Man muss Realist sein! Das heißt anzuerkennen, dass es viel Unrecht auf der Welt gibt und dass Unrecht auch Bestand haben kann. Juristen sprechen da von der „normativen (= rechtlichen) Kraft des Faktischen“. Konkret: Im Ukraine-Krieg wird durch Kampfhandlungen der Frontverlauf nicht mehr entscheidend geändert werden können. Jeder einschneidende Erfolg der einen Seite würde, wie heute die Dinge liegen, sofort durch eine Eskalation der Kriegsführung auf der anderen Seite beantwortet werden. Und jeder erste Eskalationsschritt zieht fast unweigerlich einen zweiten Eskalationsschritt auf der anderen Seite nach sich. Und so weiter. Und wo landen wir da? Im Atomzeitalter? Wo wir da landen würden, das ist sicher beiden Seiten bewusst. Und sie haben (hoffentlich) genug Vernunft, das nicht auszureizen. Die Konsequenz: Es ist ein Waffenstillstand unter Beibehaltung des derzeitigen Frontverlaufes anzustreben (vor allem auch zur Beendigung der Bombardierungen des Hinterlandes), So wie seinerzeit in Korea. Zwar mit einer Unrechtsgrenze, aber das ist immer noch besser, als ein Krieg ohne Ende mit unzählbaren Opfern, unwägbarem Leiden und am Ende keinerlei Veränderung. Dennoch: Es bleibt immer noch Hoffnung auf ein besseres Ende: In Russland könnten wieder einmal demokratische Verhältnisse einkehren mit einer Staatsführung, der die Geltung von Recht und geordneten internationalen Beziehungen auf rechtlicher Basis wichtig ist. Dann wäre man vielleicht bereit, die Bevölkerung selbst entscheiden zu lassen und in den okkupierten Gebieten Volksabstimmungen unter internationaler Kontrolle durchzuführen. Also: Man sollte nicht jede Hoffnung aufgeben. Denn nichts hat ewig Bestand. Auch das „Ewige Russland“ in seiner derzeitigen Form nicht. Aber jetzt, in unserer Zeit, ist vor allem Frieden wichtig. Denn nichts ist schlimmer als der (moderne) Krieg! Wir fernen einflusslosen Beobachter können leider nur voll Verzweiflung auf die Dummheit der Herrschenden schauen, der Herrschenden, die hier über Krieg und Frieden entscheiden.
Dr. Peter F. Lang, Wien
Erschienen am Mo, 9.10.2023
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