Das freie Wort

Tempo 100 auf Autobahnen

Ein Artikel in der „Krone“ vom 22. 7. 2022 hat mich als Techniker zu diesem Leserbrief bewogen. Ich verstehe nicht, wie ein Physiker wie Hr. Gruber einen derartigen Quatsch verbreiten kann, wonach mit der diskutierten Temporeduktion 50% Energie eingespart werden können. Dazu folgende Rechnung: Mit 130 km/h fährt man bekanntlich 130 Kilometer in einer Stunde. Fährt man stattdessen mit 100 km/h, kann man zwar den Verbrauch geringfügig reduzieren, die Wahrheit liegt bei etwa 15%, aber man fährt in einer Stunde eben nur 100 Kilometer. Für die 130 Kilometer braucht man dann um 18 Minuten mehr. Jetzt frage ich mich, ob die Herrschaften glauben, dass man in den zusätzlichen 18 Minuten keinen Sprit braucht? Kann sich jetzt jeder selber ausrechnen, dass man bei Tempo 100 zwar einen verminderten Kraftstoffverbrauch hat, aber diesen dafür um 18 Minuten länger verursacht. Bringt also im Endeffekt gar nichts, auch von der Umweltbelastung. Ein weiterer Fakt ist, dass das Automatikgetriebe bei modernen Fahrzeugen bei diesen Geschwindigkeiten nicht einmal im höchsten Gang fährt und somit in einem niedrigeren Gang wiederum mit der gleichen Drehzahl fährt wie bei höherer Geschwindigkeit im höchsten Gang – somit bei niedriger Geschwindigkeit der gleiche Ausstoß, dafür aber länger. Da geht sich auch das Thema „gut für die Umwelt“ nicht aus. Und was passiert mit den Elektrofahrzeugen? Dürfen die dann schneller fahren, oder müssen sie in der Garage bleiben, weil der Strom für sie, der dann von umweltschädlichen Kohlekraftwerken kommt, für andere Zwecke – z. B. Heizen – verwendet werden muss? Auch muss ich Hrn. Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit widersprechen, dass langsames Fahren die Verkehrssicherheit erhöht. Man fährt mit erhöhter Geschwindigkeit in der Regel konzentrierter als bei niedriger Geschwindigkeit, was auch die Unfallstatistik aus Deutschland, wo es bekanntlich keine Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen gibt, beweist. Also liebe Frau Ministerin Gewessler und sogenannte Experten – Nachhilfe in Mathematik nehmen und die Leute nicht für blöd verkaufen – nur um der EU wieder liefern zu können, etwas getan zu haben.

Franz Kramer, Wagrain

Erschienen am So, 24.7.2022

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