da lauten: Kinder, Küche, Kirche kümmern und die hohe Politik lieber den Männern überlassen sollten. Wählerinnen sollten sich wohl genau überlegen, wo sie künftig ihr Kreuzerl machen, heute sind es Politikerinnen, die aus dem Amt gedrängt werden sollen, morgen vielleicht schon gutausgebildete und erfolgreiche Frauen in Wirtschaft und Verwaltung. Der aus Amerika überschwappende Trend vom Tradwife-Lebensstil fügt sich perfekt in diesen Rahmen ein.

Susanne Freigassner-Riederer, per E-Mail

Erschienen am Sa, 20.7.2024

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