Wieder einmal zeigt sich, dass man aus der Geschichte lernen kann – wenn man will. Der türkische Sultan Erdoğan merkt natürlich, dass es langsam, aber sicher bergab geht mit seiner Herrschaft, und er weiß, dass Potentaten wie er in der Vergangenheit oft tragisch endeten, wenn sie zu lange an der Macht hängen geblieben waren. Eine ehemalige Demokratie wie die Türkei kann die Langzeitherrschaft eines Autokraten wie Erdoğan selbst nur sehr schwer verdauen und kennt natürlich kaum Mechanismen, diese zunehmend gefährlich in alle Richtungen wirkende Herrschaft legal zu beenden. Denn alle maßgeblichen Oppositionspolitiker sitzen längst im Gefängnis und können keine Bewegung auf die Beine bringen, die Erdoğans Herrschaft infrage stellen könnte. Nun aber hat sich der Sultan auf wirklich glattes Parkett begeben. Er möchte zehn westliche Botschafter, darunter auch den Vertreter der USA, des Landes verweisen. Weil diese es gewagt hatten, die Freilassung eines seit Jahren inhaftierten Oppositionspolitikers einzufordern. Damit bringt Erdoğan gleich mehrere Grundpfeiler seines Landes ins Wanken. Neben einem schlussendlichen Hinauswurf aus der NATO droht ihm ebenso ein Hinauswurf aus dem Europarat. Und nur die öffentliche Diskussion darüber lässt schon den Wechselkurs der türkischen Lira zu Euro und USD weiter in die Tiefe rasseln. Erdoğan hat vergessen,dass Politik auch über Wirtschaft und die vollen Mägen der Bevölkerung zu spielen ist. In seinem Größenwahn ignoriert er, dass die sich bereits abzeichnende und durch ihn verursachte Wirtschaftskrise sehr bald viele Millionen Türken ins Elend stürzen wird. Millionen, die sehr bald auf den türkischen Straßen sein und den Abgang des Systems Erdoğan immer vehementer einfordern werden.
Martin Krämer, per E-Mail
Erschienen am Mi, 27.10.2021
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